28. August 2019, 11:00 Uhr

Sicher im Alter

Jeden Tag Sicherheit: Zwei Bad Nauheimerinnen und eine besondere Idee

Ein alter Mensch stürzt in der Wohnung, kann sich nicht bemerkbar machen. Die Bad Nauheimerinnen Monika Riecke und Elisabeth Stiffel tun etwas, damit ihnen so etwas nicht passiert.
28. August 2019, 11:00 Uhr
Elisabeth Stiffel (l.) und Monika Riecke sind Freundinnen. Sie haben vereinbart, im Alter aufeinander aufzupassen. Täglich melden sie sich bis 12 Uhr beieinander, um auszutauschen, ob alles in Ordnung ist. (Foto: Ihm-Fahle)

Vor knapp zwei Jahren ist Monika Riecke nach Bad Nauheim gezogen. Sie hatte die Stadt durch das Elvis-Festival kennengelernt. Die 69-Jährige hat keine Verwandten in der Gesundheitsstadt, aber sie hat in der gleichaltrigen Elisabeth Stiffel eine Freundin gefunden. Auch deren Angehörige sind nicht vor Ort, weshalb die zwei Frauen beschlossen haben, sich umeinander zu kümmern. Mitunter treffen sie sich, besuchen ein Café oder gehen spazieren. Vor allem aber melden sie sich regelmäßig beieinander. »Wir hören uns täglich«, sagen sie.

Kennengelernt haben sich die beiden Frauen über die Internetseite »nebenan.de«. Sie vereinbarten: »Lass uns doch jeden Tag telefonieren und einander eine Lebendmeldung geben.« Bis 12 Uhr melden sie sich seither beieinander, mittlerweile per Whatsapp. »Und wenn wir bis dahin keine Rückmeldung hätten, würden wir aktiv.«

Jeden Tag Sicherheit: Die Schlüssel ausgetauscht

Wenn Riecke anderen Leuten von dieser Vereinbarung erzählt, sagen viele: »Ach, ich würde nicht jedes Mal daran denken.« Dabei brauche im Grunde jedermann eine Möglichkeit, um im Falle eines Falles auf sich aufmerksam zu machen, meint Riecke. »Läge ich hier in meiner Wohnung, würde es so schnell niemand merken.« Auch wenn sie und Stiffel beide noch fit sind, wollen sie rechtzeitig vorsorgen - nicht erst, wenn es dringend wird. Es gibt zwar das System des Hausnotrufs, aber wer noch keinen Pflegegrad hat, müsste Geld dafür bezahlen. Bei der Johanniter-Unfallhilfe kostet das Basispaket 25, beim Deutschen Roten Kreuz 23 Euro pro Monat. Und Stiffel und Riecke wollen ihre Kinder nicht belasten.

Die beiden 69-Jährigen haben Türschlüssel und Telefonnummern der Familien ausgetauscht. »Und eine Vollmacht, um die Sachen für das Krankenhaus in der Wohnung holen zu dürfen.« Diese Sicherheit sei ein gutes Gefühl. »Ich habe zehn Jahre lang jemanden gesucht«, erzählt Elisabeth Stiffel. Immer wieder einmal habe sie den Versuch unternommen, mit jemandem einen täglichen Anruf zu vereinbaren. Aber es habe nicht geklappt. Zwei, drei Tage sei es gutgegangen, dann habe die andere Person eingeräumt, es vergessen zu haben. Man müsse zuverlässig sein, was nicht jedermann sei. »Mir war es aber wichtig«, betont Stiffel. Als Single wolle sie verhindern, im Notfall keine Hilfe zu bekommen und unentdeckt in der Wohnung zu liegen. Zwar habe sie viele gute Kontakte - die reichten aber nicht so tief, dass ihr Fehlen gleich auffiele.

Jeden Tag Sicherheit: Doch einmal blieb die Nachricht aus

Da sie aus der Gastronomie kommt, hat Stiffel häufig Gesellschaften erlebt, die nach Beerdigungen eingekehrt sind. Mit dem Thema Tod wurde sie oft konfrontiert. »Es wird viel erzählt, und man hört ständig, dass jemand gestorben ist«, sagt sie. Dies betreffe auch jüngere Menschen. In Gesprächen, die Stiffel mit anderen Älterwerdenden führt, kämen immer mal wieder Themen auf wie: »Was ist mal mit mir?« und »Wer guckt mal nach mir?« In Monika Riecke habe sie jemand Zuverlässigen gefunden: »Sie meldet sich, egal, wie viel sie zu tun hat.«

Ein einziges Mal kam es bisher vor, dass die vereinbarte »Whatsapp«-Meldung nicht einging. Stiffel hatte zwar eine Nachricht geschrieben, aber versehentlich nicht auf Senden gedrückt. Anschließend ging sie ins Fitnessstudio. Riecke war beunruhigt, schrieb einen Freund an, ob er etwas wisse. »Ich war schon auf dem Weg nach Hause, um die Schlüssel zu holen. Dann kam die Nachricht von dem Freund: ›Sie sitzt bei mir‹«, erzählt Monika Riecke. Sie habe zwar nicht wirklich gedacht, dass etwas passiert sei, hätte aber gehandelt. Zu der gegenseitigen Vereinbarung gehöre Vertrauen, wie die zwei Frauen betonen. Elisabeth Stiffel erklärt, deshalb keinen Hausnotruf haben zu wollen. »Da haben wildfremde Leute meinen Schlüssel«, sagt sie. Außerdem befürchtet sie, in einer Notfallsituation den Knopf nicht mehr drücken zu können. Das Sicherheitsdenken ist allerdings nicht der einzige Grund für die Absprache. Wunsch nach Austausch spielt auch eine Rolle - denn täglich eine persönliche Nachricht zu erhalten, sei etwas sehr Schönes.

Jeden Tag Sicherheit: Der Hausnotruf

Bei Hilfsorganisationen ist ein Hausnotruf erhältlich: Es handelt sich um ein Hausnotrufgerät mit einer Antenne und einem Handfunksender, der als Kette oder Armband getragen werden kann. Bundesweit stellen die Pflegekassen einen Satz von 23 Euro dafür zur Verfügung, sofern der betroffene Person alleine lebt und einen Pflegegrad hat. Damit ist ein Basismodell bereits kostenlos erhältlich. Wer keinen Pflegegrad hat, zahlt bei den Johannitern 25, beim DRK 23 Euro. Gegen Hinzuzahlungen können weitere Leistungen des Hausnotrufs hinzu gebucht werden. DRK und Johanniter bewahren die Schlüssel in Tresoren auf. Im Wetteraukreis bieten auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Karben und die Malteser in Altenstadt den Hausnotruf an.

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