26. September 2019, 18:32 Uhr

Lieblingsplatz

»Mal nicht aufs Handy schauen« - Wo ein 27-jähriger Wetterauer Entspannung findet

Patrick Wiedorn ist Echzeller, Student und Hobbyboxer. Er hat ein Pferd und engagiert sich für Naturschutz. Manches bei dem 27-Jährigen ist anders als bei Gleichaltrigen - etwa sein Lieblingsplatz.
26. September 2019, 18:32 Uhr
Von der Anhöhe zwischen Staden und Leidhecken aus kann man bis in den Taunus blicken.

Rechts sieht man den Bad Nauheimer Johannisberg. Das mit dem Turm ist der Friedberger Steinberg und weiter links hat man einen wunderbaren Blick über den Taunus«, sagt Patrick Wiedorn und lässt seinen Finger langsam den Horizont entlangwandern. Der 27-jährige Echzeller steht auf einer Anhöhe zwischen den Florstädter Stadtteilen Staden und Leidhecken. Um seinen Hals baumelt ein Fernglas. Rückendeckung auf der saftig grünen Wiese gibt ihm ein kleiner Bestand an Kirschbäumen. »Es ist eine grandiose Weite«, sagt er, ohne den Blick von der Landschaft abzuwenden. »Hier kann ich abschalten, entschleunigen, mal nicht aufs Handy schauen.«

Zwei bis drei Mal im Monat steigt der Student den geschotterten Weg hinauf und genießt die Aussicht über die Wetterau. Zum Beispiel, wenn er, wie so oft, sein in die Jahre gekommenes Pferd auf der Weide am Fuße der Anhöhe besucht. Mit dem großen Schwarzen ist er früher den Feldweg hochgaloppiert. Eine schöne Erinnerung. »Nun kann ich ihn von hier oben sehen - auf seiner Rentnerkoppel«, sagt Wiedorn mit einem Lächeln. Vielleicht einer der Gründe, warum er den kleinen Hügel seinen Lieblingsplatz nennt - aber sicher nicht der einzige.

Greifvögel und Helikopter in der Luft

Bei sonnigem Wetter und fluffigen Wolken sieht das Gelände fast aus wie aus dem Modellbaukasten: Links thront die Stadener Burg. Autos sausen durchs Blickfeld über die Landstraße, vorbei am Pferdehof ins rechter Hand gelegene Leidhecken. Im Vordergrund abgeerntete Äcker, dahinter grüne Wiesen mit Wasserflächen und der Reichelsheimer Flugplatz. Gerade startet ein Helikopter. »Es ist zwar nur eine simple Anhöhe, aber es gibt viel zu sehen«, sagt Wiedorn. Besonders gut könne man von dem erhöhten Standpunkt aus Vögel beobachten. Hunderte Kiebitze und andere Wasservögel tummelten sich an dem mit einem Schutzzaun versehenen Stadener Mähried. Und über dem Wäldchen auf der Rückseite des Hügels kreisten immer wieder Rotmilane und andere Greifvögel mit den Winden. Das Interesse an seiner Umwelt verfolgt der Echzeller auch professionell.

Wiedorn ist Praktikant bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), beschäftigt sich unter anderem mit Vögeln, Fledermäusen, und Hamstern in der Wetterau und arbeitet in der Geschäftsstelle in Echzell. Parallel studiert er Umweltmanagement an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Im Stadtgebiet untersucht er Zauneidechsen und wie sie, etwa bei Baumaßnahmen, in andere Lebensräume umgesiedelt werden können. Reptilien hält er auch zu Hause.

Anders als Altersgenossen

Wiedorn stammt aus dem Raum Groß-Gerau und ist Ende der 1990er Jahre als Kind mit seinen Eltern in die Wetterau gezogen - wo er offenbar mit Herz und Seele angekommen ist. Er liebe das Landleben und die Freiheit in der Wetterau, sagt er. »Ich bin kein Städter. Ich brauche die Weite.« Auf die Frage, ob die Zeil in Frankfurt dann eher nicht zu seinen Lieblingsorten zählt, schüttelt er den Kopf. Aber: »Klar mache ich mal einen Städtetrip wie kürzlich nach München«, sagt er und lächelt. »Allerdings habe ich mich in Erding wohler gefühlt.«

Wahrscheinlicher als im Gewusel einer Großstadt trifft man den 27-Jährigen in der Boxhalle an. Mit dem Boxring Wölfersheim steht für den Hobbykampfsportler noch in diesem Jahr der erste großer Kampf an. Auch in der Reithalle hat man eine Chance, Wiedorn zu treffen, denn dorthin begleitet er regelmäßig seine Freundin.

Seinen Lieblingsplatz besuche er meist alleine, erzählt er. »Für Freunde in meinem Alter ist das nicht unbedingt was«, sagt er und lächelt. Unter den Naturschützern in der Region gehöre er meist zu den jüngeren. »Klimawandel und Artensterben sind derzeit sehr präsent. Fragt man junge Leute aber, was sie selbst konkret für die Umwelt tun, geht das meist nicht über Mülltrennung hinaus.« Bei Wiedorn sieht das in Zukunft womöglich schon von Berufswegen ganz anders aus. Im Herbst will er seinen Abschluss machen und anschließend arbeiten gehen - am liebsten in der Landschaftspflege.

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