15. Oktober 2019, 11:00 Uhr

FFH-Moderator

Johannes Scherer gesteht: »Ich war früher sehr schüchtern«

Seit 20 Jahren ist der Radio-FFH-Moderator mit seinen Comedy-Programmen auch solo unterwegs. Nächste Woche wird Johannes Scherer in der Alten Mühle auftreten.
15. Oktober 2019, 11:00 Uhr
Mit der Kaffeetasse in der Hand: Seit 1994 ist Johannes Scherer schon Moderator beim Radiosender FFH in Bad Vilbel. Momentan ist er werktags von 9 bis 12 Uhr in der Sendung »FFH am Vormittag« zu hören. Seit 20 Jahren steht er auch schon als Comedian auf der Bühne: Zeit also für ein Best-of-Programm.

So schnell vergehen 20 Jahre: Sie machen ein Best-of-Programm. Hätten Sie das vor 20 Jahren gedacht, Herr Scherer?

Johannes Scherer: Absolut nicht. Da war ich erst einmal froh, dass überhaupt ein Programm zustande kam. Aber damals war ich ja zum Glück nicht alleine auf der Bühne.

Sie sind zusammen mit Robert Treutel aufgetreten, der unter anderem mit der Figur Bodo Bach berühmt wurde.

Scherer: Unsere gemeinsamen Auftritte geschahen wirklich zum Glück in trauter Zweisamkeit. Sonst hätte ich mich das nicht getraut. Ich war nämlich sehr schüchtern damals.

Das kann man gar nicht glauben.

Scherer. Doch, das war so.

Wie ist Robert Treutel denn dann auf Sie aufmerksam geworden?

Scherer: Als ich bei Radio FFH anfing, saß ich Robert am Schreibtisch gegenüber. Er hatte schon ein etabliertes Comedy-Programm im Radio. Ich war mit Anfang 20 das Nesthäkchen. Ich hatte einen wahnsinnigen Respekt vor dem, was Robert da machte und kannte ihn selber vorher nur aus dem Radio.

Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Ihnen und »Bodo Bach«?

Scherer: Wenn ich auf Sendung war, war ich plötzlich ganz anders. Das hat Robert gehört. Und er merkte, dass ich gut Stimmen nachmachen kann. Das machte er selber nicht so intensiv. Also dachte er wohl, ich wäre eine gute Ergänzung.

Und dann ging es auf die Bühne?

Scherer: Ja. So musste jeder von uns quasi nur einen halben Abend füllen.

Wie sah eine Show damals aus?

Scherer: Wir haben Szenen und Sketche aus den FFH-Sendungen auf die Bühne gebracht. Die Gäste wollten die Gesichter sehen, die sonst hinter dem Mikrofon versteckt sind. Das hat funktioniert.

Gab es ein Konzept?

Scherer: Anfangs nicht. Viel geschah spontan, es war eine kunterbunte Mischung.

Irgendwann haben Sie es alleine versucht?

Scherer: Genau. Robert Treutel hat sich beruflich weiterentwickelt, wollte mehr Comedy als Radio machen, und so bin ich meine ersten Schritte solo gegangen.

Das Stimmen imitieren liegt Ihnen und ist Teil Ihrer Programme. Gibt es Promis, die Sie am liebsten nachmachen?

Scherer: Es gibt zwei, die sind wie Unkraut. Die verschwinden nie: Dieter Bohlen und Lothar Matthäus. Inge Meysel eigentlich auch, aber da viele junge Leute sie nicht mehr kennen, taucht lediglich Meysels Stimme immer wieder in den Programmen auf. Einige Zuschauer wissen, wen ich meine, für andere ist es dann einfach die lustige ältere Dame, mit der unvergleichlichen Stimme.

Mit Ihrer eigenen Stimme und der Imitation haben Sie es sogar in den Simsons-Kinofilm geschafft. Als »President Schwarzenegger«. Wie kam das?

Scherer: Die Macher des Films haben überlegt, ob sie Schwarzeneggers bekannte deutsche Synchronstimme nehmen sollen oder eine andere, die den österreichischen Akzent nachmacht. So durfte ich vier Sätze im Film sprechen.

War es eine lustige Szene?

Scherer: Ja, da hat ein etwas dusseliger Präsident Schwarzenegger allerhand merkwürdige Dinge getan und komische Entscheidungen getroffen. Damals haben wir gelacht und gedacht: So etwas kann es in Wirklichkeit nicht geben.

Wird das auch im aktuellen Best-of-Programm vorkommen?

Scherer: Nicht ausdrücklich. Es wird wirklich eine Zusammenfassung der letzten 20 Jahre sein. Meine erste Nummer von damals wird im aktuellen Programm tatsächlich als erstes gespielt. Das mache ich sonst nicht.

Welche Nummer war das?

Scherer: Es geht um die Chemietoilette in Darmstadt. Die spiele ich sonst nur auf ausdrücklichen Wunsch oder, wenn ich für zwei Zugaben herausgeklatscht werde.

Gibt es Sketche, nach denen Sie immer mal wieder von Fans gefragt werden.

Scherer: Klar, aber ich kann mich gar nicht mehr an alle erinnern. Von den Anfängen gibt es ja keine Aufzeichnungen oder Videos auf YouToube wie heute.

Stichwort Soziale Netzwerke: Dazu hatten Sie auch schon ein Programm. Das Radio hat sich ebenfalls dadurch verändert.

Scherer: Stimmt, jetzt muss es zusätzlich zu Sendung auch noch Storys auf Instagram geben, oder es muss etwas bei Facebook gepostet werden. Früher war es immer die geheimnisvolle Stimme aus dem Radio. Die gibt es nicht mehr.

Werden Sie anhand Ihrer Stimme privat oft erkannt, wenn Sie ausgehen beispielsweise?

Scherer: Manchmal. Aber in meinen Stammkneipen habe ich meine Ruhe. Sonst freue ich mich natürlich, mit Fans zu sprechen oder mich an alte Zeiten zu erinnern.

Sie sind seit jeher dem Sender Radio FFH in Bad Vilbel und den Radiosendungen treu geblieben. Sie sind immer werktags von 9 bis 12 Uhr auf Sendung. Wenn Sie jetzt in der Alten Mühle auftreten, ist es ein Heimspiel. Fußläufig zum Abendauftritt, oder?

Scherer: Ich liebe die Alte Mühle. Ein herrliches Theater. Da es in Bad Vilbel so schlecht mit Parkplätzen aussieht, schätze ich es sehr, dass ich mein Auto einfach am Funkhaus stehen lasse, ein paar Schritte durch den Kurpark gehe und sofort auf die Bühne der Alten Mühle kann.

Neben dem Best-of-Programm sind Sie auch noch mit »Keinangsthasen« unterwegs. Ein Comedy-Programm und das Thema Angst passen auf den ersten Blick nicht zusammen.

Scherer: Angst ist die Triebfeder unserer Gesellschaft - in ganz vielen Bereichen. Ob in den Medien oder im realen Leben. Darüber kann ich abendfüllend erzählen.

Über was sprechen Sie?

Scherer: Wer hat eigentlich das bescheuerte Wort »Selbstbedienung« erfunden? Entweder werde ich bedient oder ich mache es selbst. Und wenn es »Landmilch« gibt, wo kann ich dann »Stadtmilch« kaufen? Darf man einen Veganer als »Angsthasen« bezeichnen obwohl in dem Wort ein Tier drin ist?

Wenn es um neue Nummern geht oder Sie überlegt haben, welche Szenen es ins Best-of-Programm schaffen sollen, sind Freunde und Familie da die ersten Kritiker?

Scherer: Genau. Ich sage nie, dass ich jetzt etwas vorspiele, sondern lasse einfach mal wie nebenbei etwas fallen und schaue, wie es ankommt.

Was darf das Publikum bei den zwei Abenden in der Alten Mühle erwarten?

Scherer: Vieles von früher, etwas Politik und einiges von heute.

Heimspiel an zwei Abenden

Johannes Scherer wurde 1973 in Unterfranken geboren. Er ist der dritte Sohn eines Maurerpoliers und einer Hausfrau. Er wuchs in Schöllkrippen im Vorspessart auf und machte 1992 in Alzenau Abitur. Bereits als 17-Jähriger sammelte er im Lokalradio erste Berufserfahrung in der Medienbranche. Inzwischen moderiert er seit 1994 beim hessischen Radiomarktführer FFH in Bad Vilbel. Von 2003 bis 2010 war er als Moderator der Sat.1-Frühstücks-Show »Weck Up« auch im Fernsehen aktiv. 2005 gewann er in Berlin den »German Radio Award« in der Kategorie »Beste Moderation«. Zweimal war er für den »Echo« nominiert - als »Juniorpartner« an der Seite seines Kollegen Bodo Bach, mit dem er im Herbst 2010 auch alte, gemeinsame Radiojahre (»Die 2 Beiden«) auf der Bühne wiederaufleben ließ. Seit über zehn Jahren ist Scherer auch solo auf Comedy- und Kabarettbühnen unterwegs. Mit seinem Erstling »Scherereien« war er unter den zehn Vorgeschlagenen für den renommierten Kabarettpreis »Prix Pantheon« in Bonn.

Mit seinem Best-of-Programm ist Johannes Scherer am Mittwoch, 16., und Donnerstag, 17. Oktober, jeweils um 20 Uhr in der Alten Mühle in Bad Vilbel zu erleben. (Fotos: FFH)

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