05. März 2017, 18:00 Uhr

»Taxi Taxi«

Kurz vor dem Kleinkrieg

Das Taxiunternehmen von Ahmed Azhar ist das einzige in Wöllstadt. Nur er darf Personen in der Gemeinde befördern. Trotzdem habe er mit Konkurrenz zu kämpfen, sagt er. Und niemand wolle ihm helfen.
05. März 2017, 18:00 Uhr

Von Jürgen W. Niehoff , 7 Kommentare
Taxiunternehmer Ahmed Azhar hat immer wieder mit Konkurrenz zu kämpfen, die – wie er sagt – unzulässigerweise Personen in Wöllstadt befördert. (Foto: jwn)

Ich war in allen möglichen Amtsstuben, habe meine Geschichte immer und immer wieder erzählt, doch keiner hilft mir. Dabei bin ich juristisch gesehen im Recht«, beklagt sich der 44-jährige Wöllstädter Taxiunternehmer Ahmed Azhar. Im Jahr 2011 hat er sein Gewerbe in der Kreisverwaltung in Friedberg angemeldet. Betriebsort ist laut seiner Taxikonzession Wöllstadt und nur dort darf er seine Fahrzeuge zur Aufnahme von Fahrgästen bereitstellen. So steht ausdrücklich in der Konzession und die bezieht sich ausdrücklich auch in diesem Punkt auf das Personenbeförderungsgesetz.

Azhar ist der Einzige, der in Wöllstadt ein Taxiunternehmen hat. Deshalb dürfte bei Veranstaltungen wie jüngst zu Karneval in der Römerhalle in Ober-Wöllstadt nur sein Taxi vor der Tür auf Gäste warten. Doch das Gegenteil sei der Fall. »Wenn hier in Wöllstadt irgendwelche Feste gefeiert werden, dann stehen nachts jede Menge Taxen vor der Tür und warten auf Fahrgäste«, schildert Azhar aufgebracht die Situation vor wenigen Tagen. Und obwohl nur er in Wöllstadt und für Wöllstadt über eine Betriebskonzession zur Personenbeförderung verfügt, hätten ihn die anderen Taxifahrer gezwungen, sich in der Reihe hinten anzustellen.

»Normalerweise hätte ich in so einer Nacht 15 oder 20 Fahrten innerhalb Wöllstadts gehabt, so hatte ich gerade einmal zwei«, beklagt er sich. Das sei kein Einzelfall gewesen, sondern bereits die Norm und deshalb habe er in der Kreisverwaltung nachgefragt. Doch die Sachbearbeiterin erklärte sich nicht zuständig. Die Kreisverwaltung erteile und kontrolliere nur Betriebskonzessionen für Gemeinden bis zu 6000 Einwohnern, hieß es. Da die besagten Taxen aller Wahrscheinlichkeit nach aber aus Friedberg stammten, sei das Ordnungsamt der Kreisstadt dafür zuständig. Ansonsten aber habe er Recht, denn laut dem Personenbeförderungsgesetz dürften auch die Friedberger Taxen nur in Friedberg auf Fahrgäste warten. Nach Wöllstadt oder in andere Kommunen dürften sie allenfalls auf Anforderung fahren. Azhar solle sich, so der Rat der Mitarbeiterin, doch einen Rechtsanwalt nehmen und sich sein Recht erstreiten.

»Wissen Sie, was das für mich bedeutet, wenn ich Fahrer für Fahrer anzeige? Das ist nicht nur Stress pur, sondern das ist der Beginn eines Kleinkrieges unter uns Taxifahrern«, schüttelt der gebürtige Pakistani den Kopf.

Mehrfach sei er bereits auf dem für seine Friedberger Taxikollegen zuständigen Ordnungsamt im Friedberger Rathaus gewesen. Doch auch dort hätte man nur den Kopf geschüttelt. Amtsleiter Frank Halbritter hätte sich nämlich ebenfalls nicht für zuständig erklärt. Zum einen, weil Wöllstadt nicht sein Bezirk sei und zum anderen, weil es sich allenfalls bei einem Verstoß gegen das Personenbeförderungsgesetz um eine Ordnungswidrigkeit handeln würde. Und da läge es – ihm als Behörde – nach dem Opportunitätsprinzip in seinem Ermessen, einzuschreiten oder nicht. Da er persönlich kein Verstoß gegen die von ihm erteilten Taxikonzessionen sehe und damit auch kein Verstoß gegen das Personenbeförderungsgesetz, habe er dem Wöllstädter Taxifahrer Azhar ebenfalls den Gang zum Rechtsanwalt empfohlen.

»Ich kann mich doch jetzt nicht auch noch darum kümmern, wer wo seine Reklame aufhängt. Das allein ist jedenfalls kein Verstoß gegen eine Rechtsvorschrift und zwingt mich als Behörde auch nicht zum Handeln«, sagt Halbritter.

Fast jeden Tag sehe Azhar die Verstöße seiner Taxikollegen aus Friedberg. Und er spüre die finanziellen Einbußen. Wenn er seine Kollegen verklagen will, muss er ihnen nachweisen, dass sie nicht angerufen wurden, sondern gezielt auf der Straße stehen und auf Gäste warten. Diesen Beweis zu führen, ist fast unmöglich. Hilfe von den Behörden erwartet Azhar nicht mehr. Zurück bleibt ein Wöllstädter Taxifahrer mit einem Strauß riesengroßer Probleme.

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