23. Oktober 2018, 12:06 Uhr

CDU-Wahlkampfendspurt

Kanzlerin Merkel in Ortenberg: »Berlin kann von Hessen lernen«

Die CDU geht mit Rückenwind aus Berlin in die Schlussphase des Landtagswahlkampfes. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Montagabend vor rund 1800 Zuhörern im Festzelt in Ortenberg.
23. Oktober 2018, 12:06 Uhr
»Hessen geht es gut«: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Moderatorin Carolin Rosbach und Ministerpräsident Volker Bouffier stimmen rund 1800 Besucher im Festzelt des Kalten Marktes in Ortenberg auf den Wahlkampfendspurt ein. (Foto: Nici Merz)

Klare Worte« wünschte sich ein Friedberger von der Bundeskanzlerin. Die lieferte sie, etwa zum Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. »Die Autoindustrie hat viel Vertrauen verspielt und die Menschen betrogen«, sagte Merkel und erneuerte ihre Forderung, die Konzerne müssten sich an den Kosten der Umrüstungen alter Dieselfahrzeuge beteiligen. Vor allem aber versprach Merkel, dass Städte wie Frankfurt weiterhin mit Dieselautos angefahren werden könnten. Damit die Grenzwerte des CO2-Ausstoßes nicht überschritten würden, seien »schnelle Maßnahmen für Busse« geplant. So würden am Ende die Grenzwerte eingehalten.

Klare Worte auch in Sachen Flüchtlingsbetreuung und Integration: Der Unfriede in der Gesellschaft beginne damit, dass Vorurteile aufgebaut und einzelne Gruppen stigmatisiert würden. Man dürfe die Menschen aber nicht alle in einen Topf werfen, sagte die Bundeskanzlerin: »Wer gegen Ausländer hetzt oder Judenhass verbreitet, mit dem haben wir nichts gemein.« Es dürfe nicht sein, dass ganze Völker umgebracht würden. Deshalb helfe Deutschland etwa den Jessiden. Merkel: »Wir können uns vom Elend anderer Menschen auf der Erde nicht abkoppeln. Deutschland ist ein Land, das anderen Menschen in der Not geholfen hat. Darauf können wir stolz sein.« Und: Nach der »Ungeheuerlichkeit« im saudi-arabischen Konsolut in Istanbul werde es keine Rüstungsexporte in das Land am Golf geben, »solange das nicht aufgeklärt ist«.

 

Applaus für die Bundeskanzlerin

Immer wieder erntete Merkel stürmischen Applaus von Parteifreunden und Unterstützern, die sich im Internet für Karten bewerben konnten. Eine gute halbe Stunde sprach Merkel, lobte Ministerpräsident Volker Bouffier (»Ein wirklicher Freund, mit dem man alles besprechen kann«), lobte die Spitzenforschung, die guten wirtschaftlichen Bedingungen und die Bildungspolitik in Hessen. Käme die SPD ans Ruder, würde diese sofort eine Kommunalreform ausrufen »und alles zentralisieren«. Die CDU habe auch keine Stimme zu verschenken, sagte Merkel in Richtung FDP, die sich bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin »vom Acker gemacht« habe. Merkel: »Auf die CDU hingegen ist Verlass.«

 
Fotostrecke: Angela Merkel in Ortenberg

Groß war die Begeisterung, als Merkel um 19.30 Uhr zusammen mit Bouffier ins Festzelt des Kalten Marktes einzog. CDU-Mitglieder standen Spalier. Kein Smartphone, das nicht in die Luft gestreckt wurde, um Erinnerungsfotos zu schießen. Das Zelt war weiträumig abgesperrt, ein Großaufgebot an Polizei stand bereit. Doch außer einer handvoll NPD-Mitgliedern, die Parolen ins Megafon brüllten, machte sich kein Protest breit. Auch vom Zweifel an der Kanzlerin, die laut Medien abgelöst werden könne, würde die CDU in Hessen eine Pleite erleben, war nichts zu spüren. Im Gegenteil: Es herrschte ausgelassene Feierstimmung bei Bier, Emmentaler Käse und Bratwürsten. Ministerpräsident Bouffier sagte, Hessen könne »alles gebrauchen, nur keine Regierung, bei der die Linke eine Rolle spielt«. Das wäre »eine Katastrophe«. Wer aber an der Wahlurne »für fünf Minuten seinen Frust abbaut, wird sich fünf Jahre lang über schlechte Politik der Linken ärgern.«

+++ Die wichtigsten Infos zur Landtagswahl 2018 im Überblick

Den Auftakt bestritten die CDU-Kreisvorsitzende Lucia Puttrich, Landtagspräsident Norbert Kartmann und Landtagsabgeordneter Tobias Utter. Die drei CDU-Direktkandidaten in der Wetterau riefen dazu auf, in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal alles zu geben. Die Band »Noble Composition« sorgte für Musik und spielte vor Merkels Einmarsch den Tina-Turner-Hit »Simply the best«. Doch Merkel kam nicht und die Band spielte noch schnell einen Hit der Rolling Stones: Nicht etwa das melancholische »Angie«, sondern das anfeuernde »I can’t get no satisfacition«. Dafür sorgte dann die Bundeskanzlerin bei ihren Anhängern.

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