18. August 2019, 18:00 Uhr

Am Taubenbaum

Kaufhaus Weyrauch verschiebt Neubaupläne

Um in Bad Nauheim mehr Wohnraum zu schaffen, möchte die Politik auch das Taubenbaum-Gewerbegebiet nutzen. Vorreiter sollte das Kaufhaus Weyrauch sein, das seine Neupläne aber vertagt.
18. August 2019, 18:00 Uhr
Nicht in diesem Jahr, sondern erst 2022 möchte die Kaufhaus Weyrauch GmbH im Gewerbegebiet Am Taubenbaum mit dem Bau eines Wohn- und Geschäftshauses beginnen. Derzeit steht dort das große Verkaufszelt. (Foto: Nici Merz)

Vor gut zwei Jahren hatte die Familie Weyrauch ihre Pläne der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit vorgestellt: Auf dem Grundstück in der Straße Am Taubenbaum wird das riesige Verkaufszelt für Gartenmöbel durch einen Neubau ersetzt, der an die bestehende Lagerhalle angedockt werden soll. Im Erdgeschoss Verkaufsräume, auf zwei weiteren Stockwerken 15 bis 20 Mietwohnungen - so sehen die Pläne der GmbH-Geschäftsführung aus. Wobei die Wohnungen in erster Linie an Kaufhaus-Angestellte vergeben werden sollen. Sie werden auf dem angespannten Wohnungsmarkt der Kurstadt nicht immer fündig.

Die baurechtlichen Voraussetzungen schuf die Stadt auf dem Weg einer »vorhabenbezogenen Änderung« des B-Plans sehr schnell, zumal das Projekt von allen Fraktionen unterstützt wurde. Bereits im April 2018 gab das Stadtparlament grünes Licht, Magistrat und Kaufhaus-Leitung unterschrieben einen sogenannten Durchführungsvertrag. Darin verpflichteten sich die Weyrauchs, den Bauantrag bis Mai dieses Jahres einzureichen und spätestens Anfang Oktober mit den Arbeiten zu beginnen.

Startschuss erst Mitte 2022

Doch daraus wird nichts, wie in einer Bauausschuss-Sitzung am Donnerstagabend deutlich wurde. »Die Gründe für die geplante Verschiebung des Projekts sind nachvollziehbar«, sprach sich Bürgermeister Klaus Kreß dafür aus, dem Wunsch des Unternehmens zu folgen. Fachbereichsleiter Jürgen Patscha erläuterte, warum das Bauvorhaben auf Eis gelegt wird. Zum einen seien die Handwerks- und Baufirmen, mit denen das Kaufhaus in der Vergangenheit kooperiert habe, aufgrund des anhaltenden Baubooms völlig ausgelastet. Zum anderen sei die Unternehmensleitung aktuell mit Planungen für ihre Kaufhaus-Standorte in Thüringen beschäftigt.

Patscha hatte deshalb vorgeschlagen, die Frist für den Baubeginn bis zum 1. August 2020 zu verlängern. »Diesen Kompromiss wollte die Vorhabenträgerin nicht eingehen«, heißt es in der Beschlussvorlage, die dem Bauausschuss am Donnerstag vorlag. Der Familienbetrieb bot stattdessen an, den Bauantrag bis Ende übernächsten Jahres einzureichen und mit der Errichtung des Gebäudes spätestens am 1. Juni 2022 zu starten. Stehen soll der Neubau erst Ende 2024. Die Verwaltung lenkte ein.

Breite Unterstützung

Gegen diesen Wunsch des Investors hat auch die Politik nichts einzuwenden. Einstimmig votierte der Bauausschuss dafür, die Fristen entsprechend zu verlängern und den Vertrag mit Weyrauch zu ändern. Das letzte Wort hat das Stadtparlament. Sollte das Unternehmen die Fristen erneut verstreichen lassen, könnte der Bebauungsplan aufgehoben werden.

In der kurzen Debatte wurde die Bedeutung des Kaufhauses für den Einzelhandel in der Innenstadt unterstrichen. »Weyrauch ist ein ganz wichtiges Unternehmen für Bad Nauheim. Deshalb werde ich alles unterstützen, was die Firma will«, sagte Bernd Witzel (UWG). Am Taubenbaum solle bezahlbarer Wohnraum für Angestellte geschaffen werden. Wann das geschehe, sei für die Stadt nicht von Belang.

Günstiger Wohnraum für Angestellte

Auch die übrigen Parteien wollen alles tun, um das Kaufhaus in Bad Nauheim zu halten. Christdemokrat Manfred Jordis hätte sich allerdings einen früheren Baubeginn gewünscht. Nach Aussage von Fachbereichsleiter Patscha könnte der Wohnungsbau am Taubenbaum ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Kaufhaus-Standorts sein. Die Möglichkeit, günstigen Wohnraum anzubieten, helfe einer Firma bei der Suche nach Personal.

Die Geschäftsleitung des Kaufhauses Weyrauch wollte zu diesem Thema gegenüber der WZ trotz mehrfacher Anfrage keine Stellung nehmen.

Eigentumswohnungen geplant

Neben dem Vorhaben der Kaufhaus Weyrauch GmbH, die ein Wohn- und Geschäftshaus bauen möchte, gibt es für den südlichen Teil des Gewerbegebiets Am Taubenbaum bislang Pläne für ein weiteres, weit größeres Bauprojekt. Die Firmengruppe des Bad Nauheimer Immobilienunternehmers Peter Bach hat das 7000 Quadratmeter große Grundstück An der Birkenkaute 6 erworben, das früher von der Firma Etimark genutzt wurde.

Bach möchte dort 50 Eigentumswohnungen und Büroraum errichten. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist nach einem Beschluss der Bad Nauheimer Politiker allerdings fraglich. Mit der Mehrheit von CDU, SPD, Grünen und FDP wurde nämlich entschieden, dass der Investor 15 Prozent des neuen Wohnraums 15 Jahre lang für einen Quadratmeterpreis von 8,50 Euro vermieten muss. Gegenüber der WZ hatte der Unternehmer kürzlich offen gelassen, ob er unter diesen Bedingungen an seinen Plänen festhält.

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