16. März 2017, 20:36 Uhr

Integrieren statt ausgrenzen

16. März 2017, 20:36 Uhr

Vertreterinnen und Vertreter von DGB-Gewerkschaften, Sozialverbänden, der SPD und den Grünen sowie der evangelischen Kirche sind jüngst der Einladung des DGB-Kreisverbandes Wetterau in die Stadthalle Friedberg gefolgt, um beim Neujahrsempfang das Thema soziale Gerechtigkeit zu diskutieren.

Nach der Begrüßung durch den DGB-Kreisvorsitzenden Karl-Otto Waas nahm Tobias Huth, DGB-Gewerkschaftssekretär für Südosthessen, zur sozialen Schieflage mit einer ungleichen Vermögensverteilung in der Bundesrepublik Stellung. Er erklärte selbstkritisch, dass die Gewerkschaften gegen diese Entwicklungen nur bedingt Alternativvorschläge hätten durchsetzen können. So sei es zu einem massiven »Rollback« bei den Errungenschaften bei der Arbeitszeitreduzierung, der auskömmlichen gesetzlichen Rente ab 65, dem Kündigungsschutz, aber auch beim sozialen Wohnungsbau gekommen. Insbesondere die Agenda 2010 habe hier das größte Umverteilungsprogramm zu Lasten der abhängig Beschäftigten im Nachkriegsdeutschland umgesetzt.

Hinsichtlich der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft könne man dabei Menschen, denen in den letzten Jahren durch die Agenda-Politik die Solidarität aberzogen wurde, nur bedingt vorwerfen, sich nicht mehr solidarisch auch gegenüber Fremden zu verhalten. Um einen weiteren Verfall der politischen und sozialen Kultur in unserer Gesellschaft aufzuhalten, müsse wieder eine Politik entwickelt werden, die möglichst viele Menschen wieder integriere und nicht ausgrenze.

Damit übergab Huth das Wort an Dekan Volkhard Guth. Auch Dekan Guth referierte zum Thema soziale Gerechtigkeit, allerdings aus theologischer Perspektive. Er suchte im großen Luther-Jubiläumsjahr in dessen Denken und vor dem Hintergrund der Reformationsgeschichte nach Grundlagen für das Konzept der sozialen Gerechtigkeit – und wurde auch fündig. Nach Luthers Verständnis von Gerechtigkeit liege diese in der Gerechtigkeit Gottes gegenüber den Menschen begründet, die sinnbildlich in der biblischen Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei des Pharao Ägyptens dargestellt werde. Ungerechtigkeit sei hier als Abhängigkeit und Sklaverei zu verstehen, aus der Gott die Israeliten hin zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit in der Zukunft befreit habe. Das Besondere an Luthers Gerechtigkeitsverständnis sei nicht nur die Verknüpfung mit Freiheit, sondern die voraussetzungslose Gewährung durch Gott. Dieser könnten Menschen zwar ihrerseits durch gerechtes Handeln nacheifern, ein göttlicher Zwang zur Bewährung sei damit aber nicht verbunden.

Abschließend ging Guth auf den Diskussionsstand zur sozialen Gerechtigkeit ein. Während sich Gewerkschaften stärker dafür stritten, dass der gesellschaftliche Wohlstand gerechter verteilt würde, erscheine der in der Politik immer noch beliebte Begriff der Chancengerechtigkeit zunächst als Verbindung von Gerechtigkeit und Freiheit im Sinne von beruflicher Selbstverwirklichung. (Foto: pv)

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