03. Mai 2017, 20:11 Uhr

Mehr als backen und stricken

03. Mai 2017, 20:11 Uhr

Ein runder Geburtstag ist stets ein Grund zum Feiern. Beim 50. gilt das besonders; vor allem wenn der Jubilar ein Verein ist. Deshalb haben die Rockenberger Landfrauen für vergangenen Sonntag zum 50. Geburtstag eingeladen. Gekommen waren rund 350 Gäste, darunter Vertreter der örtlichen Vereine aus Rockenberg und Oppershofen sowie Landfrauen aus dem Bezirk und aus der Landesvertretung. Das Jubiläum stellt gerade in Zeiten des fehlenden Nachwuchses in fast jedem Verein ein freudiges Ereignis dar.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1967 haben die Rockenberger Landfrauen in der Gemeinde viel bewegt: Da sind zum einen die vielen Spenden aus den alljährlichen Adventsbasaren, die Schmückaktionen für den hiesigen Weihnachtsbaum, die Frühstücksaktionen in der Grundschule und vieles mehr.

Landfrau zu sein, das wurde am Sonntag einmal mehr deutlich, ist mehr als gemeinsam zu Stricken: »Das können wir zwar sehr gut«, betonte Ursula Pöhlig vom Landesvorstand, doch Kuchenbacken und Co. seien nur ein kleiner Aspekt unter vielen. Aus dem Einsatz für Landwirtsfrauen von damals, ist ein gesamtgesellschaftliches Engagement für alle Frauen auf dem Land geworden. »Wir sind überparteilich und überkonfessionell«, ein Verein von und für die gesellschaftliche Mitte.

Und für Bezirksvorsitzende Brigitte Albrecht ist auch klar, dass die Landfrauen stets mit den gesellschaftlichen Veränderungen mitgehen müssen; schon allein um für jüngere Frauen attraktiv zu werden. So spielen nach eigener Aussage neue Medien mittlerweile eine wichtige Rolle unter Landfrauen, was unter anderem »Whats-App-Gruppen« beweisen. Auch die »Maus« und das Internet seien »gebändigt«. Wobei an solchen Formulierungen bereits der herausfordernde Wandel von analog zu digital spürbar werde: eine digitale Transformation eines 50 Jahre alten Vereins bedarf nicht nur des guten Willens, sondern vor allem Know-how. Dieses, so schwang die Hoffnung in den Reden mit, könne von der jungen Generation kommen. Neben Deutsch sei deshalb auch noch die »Sprache der Bits und Bites« für die Zukunft entscheidend. Aber nicht nur hierfür sei der Nachwuchs herzlich willkommen.

Von sensationellem Kartoffelanbau

Wie weitere Redner anklingen ließen, sei es für fast jeden Verein eine große Herausforderung, Nachwuchs zu bekommen. Wie können die Jugendlichen und jungen Erwachsenen für das Vereinsleben begeistert werden? Eine Frage, die sich unter anderem Jochen Litschel vom Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde gewidmet hat. Vereinsstrukturen seien weder veraltet noch obsolet. Sie seien vielmehr Ausdruck eines demokratischen Mitbestimmungsprozesses, der von einer freien Gesellschaft benötigt werde. Wenn es einem Verein gelinge, sich im digitalen Zeitalter zurechtzufinden, könne er es schaffen, die »Digital Natives« anzuziehen.

Diesen »Imagewandel« meistern die Rockenberger Landfrauen mit Bravur, so scheint es zumindest von außen betrachtet. Auch wenn das Basteln, Stricken und Backen weiterhin einer der Hauptpfeiler des Vereins darstellt, wird dieser jedoch ergänzt um zeitgemäße Fortbildungen. Zudem kämpfen Landfrauen in ganz Deutschland um die Rechte von Frauen: für »Equal-Pay«, also gleiches Gehalt für gleiche Arbeit. Darüber hinaus werden Fragen von Altersarmut diskutiert. Weiterer Fokus liege auch auf Kinderkochkursen und Ernährungsberatung sowie Aufklärung. Eine wichtige Komponente sei deshalb auch die Brotbüchsenaktion für die Grundschule. Hier lernen Grundschüler über die Wichtigkeit von einem gesunden Frühstück.

Neben Pfarrer Dr. Gregor Waclawiak, der ebenfalls die Wichtigkeit der hiesigen Landfrauen für die Vereinslandschaft hervorhob, erinnerte Bürgermeister Manfred Wetz an die Wurzeln des Rockenberger Traditionsvereins. 1967 sei eine Zeit des Umbruchs gewesen. Ganz davon abgesehen, dass die Welt damals wie heute im Wandel ist, könnte man die Landfrauen als eine Konstante für viele Frauen auf dem Land bezeichnen. Dies wurde auch im Geschichts-Talk zwischen Doris Brüning, Hanne Anselm und der ersten Vorsitzenden Gudrun Bischoff deutlich.

Zudem erheiterte ein amüsanter Sketch (»Sensationeller Kartoffelanbau«) mit der zweiten Vorsitzenden Hildegard Simon und Gudrun Bischoff das Publikum.

Musikalisch umrahmt wurden die Feierlichkeiten von jeweils zwei gesanglichen Darbietungen der örtlichen Gesangvereine Concordia und Immergrün. Für viel Applaus sorgten auch die Nachwuchs-Einrad-Fahrerinnen des RV Germania Rockenberg. Constanze Röhl, Hanna Merz, Anne Hess, Leoni Schäfer, Sofia Gogol und Lilli Schmidt fuhren in der 6er-Formation als Jubiläumsgeschenk für den Verein. In der »Halbzeit« sorgten insgesamt 60 Torten für den nötigen Energienachschub. Der krönende Abschluss kam dann von der Line-Dance-Gruppe der Landfrauen. Mit zweimaliger Zugabe verabschiedeten sich die Damen im Cowgirl-Outfit von der Bühne. (Fotos: fef)

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