28. April 2017, 16:00 Uhr

Neue Musik aus Friedberg

Kai Michel startet mit Folkalbum durch

Seit über 30 Jahren schreibt er Songs. Jetzt, mit 51 Jahren, hat der Friedberger Multiinstrumentalist Kai Michel seine ersten Soloalben veröffentlicht – weil’s soviel Lieder sind, gleich zwei hintereinander.
28. April 2017, 16:00 Uhr
Nicht versiegender kreativer Fluss: Singer-Songwriter Kai Michel. (Foto: Juri Scholz)

Kai Michel ist von Hause aus Drummer. Unzähligen Schülern hat er in den vergangenen drei Jahrzehnten das Schlagzeugspiel beigebracht. In der Marvin Dorfler Big Band, bei Lee Baby Simms oder Chica in the rain saß er an den Drums, bei Shades of Cale spielte er Bass, in seiner aktuellen Band The Törnarounds greift er zur E-Gitarre. Er kann mit Tasteninstrumenten umgehen, fühlt sich am Mischpult Zuhause und ist auch sonst ein musikalischer Tausendsassa. Obwohl er seit 30 Jahren Lieder schreibt, hat Michel erst vor sieben Jahren begonnen, seine Songs auch selbst zu singen. »Das hat einen immer stärker werdenden kreativen Fluss ausgelöst, der bis heute nicht versiegt ist«, sagt er.

Im Januar erschien Michels Debütalbum »Road Home«, das er komplett im Alleingang einspielte. »Road Home« ist im weitesten Sinne ein Folk-Album, mit stilistischen Anleihen bei Celtic Folk, Americana und Ethnopop. Die fünf Songs drehen sich, wie ein Kollege schrieb, »um das Suchen und Finden der guten Dinge im Leben«. Auf eine CD-Produktion verzichtete Michel. »Road Home« gibt es nur zum Herunterladen.

Erinnerung an geliebte Menschen

Das Album »Blood from a stone«, das er abermals mit dem Friedberger Produzenten Benjamin Hermann für dessen Label »Breadmaker« eingespielt hat, ist stilistisch irgendwo zwischen Folk, Jazz, Roots-Rock und Americana anzusiedeln – jener Musikrichtung, die sich an der ursprünglichen Countrymusik orientiert und heute von Musikern wie Ryan Adams oder Wilco geprägt wird. Die Rhythmen kommen unaufgeregt daher, die einprägsamen Riffs bleiben im Ohr hängen, der Sound zieht den Zuhörer in seinen Bann. Michels Stimme klingt mal wie ein räudiger Straßenköter, mal wie ein alternder Troubadour, der seine Zuhörer mit Charme und Raffinesse einzufangen versteht.

»Blood from a stone« ist kein Radio-Einheitsbrei. Michel macht es sich nicht einfach. Jeder Ton, jeder Riff sitzt an der richtigen Stelle. Wer einmal reinhört, bleibt unweigerlich hängen, will mehr davon. In den Liedern geht es diesmal um die Erinnerung an und die Begegnung mit Menschen, die Michel lieb geworden sind und von denen er teils – wie von seinem Vater, dem in Friedberg unvergessenen Musiker Kalli Michel – Abschied nehmen musste. »Pa, sing away the blues for today«, schickt er ihm auf »The Ocean in this« einen Gruß hinterher. Der Song wird wunderbar melancholisch von Waldhörnern untermalt, eingespielt von Michels Bruder Volker.

Cover zitiert Dylan-Album

Der Song »Hippie Happy« ist eine Hommage an Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, Curt Cobain und Amy Winehouse, »die alle mit 27 Jahren gestorben sind, in ihrer Musik aber weiterleben«. Michel liebt das Spiel mit Zitaten. Er zitiert J. J. Cale, Lennon und McCartney, Tom Petty und natürlich den Meister aller Klassen, Literaturnobelpreisträger und heimlichen Erfinder des Americana, Bob Dylan. Auf den spielt er nicht nur musikalisch, sondern auch optisch an. Das von Fabian Hädecke entworfene Albumcover lehnt sich an das Design des legendären Dylan-Albums »Blood on the tracks« von 1975 an. Das Gemälde von Bülent Uzun nimmt die Stimmung der zuweilen melancholisch klingenden und zu Herzen gehenden Musik auf.

Die Metapher »Trying to get blood from a stone« steht übrigens für ein sinnloses Unterfangen, für etwas, was von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Lässt man die ersten drei Wörter weg, kann man den Titel auch anders lesen: »Dann steht er für den Moment, wenn man etwas wider Erwarten geschafft hat, wenn etwas gelungen ist«, sagt Michel. Das trifft auf sein zweites Solo-Album ohne Zweifel zu.

Das »Blood from a stone«-Release-Konzert beginnt am Freitag, 28. April, gegen 20 Uhr im Bistro »Pastis« in der Haagstraße 41. Gastmusiker sind der kurdische Sänger und Oud-Spieler Shivan Berzenci und Michels »Old School Pop«-Band The Törnerounds. Der Eintritt kostet fünf beziehungsweise sechs Euro. Informationen gibt es auf Kai Michels Facebookseite, und die Alben kann man herunterladen auf Bandcamp (goo.gl/yDhdGG) .

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