23. Juli 2018, 19:23 Uhr

Kleinod wird zum Leben erweckt

23. Juli 2018, 19:23 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Der Baderaum des Fürstenbads mit seinen dunkelgrünen Fliesen ist am besten erhalten. Hier müssen nur ein Wandteil und die Decke erneuert werden. (Fotos: Hiltrud Hölzinger/pv)

Der Jugendstilverein Bad Nauheim arbeitet zusammen mit der Stiftung Sprudelhof zurzeit an einem besonderen Projekt, der Restaurierung des ehemaligen Fürstenbads im Badehaus 7. Die zwischen 1905 und 1911 entstandenen sechs neuen Badehäuser verfügten über 265 Badezellen. Daneben gab es vier Fürstenbäder, die dem Hochadel und besonderen Staatsoberhäuptern vorbehalten waren.

Sie waren prächtig ausgestattet mit Vor-, Ruhe- und dem eigentlichen Baderaum. Unauffällig platzierte Eingangstüren sorgten nach Angaben des Jugendstilvereins dafür, dass die Prominenz vor den neugierigen Blicken der anderen Badegäste oder »der damals schon aufdringlichen Presse« weitgehend verschont blieb. Zarin Alexandra Feodorowna (1911), die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria (1912), König Saud von Saudi-Arabien (1959), um nur einige zu nennen, konnten hier unbehelligt ihre Bäder nehmen.

Jahrelang als Abstellkammer genutzt

Zwei dieser ehemaligen Fürstenbäder dienen heute nach Umbau und Renovierung einer anderen Nutzung. So bezog das Büro der Stiftung Sprudelhof die Räume des ehemaligen Fürstenbads auf der Rückseite des Badehauses 3. Das Fürstenbad im Badehaus 2 befindet sich in einem relativ guten, fast originalen Zustand und ist seit Jahren Bestandteil der Jugendstilführungen. Das teilweise ebenfalls noch gut erhaltene Fürstenbad im Badehaus 7 soll nun aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden, nachdem der Empfangsraum und der Ruheraum jahrelang als Abstellkammer benutzt wurden.

Im vorigen Jahr hatten die Vorbereitungen für dieses Projekt mit Verhandlungen mit dem Hessischen Immobilienmanagement und der Denkmalschutzbehörde begonnen. Firmen mit Erfahrung in der Restaurierung historischer Objekte wurden gesucht. Inzwischen sind zwei Türen renoviert, Fachleute haben auf den weiß überstrichenen Wänden die ursprüngliche, auf den Putz aufgebrachte Malerei freigelegt. Für die Restaurierung steht umfangreiches historisches Fotomaterial in Schwarz-Weiß zur Verfügung. Deshalb haben die Planer keine Vorstellung von den ursprünglich verwendeten Farben. Freude und Überraschung des Projektteams waren groß, als im Vorraum eine wunderschöne, flächendeckende Schablonenmalerei dunkelblaue und goldene Motive auf königsblauem Grund zeigte. Der Umkleide- und Ruheraum ist weitgehend mit türhohen Holzpaneelen verkleidet, die ebenso wie der obere Teil der Wände und die Decke verziert sind.

Dieser Raum ist in einem ziemlich maroden Zustand, es wird entschieden werden müssen, ob eine Restaurierung im Originalzustand oder eine Teilrestaurierung vorgenommen werden soll. Der eigentliche Baderaum mit dunkelgrünen Scharvogelfliesen ist am besten erhalten. Hier müssen nur die oberen Wandteile und die Decke mit der ursprünglichen Bordürenmalerei erneuert werden. Völlig verschwunden sind die auf den alten Fotos abgebildeten Einrichtungsgegenstände – etwa Möbel, Lampen, Waschbecken und Teppiche, von denen wohl Repliken angefertigt werden. Das alles kostet nicht nur Zeit sondern viel Geld.

Die Stiftung, vertreten durch Geschäftsführer Frank Thielmann, ist für Auftragsvergabe und Abwicklung der Arbeiten zuständig. Der Jugendstilverein übernimmt einen großen Teil der Kosten und freut sich über jede Spende, damit hier ein Kleinod wieder zum Leben erweckt werden kann.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos