25. September 2019, 19:41 Uhr

»Mit Gottes Hilfe die Welt verändern«

25. September 2019, 19:41 Uhr
Der Saal im Gemeindehaus ist für den Dekanatsfrauentag voll besetzt. (Foto: pm)

Pilgerin Susanne Hess ist noch unterwegs, während Sabine Wießner die Teilnehmerinnen des evangelischen Dekanatsfrauentags im Gemeindehaus in Gambach begrüßt. Sie stammen aus zahlreichen Kommunen des Wetteraukreises, ein Großteil ist mit dem Auto gekommen - anders als Hess, die gemeinsam mit einer Gruppe zu Fuß nach Gambach geht. Schließlich ist die Bewahrung der Schöpfung ein wichtiges Thema beim Treffen der Kirchenfrauen am Weltgebetstag, der vor 70 Jahren erstmals begangen wurde.

Im Gemeindesaal geht es mit Musik los, dargeboten von Andrea Hartenfeller und Uwe Wießner. Dekan Volkhard Guth blickt auf seine ersten Erinnerungen an den Weltgebetstag zu Hause zurück. »Das war immer dann, wenn meine Mutter mit Zetteln nach Hause kam und Textpassagen laut gelesen und geübt hat, weil sie im Gottesdienst vorgetragen werden sollten.« Der Weltgebetstag sei als Teil der ökumenischen Bewegung ein hohes Gut. »Und er ist es auch deswegen, weil Frauen das Wort ergriffen haben, um für sich, ihre Rechte und für Gerechtigkeit einzustehen«, sagt der Dekan.

Auf dem Pilgerweg, der an der Kirche in Oppershofen begonnen hat, treten die Pilgerinnen um Susanne Hess zur gleichen Zeit die letzten Kilometer an. An vier Stationen sei es darum gegangen, Gott als Schöpfungskraft wahrzunehmen und die Bedrohung der Schöpfung zu erkennen, schildert Gruppenleiterin Hess. Man habe sich an zurückliegende Weltgebetstage erinnert und mit den »Worten der Indianerinnen« gebetet, die auf den Weltgebetstag 1981 zurückgehen.

Dass es das jährliche Ereignis während der Passionszeit gibt, ist drei Frauen im 19. Jahrhundert zu verdanken: Mary Ellen James aus Brooklyn, Vorsitzende des Frauenrats der Presbyterianischen Kirche, sowie Lucy Peybody aus Boston und Helen Barrett Montgomery aus New York. Peybody und Montgomery waren Missionarinnen der Baptistenkirche in Indien. Rosemarie Behler, Corinna Kasten und Sabine Wießner stellen die Geschichte des Trios im Gemeindehaus szenisch dar. Die Amerikanerinnen hatten Armut und Elend im In- und Ausland gesehen und jeweils beschlossen, bei einem Gebetstag etwas zu erreichen, verbunden mit einer Opfergabe. Schließlich arbeiteten die Kirchen enger zusammen und stellten den Gebetstag gemeinsam auf die Beine. »Das war der Anfang. Frauen, die sich den Fragen ihrer Zeit aussetzten, glaubten, dass sich mit Gottes Hilfe das Leben der Menschen in ihrem eigenen Land und in der Welt verändert«, erläutert Elisabeth Becker-Christ, die Referentin für Frauenarbeit beim Dekanat. Nach und nach schlossen sich die Frauen anderer Länder und Kirchen an.

Deutschland ist seit 1949 dabei, mit seinerzeit bereits 135 Ländern. Karola Odenweller las den Brief einer Friedbergerin vor, der belegt, dass die Frauen in der Kreistadt sogar schon zwei Jahre zuvor anfingen. »Friedberg war somit die Keimzelle des Gebetstags in Deutschland.« Im Februar 1947 habe eine Amerikanerin einer Diakonisse aus Friedberg eine Weltgebetstags-Ordnung in die Tasche gesteckt. Dies habe dazu geführt, dass kurz darauf zehn bis zwölf Frauen den Weltgebetstag in der Wohnküche der Gemeindeschwestern begingen. »Dabei empfanden wir sehr tief das Friedensangebot dieser Amerikanerin«, heißt es in dem Brief.

Während Odenweller den Brief vorliest, liegen knapp neun Kilometer Weg hinter den Pilgerinnen. Die Gruppe um Susanne Hess nähert sich Gambach, wo es Kaffee, Kuchen und einen Gottesdienst gibt. »Man fühlt sich gut, weil man es geschafft hat. Es ist etwas anderes, sich in der freien Natur zu beschäftigen, gerade auch, weil wir uns mit der Schöpfung befasst haben«, sagt Hess.

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