24. Juni 2019, 19:58 Uhr

Manche Töne erklingen nicht mehr

Sie sind gemeinsam stark: Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen haben einen Zuschuss von je 4000 Euro für die Restaurierung der Orgel in der Evangelischen Andreaskirche im Schönecker Ortsteil Büdesheim bewilligt. Der Betrag resultiert aus einem von der Stiftung und der Fachbehörde aufgelegten Restaurierungsprogramm für Orgeln. Die Orgel in Büdesheim ist die 140. Orgel, die seither gefördert wurde.
24. Juni 2019, 19:58 Uhr
Schmuckstück der Andreaskirche in Büdesheim: Die Orgel besitzt einen Prospekt aus dem Jahr 1771. (Fotos: Georgia Lori)

Viele Spenden haben es ermöglicht, dass die Orgel der Kirche saniert werden kann. Die Finanzmittel setzen sich bisher aus 14 450 Euro Privatspenden, 3000 Euro vom Förderverein und einem Zuschuss von 4000 Euro der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Mit dem oben erwähnten Zuschuss von insgesamt 8000 Euro sind bisher Mittel in Höhe von 29 450 Euro zusammengekommen. Die kalkulierten Gesamtkosten liegen bei 40000 Euro.

Mittlerweile wurde mit der Firma Hardt-Orgelbau in Weilmünster ein Betrieb beauftragt. »Die Arbeiten werden voraussichtlich im Herbst beginnen und im Frühjahr 2020 fertiggestellt sein«, sagte Thomas Wilhelm, EKHN-Orgelsachverständiger. Die Andreaskirche geht auf einen spätmittelalterlichen Saalbau des beginnenden 15. Jahrhunderts zurück. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche erweitert. 1907 fand eine große Renovierung im Inneren statt. Die Orgel besitzt ein barockes, siebenteiliges Orgelprospekt aus dem Jahr 1771 von J. C. Zinck. Mit Türmen, Feldern, Schleierwerk und Trompetenengeln ist es aufwendig gestaltet. Das Orgelwerk von 1907 wurde von der Orgelwerkstatt Förster & Nicolaus in Lich gebaut und besitzt 13 Register und 648 Pfeifen.

Zeittypisch ist das Instrument als pneumatische Kegelladenorgel konzipiert. Die heutige Orgel ist damit ein sehr seltenes Instrument, von dem nur wenige Exemplare gebaut wurden. Die Sanierung mit ausschließlich substanzerhaltenden Arbeiten ist erforderlich, da die pneumatische Anlage aufgrund des Verschleißes störanfällig geworden ist und die Windbälge undicht sind. Das Balgleder ist porös und im Spieltisch gibt es laut Wilhelm Wasser- und Trocknungsschäden. Zudem klingen nicht mehr alle Töne, die gedrückt werden. »Den Defekt rund um das D haben wir nicht in den Griff bekommen«, sagt Dirk Glock, Organist und Mitglied im Kirchenvorstand.

Restaurierung ist Handarbeit

Laut Wilhelm erfolgt die Restaurierung komplett in Handarbeit. So wird neben dem Pfeifenwerk auch viel Technik ausgebaut. Das Pfeifenwerk muss gerichtet und gestimmt, der Blasebalg in seine Einzelteile zerlegt und neu mit Leder ausgestattet werden. Auch schadhafte Teile des Spieltisches werden überholt, geleimt, die Kammern werden neu verdichtet und wieder eingebaut. Risse der Windlade werden mit Spaltleder abgeklebt und der Knarrriemen repariert. Orgelmusik in der Andreaskirche ist laut Glock nicht nur wichtig, weil sie den historischen Kirchenraum belebt, sondern »die Orgel zugleich Herzstück der Kirche ist« und zudem ein hervorragendes Begleitinstrument zum Singen.

»Wir haben Kinderchöre, einen ökumenischen Kirchenchor und einen weiteren Chor. Schlosskonzerte finden in der Kirche statt. Über 100 Menschen musizieren hier wöchentlich«, sagt Pfarrer Karlo Friedrich zur Bedeutung der Orgel für die Gemeinde. Orgeln sind Ausstattungsgegenstände und Klangdenkmäler, besonders, wenn sie noch über eine erhaltene pneumatische Anlage verfügen«, sagt Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator im Landesamt für Denkmalpflege. Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen wertet das Orgelwesen in Deutschland als sehr reichhaltig.

Vielfalt erhalten

Pro Jahr werden landesweit fünf bis neun historische Instrumente mit 20 Prozent der Gesamtkosten gefördert. Ziel des Förderprogramms ist es, die Vielfalt von historischen Orgeln in Hessen zu erhalten und erlebbar zu machen.

Wer für die Büdesheimer Orgel spenden möchte,kann das über den Verein zur Förderung der evangelischen Andreasgemeinde Büdesheim machen. Die Bankverbindung lautet: Kreissparkasse Hanau, IBAN DE93 50650023 0027002310, BIC HELADEF1HAN.

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