03. April 2018, 14:00 Uhr

Erfolgsgeschichte

»Integration hat funktioniert«

»Wenn du es willst, dann schaffst du es«, heißt der Leitspruch von Ghayath A. (Name geändert). Anfang 2016 war der heute 43-Jährige aus seiner syrischen Heimatstadt Homs mit seiner Ehefrau nach Deutschland geflüchtet. Seitdem hat sich vieles zum Besseren gewendet.
03. April 2018, 14:00 Uhr
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Von Edelgard Halaczinsky
Win-Win-Situation: Ghayath hat sich bestens in das IBC-Team integriert. Hier schauen ihm seine Chefin Irmina Bültmann und Junior-Chef Armin Scheugenpflug über die Schulter. Desiree Rahn (im Hintergrund) ist seine »Schwester«, denn sie hilft immer, wenn es wirklich einmal klemmen sollte. (Foto: lh)

Auf Booten oder zu Fuß, mal auf dem Schienenweg oder mit abenteuerlichen Transportmitteln, die er nicht näher beschreiben will, wagten sie den Weg über den Libanon nach Europa. »Ich habe es kaum glauben können, dass meine Frau diese Strapazen überhaupt bewältigen kann, aber gemeinsam haben wir es geschafft«, sagt der studierte Bauingenieur. Zwölf Jahre lang war er im Hoch- und Tiefbau sowie in der Abwassertechnik als selbstständiger Unternehmer tätig, lehrte zudem an der dortigen Universität. »Wir haben alles aufgegeben, haben nachts auf der Straße geschlafen und nur eine Hoffnung gehabt: endlich in Sicherheit leben zu dürfen.«

 

Seit einem halben Jahr ist der Bauingenieur fest angestellt

 

Seit einem halben Jahr hat Ghayath eine feste Anstellung bei IBC Raum & Objekt in Rosbach. Davor hatte er sich ein Vierteljahr als Praktikant in dem Messebau-Unternehmen umschauen dürfen. Nachmittags lernte er eifrig die deutsche Sprache und eignete sich die europäische Schrift an. »Hier kamen viele Faktoren zusammen, die der Sache zum Erfolg verhalfen«, ist IBC-Prokuristin Irmina Bültmann überzeugt. Sie hatte eine offene Stelle zu besetzen und suchte händeringend nach einem Fachmann, der sich im Bereich von Statik und Architektur auskennt. Der junge Syrer passte genau in das Profil.

David Glunde und Johannes Paul von der Bundesagentur für Arbeit waren die Vermittler gewesen. »Ich arbeite gern mit der Bundesagentur zusammen«, gibt Bültmann selbstbewusst zu verstehen. Für Glunde und Paul eine Einstellung, die sie zu schätzen wissen. Außer der Arbeitsvermittlung bieten sie auch Hilfe und Beratung an, wenn Schul-, Berufs- oder Studienabschlüsse in Deutschland anerkannt werden müssen. Ghayath hat von allen seinen Dokumenten beglaubigte Kopien im Gepäck gehabt. »Die liegen jetzt bei der Ingenieur-Kammer und werden nach entsprechender Prüfung offiziell bestätigt«, sagt Glunde. Gute Aussichten für den syrischen Flüchtling, der in Deutschland auf eine neue Zukunft hofft.

 

Nach neuen Monaten Geldreserven aufgebraucht

 

Die Flucht von Homs in den Libanon war für ihn nur eine Übergangslösung gewesen. Genau wie für seine Familienangehörigen, die heute in der Wetterau oder an anderen Orten in Deutschland leben. »Wir waren vor dem Krieg in den Libanon geflohen, und hatten dort trotzdem nur die Alternativen: Kämpfen und töten – oder selber sterben.« Schon nach neun Monaten waren alle finanziellen Reserven aufgebraucht, denn im Libanon bekommen Syrer keine Arbeitserlaubnis. Die Odyssee des Ehepaares führte über Wien und München nach Berlin, wo man aufgrund steigender Flüchtlingszahlen keine Hoffnung auf Hilfe am Horizont erkennen konnte.

Ein Tipp aus der Verwandtschaft führte Ghayath und seine Frau in das Ankunftszentrum in der Gießener Rödgener Straße. »In Deutschland habe ich meine zweite Heimat gefunden«, sagt der Ingenieur heute. Freunde aus der Nachbarschaft halfen dem Ehepaar weiter, ebneten ihnen den Weg in ein neues Leben fernab vom Krieg. »Wir fühlen uns wohl, denn hier sind wir nicht allein.« Man feierte gemeinsam das Weihnachtsfest, und die deutschen Freunde Claudia und Kai Fischer aus Butzbach halfen bei der Beschaffung von Hausrat und bei der Bewältigung von Aufgaben des Alltags.

 

Deutsch miteinander gesprochen

 

»Die Integration hat funktioniert, weil wir von Anfang an deutsch miteinander sprachen«, sind sich Ghayath und seine Chefin einig. Nur bei Fachbegriffen greift man auf Englisch zurück – was bei einer so komplexen Thematik ja schon mal passieren kann. »Im Gespräch zwischen Kollegen lernt man meist schneller eine andere Sprache als im Unterricht«, meint der junge Syrer. Beides zusammen sei eine gute Mischung.



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