23. Februar 2019, 06:00 Uhr

Kultur-Planung

Kulturbahnhof-Idee in Bad Nauheim vor dem Aus

Theater im Bahnhof – damit wird es vermutlich nichts werden. Der Bad Nauheimer Haupt- und Finanzausschuss jedenfalls hat den Prüfantrag der UWG mehrheitlich abgelehnt.
23. Februar 2019, 06:00 Uhr

Von Jürgen W. Niehoff , 3 Kommentare
In sanftes Licht getaucht, sieht der Bad Nauheimer Bahnhof von außen so aus, als würde er für Kulturliebhaber viel bereithalten. Nach der Abstimmung im Ausschuss ist es aber unwahrscheinlich, dass im Bahnhof künftig Theater gespielt wird. (Foto: Klaus Artz)

Der Sprudelhof soll das Kulturzentrum von Bad Nauheim werden. Die Weichen dafür sind am Donnerstagabend mit einer Mehrheit im Haupt- und Finanzausschuss gestellt worden. Vom Tisch scheinen damit die Pläne der UWG zu sein, die Räume der ehemaligen Bahnhofsgaststätte als »Kulturbahnhof« nutzen zu wollen. Dem Beschluss, ein inhaltliches und finanzielles Konzept zur Errichtung eines Kulturzentrums im Badehaus III des Sprudelhofs zu erstellen, war eine umfangreiche Diskussion im Ausschuss vorausgegangen.

Zunächst hatte Erster Stadtrat und Kulturdezernent Peter Krank die Pläne des Magistrats noch einmal erläutert. Demnach sollen im Badehaus III eine Spielstätte unter anderem auch für das Theater Alte Feuerwache (TAF), die Stadtbücherei, das Haus des Gastes und das Jugendstilzentrum zusammengeführt werden. Ziel der Zusammenlegung sei es zum einen, durch Synergieeffekte Kosten zu sparen, und zum anderen, auf diese Weise ein echtes Kulturzentrum im Sprudelhof zu etablieren, das zur Belebung des Ensembles beitragen werde.

Wenn Sie jetzt auch noch einen Kostenvergleich vorab verlangen, dann ist das völlig daneben

Bürgermeister Klaus Kreß in Richtung der UWG

Der Beschluss, die Spielstätte ins Badehaus III zu verlegen, sei von der Stadtverordnetenversammlung bereits am 25. Januar 2018 gefasst worden. Der neuerliche Antrag diene nun nur dazu, mit der Planung endlich anfangen zu können. »Bisher gibt es nur Schätzungen, aber keine verbindlichen Aussagen über die Kosten des Baus der Spielstätte im Badehaus III«, sagte Krank. Deshalb müssten endlich Nägel mit Köpfen gemacht und eine bedarfsgerechte Kostenanalyse erstellt werden. Erst wenn die richtigen Zahlen auf dem Tisch lägen, könne ernsthaft über weitere Einzelheiten diskutiert werden. Auch hinsichtlich der städtischen Bücherei, deren bisheriges Gebäude schon seit Längerem dringend sanierungsbedürftig sei, gebe es seit November 2017 den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, nach passenden Räumen zu suchen. Das Badehaus III biete dafür genügend Platz, sodass die Kapazitäten sogar noch deutlich erweitert werden könnten. »Insgesamt dient der Um- und Ausbau des Badehauses III der Attraktivität des Sprudelhofs und würde deshalb auch im Interesse der Sprudelhof-Stiftung liegen«, machte Krank deutlich.

Die UWG lehnte diese Pläne zwar nicht grundlegend ab, wie dies ihr Fraktionsvorsitzender Markus Theis an diesem Abend mehrfach betonte, doch forderte sie parallel dazu eine vergleichende Machbarkeitsstudie für die Nutzung der alten Bahnhofsgaststätte als Spielstätte.

Nach Ansicht von Bürgermeister Klaus Kreß ist die Forderung der UWG nicht zielführend, weil in diesem Falle Äpfel mit Birnen verglichen würden. »Wir als Verwaltung möchten gern heute Abend einen Planungsauftrag für ein Kulturzentrum für vier Einrichtungen im Sprudelhof und nicht nur für eine einzelne Spielstätte. Und wenn Sie jetzt auch noch einen Kostenvergleich vorab verlangen, dann ist das völlig daneben«, kritisierte Kreß die UWG-Forderungen. Denn erst nach Abschluss der Planung sei eine realistische Kostenanalyse möglich.

 

Stadtverordnete entscheiden am 28. Februar

 

Rückenwind bekam der Rathauschef von den Sprechern der anderen Fraktionen. Der Vorschlag mit dem Kulturbahnhof löse lediglich eine Scheindebatte aus, da es bei dem Kulturzentrum um mehr als nur die Spielstätte gehe, pflichtete auch FDP-Sprecher Benjamin Pizarro Kreß bei. Im Übrigen habe die UWG ihre Forderung nach einer vergleichenden Machbarkeitsstudie für den Kulturbahnhof nicht einmal zu einem Antrag gemacht, sondern diskutiere nur »ins Blaue« hinein, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Bertrand.

Der Versuch vom Ausschussvorsitzenden und UWG-Stadtverordneten Markus Philippi, die Anregung der UWG doch noch zu einem Antrag zu erheben, scheiterte bei der Abstimmung. Der ursprüngliche Antrag der Verwaltung auf Erstellung eines Konzeptes für die Schaffung des Kulturzentrums im Badehaus III wurde mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der UWG angenommen. Letztendlich entscheiden wird die Stadtverordnetenversammlung, die am Donnerstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr in der Trinkkuranlage zusammenkommt.

Info

Die beiden Konzepte

Im Badehaus III im Sprudelhof sollen vier Einrichtungen – Spielstätte, städtische Bücherei, Haus des Gastes und Jugendstilzentrum – zusammengefasst werden. Der Sprudelhof gehört zu einem Drittel der Stadt. In der früheren Gaststätte des Bahnhofs sieht das Konzept auf rund 500 Quadratmetern eine Spielstätte mit 130 Sitzplätzen, einem Foyer, Umkleidemöglichkeiten, Lager, Getränkeausschank, Büro und Toiletten vor. Hier wäre die Stadt Mieter mit rund 100 000 Euro Miete pro Jahr. (jwn)

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