19. März 2019, 09:00 Uhr

Wieder neues Konzept

Jugendstilzentrum: Seit zehn Jahren wird geplant

Seit zehn Jahren setzt sich der Bad Nauheimer Jugendstilverein für ein Jugendstilzentrum im Sprudelhof ein. Seit zehn Jahren werden die Ehrenamtlichen mit immer neuen Überlegungen konfrontiert.
19. März 2019, 09:00 Uhr
Seit zehn Jahren sitzen Andreas Hilge und Hiltrud Hölzinger vom Vorstand des Jugendstilvereins öfters vor neuen Plänen für das Zentrum. Foto: Nici Merz

Um die Situation und den Stellenwert des Jugendstilvereins Bad Nauheim zu beschreiben, bieten sich zwei Beispiele an. Mit seinem Büro musste der Vorstand in den letzten Jahren im Sprudelhof bereits dreimal umziehen: vom früheren Verwaltungsgebäude ins Badehaus 4, dann weiter ins Badehaus 3 – zunächst in Räume der Stiftung, jetzt in den linken Flügel. Um den Leseraum zu schaffen, verlegten ältere Mitglieder selbst Teppichboden und tapezierten. »Die Badezelle diente als Lagerfläche, auch für Chemikalien, war in desolatem Zustand«, sagt Vorstandsmitglied Hiltrud Hölzinger.

So sieht die ehrenamtliche Arbeit der Jugendstil-Freunde schon immer aus. Sie investieren Unmengen Zeit und Geld in den Erhalt des Sprudelhofs, Unterstützung von offizieller Seite kommt eher spärlich. Das gilt auch für die Planung des Jugendstilzentrums. 2009 wurde die Idee konkret, diese für Bad Nauheim so wichtige Epoche einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dafür war zunächst das Badehaus 4 vorgesehen, später die Nummer 3. »Wir haben 2014 eine Architektin bezahlt, die ein Raumkonzept entwickelte«, sagt Vorsitzender Andreas Hilge. Damals ging der Verein von einer großen Lösung im kompletten Badehaus aus.

Absage vom Ministerium

Der damalige Bürgermeister Armin Häuser begrüßte dieses Engagement, sah den Verein auch als Träger des Zentrums. Diese Last wollte der Vorstand, der nur auf wenige aktive Mitglieder bauen kann, nicht schultern. »Das Jugendstilzentrum ist nicht unsere Spielwiese, sondern ein wichtiges kulturelles Projekt der Stadt«, betont Hilge.

Erst 2016 rang sich die Stiftung Sprudelhof zu einem Entschluss durch. Den Plänen des Vereins wurde eine Absage erteilt. Laut Hilge wandte sich das Finanzministerium eindeutig gegen die große Variante fürs Jugendstilzentrum. »Wir waren enttäuscht, wollten unser Engagement fürs Zentrum schon aufgeben«, blickt Hölzinger zurück. Zumal vorübergehend eine Debatte über den linken Badehaus-Flügel entstand, der dem Verein plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen sollte. Diese Ankündigung wurde später zurückgenommen. »Der Jugendstilverein hat einfach keine Lobby«, kommentiert der Vorsitzende.

Gemeinsame "Themenwelten" geplant

Die große Lösung war also vom Tisch, doch wie soll die Zukunft des Badehauses 3 stattdessen aussehen? Jetzt gibt es das neue Konzept, dort Stadtbücherei, neue Spielstätte und Jugendstilzentrum zu konzentrieren. »Angesichts dieses Vorschlags war ich zunächst perplex«, beschreibt Hilge seine erste Reaktion.

Inzwischen haben sich die Mitglieder mit der Idee angefreundet. Zwar hätte das Jugendstilzentrum deutlich weniger Platz, denkbar wäre aber eine enge Kooperation mit der Bücherei. Hilge zufolge könnten Bücherei und Verein gemeinsam »Themenwelten« gestalten, etwa zur Architektur. Der Verein benötige wenigstens einen großen Ausstellungsraum

Einblicke in die frühere Badekultur werden in diesem Raum geboten.

, wo er ein attraktives multimediales Angebot schaffen möchte.

Finanzierung als Hauptproblem

Im Rahmen ihrer eingeschränkten Möglichkeiten haben die Mitglieder im linken Flügel des Badehauses Vorarbeiten für ein Jugendstilzentrum geleistet. Zwei Badezellen werden so präsentiert, wie sie einst ausgesehen haben. Leseraum, kleine Bibliothek, Dauerausstellung zur Bad Nauheimer Badekultur vor dem Sprudelhof und Verkauf von Geschenkartikeln sind weitere Elemente. Bei festen Öffnungszeiten kommen viele Besucher, berichtet Hölzinger.

Wie Erster Stadtrat Peter Krank zur Zukunft des Badehauses 3 sagt, sei der Umzug der Stadtbücherei nicht in trockenen Tüchern. Der Planungsauftrag des Parlaments beziehe sich auf finanzielle, bautechnische und inhaltliche Aspekte. »Die Finanzierung ist die Hauptfrage, wobei die neue Therme Priorität genießt.« Noch ist nicht klar, wie hoch die Thermalbad-Investition ausfallen wird. Erst danach kann über das Kulturzentrum entschieden werden.

Bezüglich der Bautechnik wird es vor allem um die Statik gehen. Kann der Boden des Badehaus-Erdgeschosses schwere Bücherregale tragen? Sollte das Kulturzentrum nicht kommen, sieht der Erste Stadtrat auch das Jugendstilzentrum als gefährdet an. Aus wirtschaftlicher Sicht verfolgt Krank eine klare Linie: kostensparende Zusammenlegung von Einrichtungen statt neuer Einzelprojekte.

 

Info

Sechsstelligen Betrag investiert

Der Jugendstilverein Bad Nauheim wurde 1997 gegründet, aktuell hat er etwa 450 Mitglieder. Neben dem Vorstand sind höchstens 30 Personen regelmäßig aktiv, jüngere Mitglieder gibt es kaum. In den letzten 20 Jahren hat der Verein unzählige Arbeitsstunden in den Erhalt des Sprudelhofs investiert und dafür einen sechsstelligen Euro-Betrag bereitgestellt. Das Geld floss nicht zuletzt in die Instandsetzung verschiedener Schmuckhöfe. Bei der Finanzierung seiner Aktivitäten kann der Verein dank der Unterstützung von Künstlern auf Verkaufsaktionen zurückgreifen, einige Male kam er auch in den Genuss größerer Spenden. Seit 2009 beschäftigt sich der Vorstand mit der Planung des Jugendstilzentrums. Wann es realisiert wird, steht nach wie vor in den Sternen. (bk)

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