28. November 2018, 20:21 Uhr

Kampfansage an Veganer

28. November 2018, 20:21 Uhr
Mit erhobenem Zeigefinger, aber sehr lustig: Holger Paetz verteidigt seine Liebe zum Fleisch. (Foto: hkr)

Was als »Ernährungsberatung« beginnt, wird zu einer offenen Kampfansage an Veganer: Kotelette gegen Quinoa, Bratwurst gegen Amaranth! Holger Paetz lässt sich in seinem Programm »Auch Veganer verwelken« seine fetttriefende Bratwurst nicht vermiesen. Bei Paetz kommt Fleisch noch auf den Teller, selbst wenn der Arzt Zurückhaltung fordert und die Verdauung weniger Schwein begrüßen würde. Gesundheit ist eben nicht alles, es geht ums Prinzip, selbst wenn die Gicht ihn körperlich einschränkt. Paetz steht im Theater am Park dazu: »Schweineschmalz schmeckt selbst auf einem Nutella-Brot noch gut«. Veggies hätten, meint Paetz, die moderne Menschwerdung verhindert, sind dafür die Reinkarnation des Bösen in der Steak-Küche, während er sich am Rinderfilet berauscht. Kurz und gut: Hätte es kein Fleischverzehr gegeben, hätte es auch keine Gehirnentwicklung beim Menschen gegeben.

Den profunden Erkenntnissen des Nordwest-Bayer kann man sich nur schwer entziehen, sind doch Veganer bei Paetz eher eine Modeerscheinung, mehr Nischenmacht und ein bisschen »chic« vielleicht, ansonsten aber eine Gefahr, von Terroristen der Kulinarik ist die Rede. Den Angriff auf die Vernunft nutzt Paetz für eine valentineske, schwarzhumorige Gegen-Attacke, nicht umsonst lehnt er das »vegetieren« ab und am Esstisch sind die Spaßbremsen inakzeptabel. Aus etwas Totem kann es nun mal keine Lebenskraft geben, meint der schelmische Kabarettist.

Saft- und kraftlos kommt die Veganer-Küche daher, blutloses Kauen ist langweilig, ein bissfestes Stück Fleisch vom Metzger ist die Krönung des Bratens. Politisch korrekt kaut anders, denn der Fleischverzehr entspricht nicht dem grünen Foodprint unserer Umwelt, das will Paetz nicht leugnen. Veganer leben länger, kann sein, aber ohne Ekstase und Spaß am Leben. Wer will schon Monate vor einem Apfelbaum stehen bis dieser endlich den Apfel fallen lässt.

Paetz lässt sich seine Wahrheit nicht nehmen. Nur weil Wald drauf steht, muss nicht nur Rohkost drin sein; auch die Kuh lebt vom Gras allein, das Hüftsteak schmeckt ihm umso besser. Und eine Weißwurst mit Petersilie ist grün genug. In Monologen und Dialogen inszeniert Paetz die Gegenwehr gegen den Vormarsch der Fleischlosigkeit. Er wettert gegen die Osteoporose, will mehr Butter am Braten und kräftig Sahne am Gulasch vom glücklichen Rind: »Melancholischer Genuss, aber satt!« Der »grüne Smoothie« ist reiner Fake aus dem Grünkohlreich.

In direkter Betrachtung des politischen Debakels in Bayern ist eine Stück Lebensqualität auch die Fleisch-Ess-Lust. Wortspielereien und spitzfindige Kommentare über einen Trend aus dem Garten zeichnen Paetz’ Programm aus, das ganz dem Geschmack des Publikums entsprach.

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