10. September 2019, 20:23 Uhr

Mehr als nur alter Krempel

10. September 2019, 20:23 Uhr

Als »Tag der Höfe« hatte Nadja Buczkowski den ersten Dorfflohmarkt im südlichsten Friedberger Stadtteil ausgeschrieben. Der erste Regentag seit Langem machte daraus eher einen Tag der Garagen, Carports und Scheunen. Über 70 Familien und die evangelische Kirchengemeinde hatten signalisiert mitzumachen. Einige wenige bauten angesichts des Regens am Vormittag ihre Stände nicht auf, was sich als Fehler herausstellen sollte. Die Mehrheit wich in Garagen und andere Unterstände in den Höfen aus.

»Auch diejenigen, die nicht aufgebaut haben, haben das Standgeld von fünf Euro bezahlt, selbst die beiden Familien, die sich vorher gar nicht angemeldet haben und auf dem Plan fehlen«, freute sich Nadja Buczkowski, die den Dorfflohmarkt im Alleingang organisiert hat. »Ich habe die Arbeit, die dahintersteckt, doch unterschätzt. Nächstes Jahr brauche ich Unterstützung«, sagte sie beim WZ-Gespräch im evangelischen Gemeinderaum. Dorthin hatten sich die fünf Kirchenvorsteherinnen mit ihrem Flohmarkt sowie Kaffee und Kuchen zurückgezogen. Gekommen war auch Klaus Scheer, Vater des elfjährigen Luis, der wegen eines Gendefekts seit der Geburt mehrfach schwerstbehindert ist. Buczkowski: »Ich will an den Standgebühren nichts verdienen, da fiel mir sofort die Familie Scheer ein.«

Das Geld kann die Familie gut gebrauchen, denn »die Krankenkasse bezahlt längst nicht alles«. Klaus Scheer nennt als Beispiel die Reittherapie, die für Stabilität beim Aufrechtsitzen von Luis sorgt (die WZ berichtete vor zwei Jahren). Ein aktuelles Problem der Familie: Noch besucht Luis die integrative Sophie-Scholl-Schule in Bad Nauheim. Doch die Suche nach einer weiterführenden Schule gestaltet sich schwierig.

Erlös hilft behindertem Kind

»Wir haben im ganzen Kreis keine geeignete integrative Schule gefunden, noch nicht mal eine barrierefreie«, erklärt der Vater. So wird Luis wohl auf die Wartbergschule gehen müssen. »Auch wenn die total überlaufen ist, sogar der Ruheraum wurde jetzt gestrichen«, sagt der Vater.

Derweil war nicht nur im Gemeindesaal viel los. »Ich kannte bisher in Bruchenbrücken nur die Hauptstraße und den Weg zum Bahnhof«, erzählt Bärbel Münch. Die Bönstädterin hat drei Holzschalen erstanden, sehr zur Freude der Kirchenvorsteherinnen, die die Verkaufseinnahmen zur Renovierung des Gemeinderaums spenden.

»Dass bei dem schlechten Wetter so viele Leute unterwegs sind, hätten wir nicht gedacht«, meinten Steffen Richter und Maike Lindner. Sie hatten ihr Angebot an Büchern, Spielen und Haushaltsgegenständen in ihrem Carport im Hof des Anwesens in der Bruchenbrückener Straße aufgebaut. »Unser Highlight war eine Batman-Garderobe. Die hat eine Frau für acht Euro mitgenommen und sich riesig darüber gefreut«, erzählt Maike Lindner.

Auch in den Nebenstraßen waren die Beschicker zufrieden. »Wir haben noch nie an einem Flohmarkt teilgenommen«, erzählen Günter und Natalie Reuner in der Fritz-Erler-Straße. Das Ehepaar bot »die gesammelten Werke meiner Mutter« (Günter Reuner) an: Eine alte Küchenwaage, Bembel, Gebrauchskeramik und handgestickte Tischdecken gehörten dazu.

Gegenüber in der Sackgasse des Fritz-Erler-Wegs hatten sich die Familien Tirnitz, Raimboldi und Ouakili zusammengetan. Sie boten nicht nur Kinderkleidung, Spielzeug und anderes mehr an. Die Hotdogs und die selbst gemachte Limonade liefen bestens.

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