20. September 2019, 20:26 Uhr

Krankenakten digital codieren

20. September 2019, 20:26 Uhr
Alle medizinisch bedeutsamen Informationen sind in Patientenakten dokumentiert und müssen für die Abrechnungen von Leistungen codiert werden. (Foto: pm)

Wie kann man medizinische Daten in Patientenakten per Computer codieren? Mit dieser Frage befasst sich ein Forschungsprojekt an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Solche Daten benötigen zum Beispiel Krankenkassen für die Abrechnung von Leistungen. Projektleiter an der THM sind die Friedberger Professoren Michael Guckert und Christian Schulze vom Kompetenzzentrum für Informationstechnologie. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit knapp 370 000 Euro. Das Forschungsvorhaben läuft zwei Jahre und hat ein Gesamtvolumen von 500 000 Euro. Es wird im Rahmen der hessischen »Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz« (Loewe) unterstützt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden pro Jahr in Deutschland etwa 20 Millionen Patienten im Krankenhaus behandelt. Für jeden werden alle medizinisch bedeutsamen Informationen in Patientenakten dokumentiert. Die Codierung der Daten erfordert hochqualifizierte Fachkräfte. So umfasst allein die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene »Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme« mehr als 12 000 Krankheitsklassen.

Die Friedberger Professoren arbeiten in dem Projekt mit Prof. Mirjam Minor vom Fachbereich Informatik und Mathematik der Frankfurter Goethe-Universität zusammen. Weiterer Partner ist Minds-Medical aus Frankfurt. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung künstlicher Intelligenz für die Gesundheitswirtschaft spezialisiert.

Minds-Medical hat eine Software entwickelt, die Patientenakten und Arztbriefe automatisch codiert. Das Unternehmen nutzt dafür Techniken des maschinellen Lernens und Methoden zur maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache. Das Problem: Das Vokabular, mit dem Ärzte medizinische Sachverhalte beschreiben, ist von Klinik zu Klinik verschieden. Zudem können die Daten personenbezogene Informationen enthalten.

Durch die Arbeit der Forscher im aktuellen Projekt sollen synonym verwendete Begriffe in verschiedenen Kliniken erkannt und demselben Code zugeordnet werden. Dazu wollen sie vorhandene medizinische Terminologiesysteme als Basis für die Klassifizierung von Patientendaten nutzen. Die Einführung der Codierungssoftware in einer neuen Klinik kann dadurch deutlich vereinfacht werden.

2000 potenzielle Kunden

Ziel des aktuellen Projekts ist es nämlich auch, mit Methoden des Transferlernens die Ergebnisse für alle Kundengruppen nutzbar zu machen. Potentielle Kunden sind die knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland. Laut einer Studie von Minds-Medical entstehen ihnen heute Personalkosten für die medizinische Codierung in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich.

Die neue Technologie soll auch von privaten Krankenversicherungen eingesetzt werden. Dort kann die Software bei Neukunden zur automatisierten Risikoanalyse dienen und anhand von Arztbriefen Vorerkrankungen erkennen.

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