02. März 2018, 07:00 Uhr

Hetze im Netz

Mit Stammtischparolen fängt es an

Der Ton im Internet wird rauer. Wie kann sich da die Kirche und auch jeder Einzelne positionieren? Das war Thema der Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Büdinger Land.
02. März 2018, 07:00 Uhr
MEZ
Menschenverachtende Kommentare sind massenhaft im Netz zu finden, doch auch direkt vor Ort: »Ist der Ali kriminell – ab nach Hause, aber schnell«: So war es auf NPD-Wahlplakaten zu lesen. Damit hat sich die Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Büdinger Land beschäftigt. (Fotos: dpa/mez)

Roh, böse und menschenverachtend: Kommentare und Äußerungen in dieser Richtung finden sich massenhaft im Internet. Doch auch gesellschaftlich wird der Ton stellenweise rauer. Wie kann sich da die Kirche und auch jeder Einzelne positionieren? Sich für ein friedliches Miteinander einsetzen? »Nächstenliebe leben – Klarheit zeigen« war daher Thema der 5. Tagung der I. Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Büdinger Land im Bürgerhaus. Politologe Matthias Blöser ging der Frage nach: »Wie gehen wir mit menschenverachtender Hetze um?« Er ist Projektreferent »Demokratie stärken« im EKHN-Zentrum »Gesellschaftliche Verantwortung«.

 

Empfehlung: Empathie

 

Er begann mit einem Blick auf regionale Wahlergebnisse, im Wahlkreis Wetterau II sei Schotten mit 15,4 Prozent AfD-Stimmen noch über dem hessischen Landesdurchschnitt (11,9 Prozent). Werden von Rechtsextremen emotionale Themen taktisch geschickt eingesetzt? Dafür sprechen NPD- Wahlplakate (»Deutsche gegen Kindesmissbrauch«, »Ist der Ali kriminell – ab nach Hause, aber schnell«). Das Ausspielen von Gruppen gegeneinander (»Familienzusammenführung ja – in den Herkunftsländern«), die Selbstdarstellung als Verfemte auf einem Poster, wo der NS-Terror gegen Juden mit einer angeblichen Unterdrückung von »Demokraten« durch »Antifa-Terror« gleichgestellt wird, zeigen ein geschlossenes Weltbild, unterteilt in ein Freund-Feind-Schema.

Blöser gab ein Beispiel für Sprachverrohung und getrübte Sicht aus einem Heilbronner Polizeibericht: Ein Aussiedler hatte drei junge Männer mit dem Messer verletzt »aus Protest gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik«. Die Opfer waren junge Flüchtlinge, Passanten, gewesen. »Messerattacken sind keine demokratische Protestform«, sagte er. 1715 Angriffe auf Asylsuchende und deren Unterkünfte im Jahr 2017 zeigten die Gefährlichkeit rechtsextremer Positionen.

»Die Haltung der Kirche ist menschenfreundlich, nicht nur neutral«, betonte Blöser und erinnerte an das Motto der evangelischen Fastenaktion 2018 »Zeig Dich! Sieben Wochen ohne Kneifen«.

Messerattacken sind keine demokratische Protestform

Politologe Matthias Blöser

Als Fundament christlicher Ethik nannte er das Anerkennen von Gleichheit und Vielfalt der menschlichen Gesellschaft, die Bewahrung des Asylrechts, das Eintreten für Hilfsbedürftige. Er betonte: »Kein plumpes Schlechtmachen, kein Skandalisieren, keine hochnäsige Abgrenzung, auch wenn Sie in alltäglichen Begegnungen ›nur‹ mit Stammtischparolen, nicht mit einem fixierten rechtsextremen Weltbild konfrontiert werden.« Vorurteilen sei mit sachlichen Informationen zu begegnen, ein Teil der dahinter stehenden Kritik etwa an Kinderarmut, an Kleinrenten sei ernst zu nehmen. Das solle kein Plädoyer für eine »Alles verstehen«-Haltung sein. Blöser empfahl Empathie: »Bauen Sie Brücken, wo Argumente noch überzeugen können, aber setzen Sie Grenzen bei Unbelehrbaren! Seien Sie authentisch, reagieren Sie schnell, aber besonnen!« Dekanin Sabine Bertram-Schäfer unterstrich diese Haltung: »Jeder Mensch ist uns gegenüber gestellt, wir suchen den Dialog!« Blöser verwies auf Argumentationshilfen der Bundesarbeitsgemeinschaft »Kirche und Rechtsextremismus«, zu finden im Internet unter www.bagkr.de. Matthias Blöser wird weitere Veranstaltungen im Dekanat zum Thema »Umgang mit menschenverachtender Hetze« begleiten.

Info

Workshops zum Thema

Eine Informationsveranstaltung zum Thema »Umgang mit menschenverachtender Hetze« wird es am Dienstag, 17. April, geben. Die Erfahrungen der Teilnehmer werden einfließen in zwei Workshops, einen am Freitag, 8., und Samstag, 9. Juni, für Pfarrerinnen und Pfarrer sowie kirchliche Mitarbeitende. Am Samstag, 16. Juni, sind Ehrenamtliche angesprochen, insbesondere aus den Kirchenvorständen, und Interessierte. (mez)

 

Schlagworte in diesem Artikel

  • Demokratie
  • Evangelische Kirche
  • Internet
  • Menschenverachtung
  • NPD
  • Politikwissenschaftler
  • Workshops
  • Nidda
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.