31. März 2018, 06:00 Uhr

Auf die Bremse

In Friedberg soll fast überall Tempo 30 kommen

Im Dezember 2011 wurden zwei Mädchen beim Überqueren der Saarstraße in Friedberg von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Die Politik forderte Tempo 30, nun kommt es fast in ganz Friedberg.
31. März 2018, 06:00 Uhr
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Von Jürgen Wagner
In der Ortsdurchfahrt von Fauerbach, einer Bundesstraße, ist auch bisher schon eine zeitlich begrenzte Temporeduzierung möglich. (Foto: Wagner)

In Sachen Verkehrssicherheit übernahm die Wetterauer Kreisstadt 2004 eine Vorreiterrolle: Friedberg war die erste Stadt in der Region, die flächendeckend Tempo 30 einführte. Abgesehen von klassifizierten Straßen (Bundes-, Landes- und Kreisstraßen) sowie den wichtigsten Verkehrsadern dürfen seither sämtliche Straßen in der Friedberger Kernstadt und den Stadtteilen nur noch mit Tempo 30 befahren werden.

Ziel war es, die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen. In Tempo-30-Zonen gilt generell rechts vor links, das bremst Raser aus. Im Falle der Saarstraße musste die Verkehrsbehörde des Wetteraukreises einer Geschwindigkeitsreduzierung zustimmen, da die Saarstraße eine Bundesstraße (B 275) ist. Vor sechs Jahren bekam die Stadt eine Absage. Bundesstraßen dienen auch dazu, den Schwerlastverkehr abzuwickeln. Um auf dieser Strecke Tempo 30 vorzuschreiben, hätten Stadt und Kreis eine gerichtlich nachprüfbare Notwendigkeit begründen müssen.

 

Bundesregierung machte mit Änderung Weg frei

 

In engen Ortsdurchfahrten ist dies vor Schulen kein Problem. In Ossenheim und Fauerbach etwa wurden vor den Grundschulen Geschwindigkeitsbegrenzungen eingerichtet. Die Saarstraße, lautete seinerzeit die Stellungnahme des Kreises, sei aber kein Unfallschwerpunkt. Es gebe eine Fußgängerampel, einen Fuß- und Radweg, eine Hecke und einen Schuleingang an der Seitenstraße.

Im November 2016 legte die Bundesregierung Änderungen zur Straßenverkehrsordnung vor. Seither können die Straßenverkehrsbehörden ohne größere bürokratische Hürden Tempo 30 auch dort anordnen, wo es bislang nicht möglich war. Liegen an Straßen des überörtlichen Verkehrs sogenannte »schutzbedürftige Einrichtungen« wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser oder Alten- und Pflegeheime, muss die besondere Gefahrenlage nicht mehr gesondert nachgewiesen werden. Die Städte können die Geschwindigkeitsbegrenzung anordnen. Im Falle der Saarstraße will die Stadt den Wetteraukreis um eine erneute Prüfung bitten, ob vor der Adolf-Reichwein-Schule und dem katholischen Kindergarten eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt wird. Man werde dies prüfen, sobald die Stadt einen Antrag stelle, hieß es aus dem Kreishaus.

 

Einjährige Probephase geplant

 

Den Prozess angestoßen hat die SPD, die im Februar 2017 im Stadtparlament einen entsprechenden Antrag stellte. Die Stadtverwaltung sollte eine Übersicht erstellen, wo Tempo 30 aufgrund der neuen Gesetzeslage möglich und sinnvoll ist. Nun soll das Konzept aus dem Jahr 2004 abgerundet werden.

In einer einjährigen Erprobungsphase sollen auch Abschnitte jener Straßen, die damals von der Regelung ausgenommen worden sind, auf Tempo 30 reduziert werden (siehe Kasten). Das wären die meisten Straßen. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, hat es zahlreiche Anregungen und Beschwerden von Bürgern gegeben, auch Unterschriften für Temporeduzierungen sind gesammelt worden. Die Straßenverkehrsbehörde im Rathaus hat sämtliche Schulen, Kitas, Krankenhäuser sowie Alten- und Pflegeheime überprüft. Die meisten dieser Einrichtungen liegen bereits in einer Tempo-30-Zone. Neu hinzukommen sollen die Kita »Tintenklecks« in der Usavorstadt (hier sorgt derzeit ein Geschwindigkeitsmessgerät dafür, dass Autofahrer auf die Bremse steigen) und die Einrichtungen in der Ockstädter Straße (Johann-Peter-Schäfer-, Henry-Benrath- sowie Philipp-Dieffenbach-Schule und Bürgerhospital).

 

Vor Kita Kaiserstraße Tempo 50

 

Vor der evangelischen Kita Kaiserstraße wird es bei Tempo 50 bleiben. Die Kita werde rückwärtig über die Leonhardstraße erschlossen, daher sei eine Geschwindigkeitsreduzierung nicht notwendig.

Die Antragstellerin Marion Götz, Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtparlament, freut sich, dass nun »Bewegung in die Sache gekommen« ist. Die Verwaltung habe eine detaillierte Untersuchung vorgelegt. Das werde nun in den Ausschüssen und im Stadtparlament diskutiert. Götz: »Unser Ziel war es, die neuen rechtlichen Möglichkeiten so weit auszuschöpfen, wie es möglich ist, um die Straßen sicherer zu machen.« Es gebe viele Beschwerden von Bürgern über Raser. Diese Beschwerden nehme man ernst.

Info

Tempo 30 in Friedberg

Auch wenn’s vielen Autofahrern noch nicht aufgefallen sein mag: Seit 2004 dürfen sämtliche Straßen in der Friedberger Kernstadt und den Stadtteilen nur noch mit höchstens Tempo 30 befahren werden; ausgenommen sind lediglich Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie die Hauptverkehrsadern. In einer einjährigen Testphase soll nun ein Teil dieser Straßen ebenfalls auf Tempo 30 zurückgestuft werden. Dies sind die Kaiserstraße (von der Burg bis zur Ockstädter Straße), die beiden Strecken entlang des Bahngeländes (Am Burgberg/Usavorstadt, Alte Bahnhofstraße, Haagstraße, Haingraben, Hanauer Straße und Saarstraße bis zur B 275/Kaiserstraße sowie Mühlweg, Im Rosenthal, Barbarastraße und Fauerbacher Straße bis zur B 275/Fritz-Reuter-Straße) und die Ockstädter Straße. Ein Termin für den Beginn der Testphase steht noch nicht fest. Zunächst müssen sich die Ausschüsse und dann das Stadtparlament mit der Thematik befassen. (jw)



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