25. Juli 2017, 16:00 Uhr

Nachwuchsass

Konzert im Aids-Hospiz geht unter die Haut

Wenn Clara de Groote musiziert, ist sie in ihrem Element. Mit elf Jahren hat sie ihr Herz fürs Schlagwerk entdeckt. Die Bundessiegerin »Jugend musiziert« aus Friedberg ist aber auch sozial engagiert.
25. Juli 2017, 16:00 Uhr
Clara Louise de Groote bezaubert beim Preisträgerkonzert in Zülpich mit moderner Musik am Vibrafon.

Draußen lacht die Sonne. Der jungen Frau mit dem Lockenschopf scheint sie direkt ins Herz. Kraftvoll und leicht zugleich führt sie vier Schlägel über die Klangplatten ihres Vibrafons. Den »Blues for Gilbert« habe Mark Glentworth seinem verstorbenen Lehrer gewidmet, erklärt Clara Louise de Groote. Den zärtlich schimmernden Harmonien muss man einfach andächtig lauschen.

Eine Erfahrung, die der 15-jährigen Musikerin aus Friedberg kürzlich unter die Haut ging. Da habe sie das Stück im Hospiz für Aidskranke gespielt. Dass sie die Menschen mit ihrer Musik bezaubern durfte, habe sie sehr glücklich gemacht, erzählt Clara. Auftritte wie diese gehörten zu der Mission, die die Organisation »Live Music Now« zur Förderung junger Musiktalente verfolge.

»Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude«: Getreu dem Motto des Gründers Yehudi Menuhin sei das Anliegen von »Live Music Now«, klassische Musik zu Menschen zu bringen, die keine Konzerte besuchen könnten. Gedacht ist das Stipendium für begabte Studenten, die auch »das Interesse, die Sensibilität und die Ausstrahlung für das Konzertieren in der jeweiligen Umgebung besitzen«.

»Wir spielen Solokonzerte und moderieren selbst«, sagt die Augustinerschülerin. Das bringe sie der Musik und den Menschen noch näher, vermittle Konzerterfahrung und helfe ihr auch beim Schreiben von Referaten. Als unerwartet schwer habe sich ein Auftritt in einem Frankfurter Kindergarten entpuppt. Viele Kinder hätten kaum zuhören können. Aber auch diese Erfahrung aus einem sozialen Brennpunkt ist Clara kostbar. Für sie steht fest: »Nach dem Abi möchte ich Musik studieren.«

 

Bundessieg bei erster Teilnahme

 

Die zwei Jahre bis zur Hochschulreife dürften verstreichen wie im Flug. Neben dem Instrumentalunterricht sind täglich drei Stunden üben ihr normales Pensum. »Manchmal auch doppelt so viel«, strahlt Clara, während sie sanft über die Klanghölzer an ihrer Marimba streicht und man den Eindruck gewinnt, dass ihr im Zusammenhang mit ihrem Instrumentenpark nichts zu viel wird.

Das sieht auch Claras Mutter so. Natürlich unterstützten ihr Mann und sie die Tochter in ihrer musikalischen Leidenschaft, sagt die Instrumentalpädagogin. Nach sechs Jahren Geige wusste Clara mit elf, dass sie Drumset spielen wollte. »Mein Vater hat früher in einer Band gespielt.« Sie nahm Unterricht an der Musikschule und wechselte vor anderthalb Jahren nach Frankfurt, um bei Maximilian Gärtner klassisches Schlagwerk zu lernen.

Claras erste Teilnahme an »Jugend musiziert« mündete kürzlich in den Bundessieg. Mit drei Stücken in besonderer Besetzung stellte sich die 15-Jährige in der Kategorie »Neue Musik« der Jury. Von elektronischen Klängen begleitet, beeindruckte sie auf der kleinen Trommel und am Setup. Allein für die sphärischen »Interzones« für Vibrafon und Tonbandbegleitung von Bruce Hamilton hatte sich Clara 15 Notenseiten draufzuschaffen.

»Das Tape ist gnadenlos«, erzählt sie, wie sie beim 15-Minuten-Werk langsam das Tempo steigerte, bevor sie das Tape zuschaltete. »Allein für das geschickte Zusammenkleben der Noten haben wir zweieinhalb Stunden gebraucht«, deutet sie auf das große »Faltblatt«. Als Preisträgerin der Manfred-Vetter-Stiftung durfte Clara das Programm dann vor begeistertem Konzertpublikum aufführen.

An der Frankfurter Musikhochschule lernt Clara jetzt bei Professor Rainer Römer. Besorgte Nachbarn erkundigten sich bald, ob im Hause de Groote die Heizung kaputt sei – und erfuhren, dass das gleichmäßige »Pök, Pök« von Claras neuer Schlagtechnik herrührte. Auch Claras drei Geschwister sind stolz auf ihre große Schwester und trainieren beim Musizieren oder Reiten selbst ihren langen Atem.

Clara nähert sich ihrem Traumberuf mit Begeisterung und der Unterstützung durch die Schule, »solange die Leistungen stimmen«. Dem Musik-Leistungskurs und dem Schulorchester gesellen sich das Landesjugendblasorchester, das Jugendsinfonieorchester Hochtaunus und das Jugend-Percussion-Ensemble Hessen hinzu.

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