09. Juni 2017, 14:00 Uhr

Polizei

Mit der harten Nummer zum SEK

Wer sich übergeben muss, soll das bitte draußen tun, sagt Corina Weisbrod, als es an die »härteste Nummer« geht. Fitnesstest bei der Bereitschaftspolizei, junge Wetterauer sind dabei.
09. Juni 2017, 14:00 Uhr
Anstrengung pur beim Achterlauf. Angesichts ihrer möglichen Zukunft bei der Polizei dürfen die Gesichter der Praktikanten nicht zu erkennen sein. (Foto: agl)

Jede Menge Pokale glänzen in der Vitrine – vom Fußball, vom Triathlon, vom Ju-Jutsu. Schweißgebadete Männer kommen aus der Turnhalle, noch nicht geschwitzte Jugendliche gehen hinein. Sie kommen überwiegend aus der Wetterau, und sie wollen später zur Polizei. Zwei Wochen lang schnuppern sie hinein in einen Job, von dem man sagt, dass er immer härter wird. Kein Respekt mehr vor den Uniformierten, immer mehr Einsatzgebiete, Terrorgefahr, zu wenig Personal – all das geistert durch die Republik. Und dann gibt’s Leute wie Fabian, der das Friedberger Burggymnasium besucht und später mal zum SEK, zum Spezialeinsatzkommando, möchte. Dort gebe es nicht so viele Einsätze wie auf Streife, sagt er, aber »wenn, dann geht’s richtig ab«.

Oder Leute wie Melissa. Auch sie ist Schülerin des Burggymnasiums und möchte zur Polizei. Sie will wissen, ob es dort wirklich so ist wie im Krimi. »Ich mag es, Fälle zu lösen«, sagt die 18-Jährige. Und: »Ich wäre auch bereit, eine Leiche zu sehen.« Wie sieht es mit dem Respekt vorm Schießen aus? »Den hab ich auf jeden Fall.« Die 17-jährige Hannah, ebenfalls vom Burggymnasium, ist sich noch nicht sicher, ob sie zur Polizei gehen will. Der Arbeit bei der Bereitschaftspolizei kann sie einiges abgewinnen, ein Problem hätte sie aber, mit Familien von Opfern zu tun zu haben.

An diesem Freitag geht es in der Sporthalle der Bereitschaftspolizei in Lich aber erstmal weniger ums Emotionale, sondern um die Fitness. Denn die wird schließlich auf den Prüfstand gestellt, wenn man sich für den Polizistenberuf entscheidet. Corina Weisbrod, die neue Einstellungsberaterin der Wetterauer Polizei, gibt zudem Tipps für das Einzelgespräch, das neben dem Fitness- und dem Intelligenztest, dem medizinischen Check sowie dem Gruppengespräch zum zweitägigen Einstellungstest gehört. Nicht zu schüchtern sein, rät sie, schließlich sei »Sprache unser schärfstes Schwert«.

Jetzt geht es aber erstmal weniger ums Sprechen als um Bizeps und Beinmuskulatur. Die »härteste Nummer«, der Achterlauf, kommt gleich zu Anfang. Wenn man alle anderen Tests streichen würde, diesen einen dürfe man nicht streichen, sagt Weisbrod. Kraft, Ausdauer, Koordination – all das werde hierbei gebraucht. »Man sieht, wer sich durchbeißen kann.«

Luca beißt sich durch. In einer Minute und einer Sekunde schafft er die fünf Runden, in denen er immer wieder eine Strecke wie eine Acht rennt und unter einem Hindernis hindurchgleiten muss. Er ist fix und alle, aber nur fürs Erste. Beim Bankdrücken ist er wieder spitze, insgesamt gibt’s bei der Gruppe in dieser Disziplin aber noch Luft nach oben. Die jungen Männer müssen eine 30-Kilo-Hantel stemmen, die jungen Frauen 20 Kilo. Außerdem stehen beim Test in Lich ein Fünfer-Sprunglauf und ein Wendelauf auf dem Programm.

Zwischenzeitlich kommen weitere Sportler in die Halle, bauen Geräte auf, schalten Musik an. Kurt Cobain singt »Come as you are, as you were, as I want you to be«. Komm wie du bist und wie ich dich haben will. Die Polizei will, dass fitte Leute kommen, Menschen, die gesund sind und Einsatz zeigen. Was diese fitten Menschen dann alles tun können, davon bekommen die Mädchen und Jungs im zweiwöchigen Praktikum einiges mit. Autobahnpolizei in Butzbach, Erkennungsdienst, Hundeführer, Rauschgiftdezernat und der Einblick in den Schichtdienst.

Warum sollten junge Menschen zur Polizei gehen? Weil es ein wichtiger und ein abwechslungsreicher Beruf sei, »der unsere Demokratie schützt«, sagt Weisbrod. Aber will man sich das antun, wo Polizisten doch so oft angefeindet werden? Moritz aus Nidda, der den Achterlauf ebenfalls in exakt einer Minute und einer Sekunde geschafft hat, sagt, dass Demonstranten meistens keinen Respekt vor Polizisten hätten. Aber Respekt erarbeitet man sich, indem man sich durchbeißt.

Info

Wie wird man Polizist?

In Hessen wurden im vergangenen Jahr 896 Studienplätze bei der Polizei vergeben, in diesem Jahr sind es 1155. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bei den Studieneinsteigern lag in den Jahren 2009 bis 2016 im Schnitt bei 16 Prozent. Wer zur Polizei möchte, muss mindestens 1,60 Meter groß und darf höchstens 32 Jahre alt sein (eine Ausnahme gilt für Zeitsoldaten mit zwölfjähriger Verpflichtung). Man darf nicht gerichtlich vorbestraft sein, und man muss geordnete wirtschaftliche Verhältnisse haben. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist nach Angaben von Corina Weisbrod, Einstellungsberaterin der Wetterauer Polizei, nicht erforderlich. Für EU-Bürger gelten die gleichen Voraussetzungen. Bewerber, die nicht aus der EU kommen, müssen mindestens fünf Jahre in Deutschland leben, die Heimatsprache sprechen können und eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung besitzen. Teamfähigkeit ist grundsätzlich sehr wichtig. Das Studium dauert drei Jahre. Theoretische und praktische Anteile wechseln sich ab. Vom ersten Semester an wird man bezahlt. Es gibt einen Studiengang für die Kriminal- und einen für die Schutzpolizei. Beide Studiengänge unterscheiden sich lediglich in den Modulen Verkehrsrecht und -lehre für die Schutzpolizei und Kriminalistik und Kriminologie für die Kripo. Unter anderem Strafrecht, Prozess- und Verwaltungsrecht, Psychologie, Soziologie, Einsatzlehre, eine Fremdsprache, Sport und öffentliches Dienstrecht stehen auf dem Theorie-Plan. Der Praxisteil umfasst zum Beispiel Festnahme- und Durchsuchungstechniken, den Umgang mit Einsatzmitteln und Spurensicherung. Nach einer Verbeamtung auf Widerruf im Rahmen des Studiums wird man Beamter auf Probe und zwei Jahre nach Abschluss des Studiums Lebzeitbeamter. Davon wird abgesehen, wenn zwischenzeitlich Gründe vorliegen, die eine Lebzeitverbeamtung verhindern – etwa ein Strafverfahren oder die Einschränkung der Polizeidiensttauglichkeit. Weisbrod: »Allgemein ist anzufügen, dass der Anteil an Frauen in der Vollzugspolizei mit Beginn dieses Jahres bei etwa 23,5 Prozent lag. Bei den Neueinstellungen lag der Anteil 2016 bei 32 Prozent. Das Interesse an unserem Beruf ist erfreulich hoch, sodass die hohen Einstellungszahlen 2017 auch gedeckt werden konnten.« (agl) 8Infos zum Studium bei der Polizei unter www.polizei.hessen.de/Karriere oder www.facebook.com/polizeihessenkarriere.

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