30. Juli 2019, 11:00 Uhr

AWB-Infokampagne

»Kompostierbare« Beutel als Dauerärgernis

Angeblich kompostierbare Plastikbeutel für Biomüll sorgen im Humus- und Erdenwerk des Wetteraukreises ständig für Ärger. Deshalb startet der Abfallwirtschaftsbetrieb jetzt eine Infokampagne.
30. Juli 2019, 11:00 Uhr
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Von Bernd Klühs
Aufklärungskampagne: Die angeblich kompostierbaren Plastikbeutel für Bioabfälle sollen nicht verwendet werden. (Foto: pv)

Viele Bürger ekeln sich im Sommer vor der Biotonne. Bei hohen Temperaturen krabbeln darin Maden rum, die entfernt werden müssen. Ein weiteres Dauerthema im Umgang mit Biomüll sind die angeblich kompostierbaren Plastikbeutel. Sie finden Verwendung in der Küche, um darin Bioabfälle zu sammeln. Sind die Beutel voll, wandern sie in die Tonne. Jetzt hat der Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau (AWB) gemeinsam mit Einzelhändlern eine Informationskampagne gestartet. Motto: »Im Wetteraukreis gilt: Kompostierbare Plastikbeutel gehören nicht in die Biotonne«.

Plastiktüten in der braunen Tonne sind für die Abfallwirtschaft höchst ärgerlich, denn sie müssen im Humus- und Erdenwerk bei Ilbenstadt mit hohem Aufwand aussortiert werden. Die Wetterauer Abfallwirtschaft beteiligt sich deshalb an der bundesweiten Aktion für sauberen Bioabfall. »Unser Ziel ist, den Anteil der Fremdstoffe in der braunen Tonne - und das sind überwiegend Kunststoffe - noch weiter zu reduzieren«, sagt Betriebsleiter Dr. Jürgen Roth. Dabei wird auf Aufklärung und Kontrolle gesetzt.

Hinweisschilder an Regalen

Die Werbung suggeriere die Kompostierbarkeit der Plastikbeutel, tatsächlich könnten sie im Humus- und Erdenwerk aber nicht verarbeitet werden. Grund: Sie verrotten nicht schnell genug, brauchen 10 bis 16 Wochen. Der Bioabfall wird jedoch in sechs Wochen zu Kompost verarbeitet. Die Zersetzung der Beutel erfordert nach Angaben von Roth Temperaturen von 70 Grad, in der Vergärungsanlage herrschten aber nur 55 Grad.

»Der Bürger ist sich keiner Schuld bewusst. Er gibt seine Küchenabfälle in die Tüte, die er im Supermarkt als ›kompostierfähig‹ gekauft hat«, klagt Birgit Simon, die für die AWB-Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Mit Hinweisschildern an den Regalen vor den Komposttüten aus Kunststoff sollen die Bürger aufgeklärt werden.

Zudem prüft die mit der Einsammlung des Bioabfalls beauftragte Entsorgungsfirma Remondis den Inhalt der braunen Tonnen. Sind Fremdstoffe drin, bleibt die Tonne stehen. »Wenn sie wegen Fremdstoffen mehrfach nicht geleert werden konnte, ziehen die ersten Wetterauer Kommunen die Biotonne ein und ersetzen sie durch eine Restmülltonne, die um einiges teurer ist«, berichtet Simon.

Auf Kunststoffbeutel kann laut AWB gut verzichtet werden. Die Recyclinghöfe bieten Papiertüten für Bioabfall an. Einige Kommunen stellen sie kostenlos bereit. Simon: »Die alte Zeitung tut’s auch, um feuchte Küchenabfälle einzuschlagen. Trockene Abfälle können lose in die Tonne geworfen werden.«



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