29. August 2019, 20:23 Uhr

Kunst soll die Welt verbessern

29. August 2019, 20:23 Uhr
Kräftige Farben, schlanke Bäume, ein Wasserfall und dazu der Kakadu: Das ist eine Vorstellung, die Marina Sailer vom Garten Eden hat. Das Bild ist Bestandteil der Reihe »Kunst in Kirchen in der Wetterau«. (Fotos: prw)

In der evangelischen Kirche in Ober-Seemen ist noch bis Ende September die Arbeit von Marina Sailer zu sehen. Diese ist Teil der Reihe »Kunst in Kirchen in der Wetterau. Durchaus realistisch anmutende Ansichten von Gebäuden und Naturlandschaften verbindet die in Düsseldorf lebende Künstlerin übergangslos zu fantastischen Fiktionen. Romantische Motive verbinden sich mit dramatischer Farbigkeit in einer nachgerade impressionistischen Malweise.

Die Kirche in Ober-Seemen scheint für Sailers Kunst besonders geeignet. Der gotische Ursprungsbau, in seiner Gestalt noch deutlich erkennbar, ist mehrfach überformt, besonders in der Barockzeit und in der Romantik. Die doppelte Emporenanlage prägt das Schiff und ermöglicht überraschende Durchblicke. Der gotische Chor ist hingegen hell durchleuchtet, wirkt leicht. Dazu kommt eine überwältigende Farbigkeit. Harmonisch entfaltet sich die Natur: Schlanke Bäume, ein Wasserfall rauscht, ein Bach strömt den Betrachtenden entgegen, einzelne Tiere beleben das Bild. Mitten aus dem Vordergrund blickt ein Kakadu auf die Betrachter, als ob er Kontakt aufnehmen wolle: so kommt mit den Betrachtenden der Mensch in den Garten. Genauer gesagt in den Garten Eden. Denn zu diesem Thema haben sich alle teilnehmenden Künstler bei »Kunst in Kirchen in der Wetterau« Gedanken gemacht. Marina Sailer erklärt, warum sie beim einzigartigen Projekt mitmacht.

Kunst in Kirchen ist ein in Deutschland einzigartiges und ungewöhnliches Projekt. Worin besteht für Sie der Reiz teilzunehmen?

Marina Sailer: Das Projekt wird von herzensnetten Menschen kuratiert und unterstützt. So bereitet es viel Freude, daran teilzunehmen.

Was reizt Sie als Künstlerin, in einer Kirche auszustellen?

Sailer: Ich wollte schon immer ein zeitgenössisches Altarbild für eine alte Kirche malen, um heute und damals für morgen zusammenzubringen.

Mit Ihrem Beitrag beziehen Sie ja Position zum Thema Eden. Sehen Sie da ganz allgemein eine gesellschaftliche Relevanz?

Sailer: Der Mensch ist gut dabei, die Natur zu zerstören, statt die Erde in einen blühenden Garten Eden zu verwandeln. Mit meinem Beitrag erschaffe ich mein Paradies auf der Erde.

Eine Kirche ist der Ort, an dem man das Gespräch mit Gott sucht. Traditionelle Kirchenbilder erleichtern dieses Gespräch. Zeitgenössische Kunst kann da wie ein Fremdkörper wirken. Ist das so gewollt?

Sailer: Kunst muss meiner Meinung nach weder provozierend noch zerstörend sein. Sie muss nicht wie ein Fremdkörper in einer Kirche wirken. Sie kann auch eine homogene Zusammenstellung in sich bergen. Auch widerspricht die Kunst nicht dem Gespräch mit Gott, der alles erschaffen hat, weil der Künstler eher sein Kind und seine Schöpfung ist, genau wie die künstlerische Arbeit auch Gottes Werk ist.

Darf Kunst hier provozieren und anecken? Was darf Kunst überhaupt? Was ist ihre Aufgabe?

Sailer: Zeitgenössische Kunst soll die Welt verbessern, nicht verschlechtern.

Welche Reaktionen erwarten Sie von den Besucherinnen und Besuchern?

Sailer: Es würde mich glücklich machen, wenn sie sich an meinem Werk erfreuen.

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