29. April 2019, 21:51 Uhr

Musik aus einer neuen Welt

29. April 2019, 21:51 Uhr
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Von Hanna von Prosch
Etliche Jugendliche aus dem Wetteraukreis spielen im Landesjugendsinfonieorchester (LJSO) Hessen. Gastdirigenten Florian Erdl spornt sie zu Höchstleistungen an. (Fotos: hms)

Zum sechsten Mal folgte das Landesjugendsinfonieorchester (LJSO) Hessen, diesmal unter der Leitung von Florian Erdl, dem Ruf des Rotary Clubs Bad Nauheim-Friedberg und erntete wiederum höchste Anerkennung und gewaltigen Applaus. Solist beim Benefizkonzert in der Dankeskirche war der 1996 in Ankara geborene und bereits vielfach ausgezeichnete Percussionist Elman Mecid. Die Werke entstanden alle um die Wende zum 20. Jahrhundert und sind von internationalen Erfahrungen ihrer Komponisten geprägt.

Hätte man nicht die Jugendlichen – etliche auch aus dem Wetteraukreis – direkt vor Augen gehabt, man könnte glauben, ein renommiertes Spitzenorchester zu erleben. So ausdrucksstark waren sie in ihren musikalischen Persönlichkeiten, so sauber und selbstbewusst im Spiel, so präzise und voller Freude an ihren Instrumenten. Ihren jungen Gastdirigenten Florian Erdl, der seit 2017 als musikalischer Assistent an der Frankfurter Oper begeistert, schätzen die Jugendlichen offenbar sehr, denn sie holten ihn stampfend wieder und wieder auf die Bühne zurück. Erdl schien das Orchester buchstäblich auf Händen zu tragen: Er zauberte mit klaren Angaben Kraft und Geschmeidigkeit, ungestümen Drang und Empfindsamkeit in den jungen Klangkörper.

25 Minuten auswendig

Ob sich in den Streichern ein Grollen entwickelte oder sie in den höchsten Lagen zirpten, ob sich wogende Klangwellen aufbauten oder die Bläser zärtlich tupften, jede Instrumentengruppe nahm im dynamischen Auf und Ab die Impulse auf. Nach einem kurzweiligen Poetry Slam über Musik, begann eine Bläsergruppe mit den Fanfaren aus Claude Debussys Oratorium »Le martyre de St. Sébastian«. Hierbei konnte man die ausgezeichnete Akustik der Dankeskirche genießen, die jeden Ton zum funkelnden Diamanten werden ließ. Skizzen und Ideen steckten hinter Igor Strawinkys »Sinfonie d’instruments a vent«, rhythmisch und harmonisch nicht leicht zu spielen und zu verstehen. Eine kleine Fanfare von Maurice Ravel folgte im zweiten Teil. Höhepunkt des in der Oster-Probenphase einstudierten Programms war das Konzert für Marimba, Vibraphon und Orchester op. 278 von Darius Milhaud. Nicht nur, dass das Schlagwerk, virtuos beherrscht von Elman Mecid, in Fingerfertigkeit und Klangvielfalt faszinierte, auch das Zusammenspiel war ein schillerndes Feuerwerk von Tutti, Orchestersoli und dem Solisten. Mecid machte einen lockeren, entspannten Eindruck, spielte aber voller Perfektion und Ausdruckskraft 25 Minuten Notenmaterial auswendig.

Für Jimbala und Wagner-Haus

Er jonglierte die unterschiedlichen Schlägel in seinen Händen pianissimo über die Holzstäbe des warm und weich klingenden Marimbaphons, ließ die metallenen Plättchen des Vibraphons verführerisch hell erklingen, atmete mit der Musik, schmeichelte, pointierte. Dieses Werk, das Milhaud später zu einem Klavierkonzert umschrieb, lebte vom exotischen Kontrast und permanenten Dialog.

Einen grandiosen Schlusspunkt setzte Antonin Dvoráks Serenade E-Dur für 22 Streicher. Der Komponist selbst soll sich dabei als stiller Genießer gefühlt haben, weil, bei ihm nicht selbstverständlich, 1876 »alles gerade so gut lief«. In den fünf Sätzen skizzierte das Orchester frisch die neuen musikalischen Charaktere, die allerdings Dvoráks 20 Jahre später komponierte »Neue Welt« noch nicht erreichten. Nach lyrischen, tänzerischen, lebhaften Melodien nahm das Werk ein ungestümes, fulminantes Ende. Die Zugabe folgte mit dem an Tempo berauschenden Slawischen Tanz Nr. 8.

Benefizzweck des Konzerts war die Unterstützung der Kinderfarm Jimbala und des Karl-Wagner-Hauses in Friedberg.



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