16. Juli 2019, 14:00 Uhr

Wasserentnahme

Ist der Golfplatz verantwortlich für die trockenen Gräben?

Kürzlich ist der Golfplatz in Altenstadt vergrößert worden. Nun beobachten Stammheimer trockengefallene Gräben nahe der Anlage. Die Grünen geben dem Betreiber die Schuld, der dort Wasser abpumpt.
16. Juli 2019, 14:00 Uhr
Wird dieser Altenstädter Teich mit Florstädter Wasser gespeist? Um die Wassernutzung des Golfplatzes in Altenstadt sorgen sich nicht nur die Grünen. (Foto: G. Salz)

Warum führt der Grundelbach kein Wasser? Es ist schon eine Weile her, dass sich der aufmerksame Stammheimer Läufer Reinhard Heller diese Frage gestellt hat. Er berichtete dem Ortsbeirat über das trockengefallene Grabensystem oberhalb des Florstadt-Stadtteils. Rund ein halbes Jahr und eine Anfrage der Grünen beim Wetterauer Kreistag später liegt die Antwort auf dem Tisch: Der Golfplatz in Altenstadt hat illegal Wasser aus dem Graben abgezapft und in die Teiche auf dem kürzlich erweiterten Gelände geleitet. Ist der Bach deshalb trocken? Der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Fakt ist: Die Wasserentnahme durch den Golfplatzbetreiber verstößt gegen die Auflagen. Das stellt nicht nur der Kreisbeigeordnete Matthias Walther (CDU) in seiner Antwort fest - gestützt auf eine Begehung der Unteren Wasserbehörde am 17. Juni. Das räumt auch Peter Vetter, Geschäftsführer des Golfclubs, ein: »Wir haben einen Fehler gemacht. Das habe ich der Unteren Wasserbehörde in einer Stellungnahme mitgeteilt, und wir haben bereits zurückgebaut.« Das Wasser werde nun nicht mehr auf den neuen Teil des Golfplatzes geleitet.

Fakt ist aber auch: Der Golfplatzbetreiber hat seit 2010 die Erlaubnis, Wasser für seine Anlage aus Gewässern zu entnehmen, in seinen drei Teichen zu speichern und für die Bewässerung zu nutzen - das gilt auch für das Stammheimer Grabensystem. Die Erlaubnis gilt allerdings für den Golfplatz, wie er zu dieser Zeit war - mit damals noch 18 Löchern. Nicht zulässig war es aber, das abgezapfte Wasser auf dem nachträglich um neun Bahnen erweiterten Gelände zu nutzen. Für den Verstoß muss der Betreiber nun mit einem Bußgeld rechnen. Das mag man eine bürokratische Spitzfindigkeiten nennen, aber was ist mit dem ausgetrockneten Grundelbach?

Nicht an Erlaubnisbescheid gehalten

In dem Grabensystem sammle sich Wasser aus dem gesamten Einzugsgebiet, es fließe in einem Rohr durch Stammheim und in die Nidda, erklärt Gerhard Salz, der für die Grünen im Stammheimer Ortsbeirat und dem Wetterauer Kreistag sitzt. Er hatte sich Anfang Juni selbst ein Bild von der Lage gemacht. »In Stammheim floss das Wasser noch, weiter in Richtung des Golfplatzes war Ebbe.« Sein Verdacht fiel auf den Betreiber. So hakte er im Namen seiner Partei beim Kreistag nach.

Er habe sich ein Gespräch gewünscht, zusammen mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde, sagt Golfplatzbetreiber Vetter und spricht von einer Dramatisierung. »Seit vielen Jahren fällt der Graben im Sommer immer wieder trocken«, sagt er. Zwar sei der Wasserbedarf der Anlage durch die Erweiterung, etwa das Restaurant und die Duschen, gestiegen, das sei aber nicht der Grund für den ausgetrockneten Graben. Das Ganze sei ein grundsätzlicher Irrtum.

Unmissverständlich steht im Erlaubnisbescheid von 2010, dass der Golfplatz nie das gesamte zufließende Wasser aus dem Graben ableiten darf. An mindestens einer Stelle entlang des Grabens sei das im aktuellen Fall jedoch geschehen, heißt es im Schreiben des Kreisbeigeordneten vom 21. Juni. Bei der unteren von drei möglichen Entnahmestellen sei das Wasser komplett in die Speicherteichanlage auf dem Erweiterungsteil des Golfplatzes abgeleitet worden - entgegen der Erlaubnis. Die Fachstelle Wasser- und Bodenschutz habe deshalb den Betreiber aufgefordert, die illegal betriebenen Entnahmeanlagen umgehend zu beseitigen beziehungsweise bescheidgemäß zu betreiben.

»Wenn alles nach behördlicher Auflagen und mit Augenmaß umgesetzt wird, habe ich nichts dagegen einzuwenden«, sagt Salz, der die Angelegenheit mit seiner Partei öffentlich gemacht hatte. Kreisbeigeordneter Walther hält es durchaus für möglich, die Entnahmeerlaubnis auf den neuen Teil des Golfplatzes auszuweiten, wie es in seinem Schreiben heißt - allerdings unter der Bedingung, dass nicht mehr Wasser als bisher entnommen werde. Golfplatzbetreiber Vetter ist indes optimistisch: »Wir haben für die Bewässerung noch nie einen Tropfen Trinkwasser verwendet.« Im Hitzesommer 2018 sei das Wasser mal knapp geworden, das habe aber nie zu ernsthaften Problemen geführt.

Teiche als Wasserspeicher

Der Golfplatz Altenstadt liegt am nordwestlichen Rand der Gemarkung an der Grenze zur Gemarkung Florstadt-Stammheim. Betreiber ist die Golfplatz Altenstadt GmbH & Co. KG. Gestartet ist der Platz 2003 mit neun Löchern. 2009 wurde er auf 18 Bahnen erweitert, heute hat er 27 Löcher. Mehrere Teiche auf dem Gelände dienen als Wasserspeicher. Laut Geschäftsführer Peter Vetter werden im Sommer rund 500 Quadratmeter des Platzes bewässert, zum Beispiel die sandigen Abschlagflächen oder die Vegetation an den Teichen. Der Golfplatz verfügt zudem über Parkplätze und einige Gebäude wie etwa ein Clubhaus und ein Restaurant. (edg)

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