09. Januar 2019, 20:11 Uhr

Mit Weisheit in den Ruhestand

Hans Schmidt ist ein Heuchelheimer Urgestein. Über seinen Heimatort weiß er fast alles. Hier lebt er seit bald 82 Jahren. Mehr als vier Jahrzehnte davon war er ehrenamtlich und nebenamtlich für »seine« Kirchengemeinde tätig. Nun ist es Zeit, kürzer zu treten und die Arbeit anderen zu überlassen.
09. Januar 2019, 20:11 Uhr
Mehr Zeit für gemütliche Lesestunden im Ohrensessel hat Hans Schmidt geplant. Sein langjähriges Engagement für die Kirchengemeinde endet. Einen Festgottesdienst zum Abschied hat er sich für Mai gewünscht. (Foto: Schneider)

Der kuschelige Lieblingsohrensessel passt nur bedingt zu Hans Schmidt. Sicher, der langjährige Kirchenvorsteher und Küster der evangelischen Kirchengemeinde Heuchelheim ist passionierter Leser, liebt gute Literatur, aber auch Sachbücher, gern aus dem theologischen Bereich. Abgesehen von diesen Mußestunden bleibt dem rüstigen und umtriebigen Mann, der am 17. Mai, fast exakt zwei Monate nach seiner Ehefrau Erna Schmidt, seinen 82. Geburtstag feiern wird, immer noch relativ wenig Zeit zum Stillsitzen und Nichtstun.

Das gastfreundliche Haus der Schmidts am Heuchelheimer Viehtrieb atmet beider Aufbau- und Handarbeit und war obendrein im Jahr 1978 schon der zweite Hausbau, den Hans Schmidt in Angriff nahm. Der erste fand 1960 auf dem unweit gelegenen Grundstück seiner Eltern Wilhelm und Karoline Schmidt statt.

»Ich bin Heuchelheimer Urgestein, einer der Aborigines hier«, sagt der Mann, der 36 Jahre seines Lebens dem Kirchenvorstand und fast zwölf Jahre dem Amt des Kirchendieners in seiner Gemeinde gewidmet hat. Neben der Familie und dem eigenen Beruf. Der gelernte Autoschlosser schulte mit 18 Jahren zum Lokführer um, befuhr 42 Jahre lang die Strecken der Region sowie auch die Frankfurter S-Bahn-Gleise, nahm als Ausbilder Kollegen mit, denen die Umstellung von Dampf auf Elektrizität oder Diesel bevorstand.

Mundart auf der Kanzel

Andere mitnehmen und einbeziehen, das scheint, neben dem wichtigen Wort »aufbauen«, die Grundausrichtung von Hans Schmidts Leben zu sein. Und der Glaube. Ein wacher, lebendiger christlicher Glaube, der die Praxis, aber auch die theologische Weiterbildung sucht und sich ebenso für die Weltreligionen interessiert. Der 81-Jährige strahlt Ruhe und dankbare Zufriedenheit aus, bei aller Umtriebigkeit.

1973 wurde er in den Heuchelheimer Kirchenvorstand gewählt, dem er bis 2009 angehörte – davon etliche Jahre als Vorsitzender. Ende der 2000er Jahre übernahm er auch das Amt des Küsters. Reparaturen und Reinigungen, das Schmücken der Kirche, das Beobachten von Bauschäden innen und außen, das Läuten, oft die Begleitung der Liturgie und des Abendmahls gehörten zu seinen Aufgaben, ebenso das Amt des Lektors.

Das Fotoalbum auf dem Tisch zeigt Hans Schmidt im Jahr 2005 sogar auf der Kanzel, beim Mundartvortrag unter dem Motto »Erntedank – einst und jetzt«. Seine größte Freude aber war der von ihm liebevoll gepflegte Kirchgarten: Über Jahre hin hat Schmidt das Areal in ein Rosenparadies verwandelt, an dem Ortsfremde auf der Durchreise bewundernd stehen bleiben. Dutzende heimische Rosen blühen hier im Sommer. Bank, Tisch und Gartenhäuschen laden zum Verweilen ein.

Was wird aus all dem nach der Ära Hans Schmidt? Der engagierte Kirchendiener, seit 1. Januar 2019 offiziell nicht mehr im Amt, zuckt die Achseln. »Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Da geht es uns wie den Reichelsheimern«, sagt Hans Schmidt. Heuchelheim und Reichelsheim wachsen zusammen, sind seit Jahresbeginn eine Kirchengemeinde.

Die große Innenrenovierung der Heuchelheimer Kirche steht ab dem Frühjahr bevor. Hans Schmidt wird sie nicht mehr so begleiten können wie gewohnt. Er schmunzelt. »An dieser Stelle halte ich es mit dem berühmten Gelassenheitsgebet: ›Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.‹ «

Den Abschiedsgottesdienst hat sich der langjährige Kirchenmann Hans Schmidt für die Zeit gewünscht, wenn die ersten Rosenblüten hervorlugen. Geplant ist er für Sonntag, 19. Mai. Wegen der dann wohl laufenden Arbeiten in der Kirche wird er im und um den neuen Heuchelheimer Dorftreff gleich gegenüber »seiner« Kirche gefeiert.

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