11. Juli 2019, 13:00 Uhr

Kein Funkmast am Heiligen Holz

Naturschützer in Langenhain-Ziegnberg waren in Sorge um Mensch und Tier: Ein 40-Meter-Mast sollte ins Vogelschutzgehölz. Doch daraus
11. Juli 2019, 13:00 Uhr
Ins Vogelschutzgehölz oberhalb von Langenhain-Ziegenberg sollte ein 40 Meter hoher Mobilfunk-Sendemast gestellt werden. Jetzt wird ein anderer Standort gesucht.

Seit 20 Jahren ist der Arbeitskreis Naturschutz (AKN) Langenhain-Ziegenberg Pächter eines gemeindeeigenen Flurstücks neben dem Freizeitheim Uhu. Über die Jahre haben die Naturschützer unter großem Kraftaufwand hier »Am Heiligen Holz« ein Vogelschutzgehölz mit Ackerbrache und Äsungswiese geschaffen, das seinesgleichen sucht. Untere Naturschutzbehörde und BUND leisteten laut AKN-Projektbeschreibung erhebliche Starthilfe im Sinne des Natur- und Artenschutzes und der Biodiversität.

Umso größer war das Entsetzen beim AKN, als er vor gut einem Monat zufällig erfuhr, dass in ebenjenem Vogelschutzgehölz eine Mobilfunk-Sendeanlage errichtet werden sollte - dem Vernehmen nach mit einer Masthöhe von 40 Metern und wenige Hundert Meter vom Wohngebiet »Am Heiligenberg« entfernt. Als das Thema am 3. Juni im Haupt- und Finanzausschuss von der CDU angesprochen wurde, teilte Bürgermeisterin Kristina Paulenz laut Protokoll mit, dass die Untere Naturschutzbehörde (UNB) keine Einwände gegen den durch Vodafone geplanten Standort habe.

Gemeinde hat nichts unterschrieben

Wie die Rathauschefin inzwischen im Parlament und auf Nachfrage gegenüber der WZ betonte, habe die Gemeinde keinen Vertrag mit Vodafone unterzeichnet. Wo der »Handymast« errichtet werde, sei ihr nicht bekannt. Während der jüngsten Parlamentssitzung am 24. Juni wollten die Grünen wissen, ob der Gemeinde bekannt sei, dass sie auch dann auf den Standort derartiger Anlagen Einfluss nehmen könne, wenn sie nicht auf Gemeindegrund errichtet werden sollten. Dies verneinte die Bürgermeisterin.

Zudem hätten die Grünen in dieser Sitzung gern ein Mobilfunk-Immissionsgutachten in Auftrag gegeben, um den bestmöglichen Standort für eine Anlage zu finden, von der laut Untersuchungen erhebliche Strahlenbelastungen ausgingen. Laut Bundesimmissionsschutzverordnung könne die Kommune auf die Standortwahl Einfluss nehmen und damit ihrer Vorsorgepflicht nachkommen, argumentierte Grünen-Chef Klaus Spieler. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion schaffte es indes nicht auf die Tagesordnung.

Strahlenbelastung bereitet Sorge

Wie AKN-Vorsitzender Max Klenner berichtet, sei man erleichtert, dass der Mast nicht mitten ins Vogelschutzgehölz gestellt wird. Die Hiobsbotschaft hatte ihm und seinen Mitstreitern Anfang Juni schlaflose Nächte bereitet. Er schrieb sich die Finger wund, schickte Briefe unter anderem an die Untere und die Obere Naturschutzbehörde.

Auch jetzt gibt sich Klenner nicht zufrieden. Das Ausmaß der Strahlenbelastung durch neue Technologien (Stichwort 5G-Technik) sei noch gar nicht zu erfassen. Es gebe durchaus Alternativen zu den baumhohen Mobilfunkmasten, sodass auch Langenhain-Ziegenberg in Zukunft besser mobil telefonieren könne.

Wenn alle an einem Strang zögen, könne man gemeinsam für Natur und Mensch wirken und die Lebensqualität im Dorf steigern, ist Klenner überzeugt. Die Vielzahl an gelungenen Naturschutzprojekten während der letzten 28 Jahre bestätige die nachhaltige Bedeutung des Miteinanders und bestärke im Gefühl, das Richtige zu tun.

Naturschutzprojekte bei Wanderung entdecken

Am Sonntag, 14. Juli, gibt es ab 9.30 Uhr Gelegenheit, den Arbeitskreis Naturschutz Langenhain-Ziegenberg (AKN) und einige seiner Projekte bei einer zweieinhalb- bis dreistündigen Wanderung rund um Langenhain-Ziegenberg kennenzulernen.

Treffpunkt ist an der Einmündung Mühlenweg an der B 275 (von Ober-Mörlen kommend nach der Usabrücke rechts).

Gestartet wird mit einer neu angelegten Blühfläche in der Dorfwiese, weiter geht’s zum Steinbruch mit seinen Trockenrasenbeständen, von da über den Übchesborntümpel zur Obstwiese am Muckeberg und zum Trafoturm mit seinen Nisthilfen. »Zum Schluss erreichen wir die Streuobstwiese und das Vogelschutzgehölz am Uhu«, freuen sich AKN-Vorsitzender Max Klenner und seine Weggefährten auf zahlreiche Interessierte. Mitzubringen sind festes Schuhwerk und Getränke.

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