Wetterau

Jupiters zuckende Blitze

Mit Werken von Telemann, Hummel und Mozart startete die Kammerphilharmonie Bad Nauheim die Sinfoniekonzertreihe im Jubiläumsjahr. Vor 20 Jahren fanden sich überwiegend professionelle Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Uwe Krause zusammen, um in Bad Nauheim hochwertige Sinfoniekonzerte aufführen zu können. In diesem Jubiläumskonzert konnte man erneut erleben, dass die Mitwirkenden längst zu einem harmonischen und versierten Klangkörper zusammengewachsen sind. Daran hat Konzertmeisterin Karin Hendel großen Verdienst. Als Solist glänzte diesmal der junge Solotrompeter des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters Matthias Kowalczyk.
12. März 2019, 18:51 Uhr
Hanna von Prosch
Überzeugender Auftakt: Die Kammerphilharmonie Bad Nauheim mit Uwe Krause am Pult startet in das 21. Jahr der immer beliebter werdenden Sinfoniekonzertreihe.	(Fotos: hms)
Überzeugender Auftakt: Die Kammerphilharmonie Bad Nauheim mit Uwe Krause am Pult startet in das 21. Jahr der immer beliebter werdenden Sinfoniekonzertreihe. (Fotos: hms)

Mit Werken von Telemann, Hummel und Mozart startete die Kammerphilharmonie Bad Nauheim die Sinfoniekonzertreihe im Jubiläumsjahr. Vor 20 Jahren fanden sich überwiegend professionelle Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Uwe Krause zusammen, um in Bad Nauheim hochwertige Sinfoniekonzerte aufführen zu können. In diesem Jubiläumskonzert konnte man erneut erleben, dass die Mitwirkenden längst zu einem harmonischen und versierten Klangkörper zusammengewachsen sind. Daran hat Konzertmeisterin Karin Hendel großen Verdienst. Als Solist glänzte diesmal der junge Solotrompeter des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters Matthias Kowalczyk.

Geräuschvolle Schnarchtöne

Es war ein Konzert zum Zurücklehnen: vertraute Klänge aus Barock und Klassik, virtuose Highlights, charmante Überraschungen. Und doch blieben die Zuhörenden in einer neugierigen Gespanntheit. Gleich zu Beginn begeisterten die drei jungen Oboistinnen in den acht Teilen der Ouvertürensuite C-Dur aus den Darmstädter Ouvertüren von Georg Philipp Telemann. Sie beinhaltet neben den üblichen Tänzen auch drei programmatische Titel wie Harlequinade, Español und Sommeille. Von Letzterer soll Telemann in die Noten geschrieben haben: »Genüsslich gähnen, dazu geräuschvolle Schnarchtöne, Musiker, die vor sich hin schlummern.« Das tat die Kammerphilharmonie natürlich nicht. Sie präsentierte ein ergötzendes Stück, das auch jeden, der dem Vielschreiber Telemann eher gleichgültig gegenübersteht, aufweckte.

Es folgte Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert in Es-Dur. Hummel, 1778 geboren, war in jungen Jahren Schüler von Mozart und später von Haydn. Er war Konzertmeister am Hof des Fürsten Esterházy, wirkte in Stuttgart und Weimar, wo er als einer der ersten reichen Komponisten 1837 starb. Das Trompetenkonzert ist in sofern eine Rarität, als dass es in der Klassik nur noch ein zweites von Haydn gibt. Möglich wurden die schnellen, überaus virtuosen Läufe im dritten Satz, weil der Trompeter Anton Weidinger kurz zuvor die Klappentrompete erfunden hatte. Auf ihr kann man, anders als auf der bisherigen Naturtrompete, bis in tiefere Lagen chromatische Läufe spielen.

Der 30-jährige, von Spitzenorchestern gefragte Solist Matthias Kowalczyk spielte brillant sowohl die gefühlvoll gedehnten Passagen als auch die spritzigen Läufe mit den verschmelzenden Trillern. Durch weichen Ansatz, einschmeichelnden Ton und Präzision in den Signalen ließ er sein Instrument singen und korrespondierte einfühlsam mit den Orchestergruppen. Zwar ist das eindrucksvolle Rondo aus den Radioprogrammen als »best of« bekannt, aber die Sätze Allegro con spirito und Andante standen diesem an musikalischer Tiefe und Schönheit in nichts nach.

Im zweiten Teil dann Mozarts letzte, die Jupiter-Sinfonie: altmeisterlich und avantgardistisch im Stil, in der Intention kunstvoll und spielerisch, großartig in der üppigen Schlussfuge. Gut konnten die Zuhörenden nachvollziehen, wie Mozart nach zwei schwermütigeren Sinfonien, alle innerhalb von sechs Wochen komponiert, nun mit fliegender Feder dem Olymp seines musikalischen Genius zustrebte. Ob in den verträumten, dann plötzlich erwachenden Stellen im Cantabile oder den großzügig geschwungenen Legati, mit ausgefeilter Dynamik und sprühendem Esprit: Das Orchester und Uwe Krause am Pult ließen mit einer wahren Jubelvorstellung aufhorchen. Im gut gefüllten Dolce-Theater dankte das Publikum mit ehrlich begeistertem Applaus.

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