05. November 2019, 18:28 Uhr

In dieser wunderschönen Nacht

05. November 2019, 18:28 Uhr
Elfriede Allbrink (Regina Dobner, l.) hegt einen üblen Verdacht gegen Heidi Förster (Sigrun Walter, r.). Hier mit Nachbarin und Freundin Jasmin Senff (Claudia Wagner, M.). (Foto: isi)

Ein Schuss, ein Beil, ein Tranchiermesser und lauter Krach: Zerstückelt Heidi Förster am Weihnachtsabend tatsächlich ihren Mann oder hat die Nachbarin Elfriede Allbrink einfach zu viel Fantasie? Die pechschwarze Krimikomödie »In dieser wunderschönen Nacht« von Ulrich G. Engelmann, mit der die Steinfurther Theatergruppe »TIS« am Freitag Premiere feierte, ist die dritte Inszenierung, die die Laientheatergruppe um Regisseur Jürgen Michel auf die Bühne des Steinfurther Rosensaals bringt. Der Titel bezieht sich auf ein bekanntes und sehr makabres Adventsgedicht von Loriot, in welchem die Förstersfrau am Heiligen Abend ihren Mann erschießt und zum späteren Verzehr in kleine Stücke zerteilt und verschenkt. Das Publikum rätselte bis zum Schluss gespannt mit.

Durch den dunklen Saal hallt ein lauter Knall. Dann geht das Licht an, der Bühnenvorhang öffnet sich.

Was ist im schweren Koffer?

Zu sehen ist ein Wohnzimmer, weihnachtlich geschmückt mit Baum und Geschenkpäckchen und Heidi Förster, die, bewaffnet mit Beil und elektrischem Tranchiermesser, ins Badezimmer geht. Man vernimmt laute Hack- und Sägegeräusche, dann kommt Frau Förster mit zwei schweren Koffern wieder auf die Bühne. Ihr Ehemann Paul wird vermisst. Seitdem er am 22. Dezember auf Geschäftsreise ging, gab es kein Lebenszeichen. Per Handy ist er nicht erreichbar und auch in der Ferienwohnung, in der man sich an Heiligabend treffen wollte, taucht er nicht auf.

Sigrun Walter verkörperte die Figur der Heidi Förster so überzeugend, dass der Zuschauer bis zum Ende des Stückes schwankt, ob sie verlassen wurde oder tatsächlich eine eiskalte Mörderin ist. Zumindest scheint die Abwesenheit ihres Mannes keine zu große Trauer bei ihr auszulösen. Als sie auf Anraten ihrer Freundin und Nachbarin Jasmin Senff (gespielt von Claudia Wagner) eine Vermisstenanzeige bei der Polizei erstattet, äußert ihre Nachbarin Elfriede Allbrink einen ungeheuerlichen Verdacht: Heidi Förster soll ihren Mann ermordet, zerstückelt und aus dem Haus geschafft haben. Regina Dobner spielt die Rolle der nervigen Nachbarin, die fast alles mitbekommt, mit viel Komik und unterstützt mit vielen Lachern und Zwischenapplaus aus dem Publikum. Was ihr bei aller Aufmerksamkeit entgeht, ist allerdings, warum ihr Gatte Jonas (gespielt von Thomas Walter) tatsächlich so oft die Nachbarin Heidi besucht.

Die beiden Kommissarinnen Haferkamp und Schimanski (gespielt von Marita Kanne und Nicole Jung) suchen nach Beweisen. Indizien weisen auf ein Verbrechen hin, könnten sich aber auch als vollkommen harmlos entpuppen.

Was war in den zwei schweren Koffern, die Freund Willi (gespielt von Dieter Wagner) zum Auto schleppt? Brennholz, das Heidi Förster im Badezimmer zerteilt haben will, und Bücher für die Ferienwohnung, wie sie behauptet, oder doch etwa der Gatte? Trotz kriminalistischem Einsatz und DNA-Analyse kommt man Frau Förster nicht auf die Schliche. Gegen Ende des Stücks ahnen die Zuschauer vielleicht etwas, während Heidi Förster mit ihren Freunden die Silvesterkorken knallen lässt.

Die Spielfreude der Schauspieler des »TIS« übertrug sich auch in diesem Jahr wieder auf die zahlreichen Zuschauer im ausverkauften Rosensaal. Neben der schauspielerischen Leistung der Laiendarsteller überzeugte auch das liebevoll und detailreich gestaltete Bühnenbild. Und die zahlreichen Helfer an den Theken und hinter der Bühne sorgten für ein rundum gelungenes Theatererlebnis.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Beile
  • Loriot
  • Polizei
  • Schimanski
  • Theatergruppen
  • Bad Nauheim-Steinfurth
  • Isabell Steinhauer
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.