12. November 2019, 08:00 Uhr

Keine Tiefgarage, keine Dachwohnungen

Kaufhaus Joh: Planungen werden zurück auf Anfang gesetzt

Keine Tiefgarage, keine Wohnungen auf dem Dach, das Gebäude darf auch nicht in die Höhe wachsen: Die Planungen für das ehemalige kaufhaus Joh werden abermals geändert.
12. November 2019, 08:00 Uhr
Planungswirrwarr: Der Eigentümer des ehemaligen Kaufhauses Joh setzt nun doch auf eine gewerbliche Nutzung. Nun gilt doch der erste Bebauungsplan, der zwar schon beschlossen, aber nie veröffentlicht worden ist. (Foto: Nici Merz)

Urbanes Wohnen sollte im ehemaligen Kaufhaus Joh verwirklicht werden. Penthousewohnungen im architektonisch anspruchsvollen Stil mitten in der City. Das Kerngebäude und der geplante Anbau in der Färbergasse sollten höher werden, für die Mieter sollte im Keller eine Tiefgarage entstehen. Lichthöfe waren vorgesehen, Balkons und Wohnungen auch nach vorne raus zum Elvis-Presley-Platz. Die Wohnungen sollten »schön« sein, hieß es, würden daher wohl auch »ein bisschen teuer«.

Daraus wird nichts. Der Magistrat hat sich am Montag mit dem Projekt beschäftigt und die Reißleine gezogen. Nach der Offenlage der Pläne und den Einwendungen vor allem seitens der »Spurenleger« und der Bürgerinitiative »WIR« wird die geänderte Planung nicht mehr verfolgt. Wie Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) mitteilt, habe man sich in einem Gespräch mit dem Münchner Investor darauf verständigt. Wieder aufgenommen wird nun die erste Planung des Investors, die im September 2018 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden war.

Was die Stadtverordneten bislang aber nicht wussten: Der Satzungsbeschluss wurde nie veröffentlicht und wurde daher auch nicht rechtskräftig. Es gab offenbar keine diesbezügliche Mitteilung der Verwaltung an die politischen Gremien, auch nicht, als im Mai der geänderte B-Plan mit Tiefgarage und Schwerpunkt auf Wohnnutzung vorgelegt wurde. Die Satzung sei nicht veröffentlicht worden, weil der Investor zwischenzeitlich die Änderungswünsche vorgebracht habe, lautet die offizielle Lesart des Rathauses. Oder wurde da, wie im Ortsbeirat der Kernstadt gemunkelt wurde, etwas vergessen? Gültig ist derzeit der B-Plan von 1980.

Investor setzt wieder auf Gewerbe

Im Sachstandsbericht aus dem Rathaus heißt es: »Nach Aussage des Eigentümers stimmen die derzeit geplanten und kurz vor Vertragsabsicherung stehenden Nutzungen (Einzelhandel/Praxisräume) mit der ursprünglichen Fassung der Bebauungsplanänderung vor zweiter Offenlage des Bebauungsplans überein.« Auf gut Deutsch: Der Investor setzt nun doch auf eine gewerbliche Nutzung und steht kurz vor dem Vertragsabschluss mit potenziellen Mietern.

»Der Investor hat eingesehen, dass seine ursprünglichen Ideen besser waren«, sagt Bürgermeister Antkowiak. »Er hat ausgelotet, was auf dem Markt geht, das ist legitim.« Für die Verwaltung sei die Mehrarbeit freilich sehr ärgerlich. »Das hat unnötige Arbeitskraft gebunden.« Das Bauamt ist ohnehin unterbesetzt. Neue Stellen sollen laut Antkowiak erst ausgeschrieben werden, wenn das Technische Rathaus zur Verfügung steht. »Ich stelle keinen Container in den Hof.« Das Umdenken des Investors begrüßt Antkowiak. »Am Elvis-Presley-Platz braucht die Stadt einen Anker und keine Wohnungen.« Die seien in den oberen Geschossen aber durchaus möglich. Auch das Dachrestaurant ist nun wieder eine Option.

Einwände der »Spurenleger«

Es ist eher ungewöhnlich, dass ein Projekt nach der Offenlage und aufgrund der hierbei gemachten Einwendungen gestoppt wird. Betrachtet man die Einwendungen, wird klar, dass dies zwingend war. Der Friedberger Architekt Bernd Fritzel hat im Namen der »Spurenleger« eine umfangreiche Einwendung gegen die zweite, geänderte Fassung des B-Planes vorgelegt. Fritzel hält die Aufstockung des Kaufhauses um ein Vollgeschoss und um zwei Vollgeschosse im Bereich der Färbergasse für städtebaulich nicht vertretbar. Eine Firsthöhe von 20,43 Meter entspreche sieben Vollgeschossen, dies beeinträchtige das Kulturdenkmal Stadtkirche.

Die Festsetzungen zur Wohnnutzung seien nicht rechtssicher, die Wohnungsgrundrisse entsprächen teils nicht den Anforderungen des Baugesetzbuches. Die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern in der Schnur- und der Färbergasse sei gefährdet, da dort zusätzliche Parkplätze geplant und der Gehweg auf 1,05 Meter Breite reduziert werden sollte. Auch die Planungen zur Tiefgarage bemängelt Fritzel. Ziel muss es laut »Spurenlegern« sein, »mit der Nutzungsänderung die Gestaltung der Gesamtanlage nachhaltig zu verbessern und in das historische Stadtbild angemessen zu integrieren«.

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