21. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Nach Mord auf Reiterhof

Nach Tod der Besitzerin: Neue Kräfte auf Pferdehof

Der Reiterhof »Am Buchwald« am Rande von Büdesheim war nach dem Mord an Bianca H. in die Schlagzeilen geraten. In wenigen Tagen wird er seinen Betrieb wiederaufnehmen.
21. Oktober 2019, 14:00 Uhr
Blick nach vorne: der neue Eigentümer des Buchwaldhofs, Günther Heuschkel (r.), mit seinen beiden Miteigentümern Marco Germey und Achim Rosenberger sowie mit Tochter Nina, der neuen Betriebsleiterin Susan Habich und »Stallfee« Bettina Gasteier. (Foto: jwn)

Weitgehend vergessen sind die Tage, in denen die Polizei auf dem Reiterhofgelände ein- und ausging - nach dem grausamen Tötungsdelikt im Frühjahr vergangenen Jahres, bei dem die damalige Besitzerin Bianca H. einen tragischen Tod fand. »Ich werde hin und wieder noch darauf angesprochen, zumal ich kurzzeitig ja sogar als Täter selbst in Verdacht stand«, erinnert sich Günther Heuschkel, der zusammen mit zwei seiner Angestellten vor wenigen Monaten den Hof gekauft hat. Seither herrscht rege Betriebsamkeit auf dem Gelände. »Erst wollte ich aus dem Anwesen nur irgendetwas Schönes machen«, berichtet Heuschkel.

Das war vor dem Kauf. Den Reiterhof hatte er nämlich bereits acht Jahre zuvor kennengelernt, als er für die frühere Besitzerin Reparaturarbeiten am Haus durchführen sollte. »Als ich damals auf dem Dachboden stand und über die Felder und Weiden guckte, da habe ich mich in die Gegend richtig verliebt«, gesteht der 60-jährige Unternehmer, der im Laufe seines Lebens aus einem Handwerksbetrieb bereits ein kleines Bauunternehmen und eine Gartenbaufirma geformt hat und sich nun noch einmal einer neuen Herausforderung stellen will.

Schnell überzeugt

Ein Wochenendhaus für sich und seine Familie sowie eine Zweigstelle seiner Gartenbaufirma - so seine ersten Überlegungen. Doch seine Tochter Nina Commendatore hatte eine andere Idee. Obwohl er selbst nicht reiten kann und mit Pferden bisher auch noch nichts zu tun hatte, überzeugte sie ihn schnell, dass ein Reiterhof viel besser in die Umgebung passen würde als ein Handwerksbetrieb. Außerdem war ein Reitbetrieb etwas ganz anderes und somit eine neue Herausforderung für ihn. Seine beiden Mitarbeiter Achim Rosenberger (60) und Marco Germey (44), die beim Sanieren und Renovieren mit anfassten, fingen bald Feuer und stiegen in das Unternehmen »Reiterhof« mit ein.

Komplettiert wird das Team - »eigentlich sind wir eine große Familie«, meint Heuschke - von der neuen Betriebsleiterin Susan Habich und den beiden »Stallfeen«, wie sie sich selbst nennen, Bettina Gasteier und Gitta Hens. Zusammen erstellten sie das neue Konzept. »Es sollte kein Reiterhof im ursprünglichen Sinne werden, also kein Turnierstall, bei dem die Menschen nur für eine Stunde zum Reiten kommen und dann wieder gehen. Sondern bei uns sollen die Kinder und Erwachsenen lernen, dass Pferde Lebewesen und keine Sportgeräte sind«, verrät Habich ihr gemeinsam erarbeitetes Betriebskonzept.

Wie auf einem Bauernhof

Dafür müssten ihre Gäste ihren Besuch für länger als eine Stunde einplanen. Denn sie sollen den richtigen Umgang mit Pferden lernen, sollen sie putzen, pflegen, umherführen und natürlich auch reiten. Dabei richtet sich das Angebot an die ganze Familie. »Wir nehmen sogar schon Kinder ab zwei Jahren auf. Die können natürlich noch nicht selbstständig reiten, aber wir setzen sie auf ein Pony und gewöhnen sie so langsam aneinander«, erklärt Nina Commendatore, selbst Mutter eines kleinen Mädchens. Über 15 bis 20 eigene Pferde und Ponys soll der Hof einmal verfügen können.

Hinzu kommen Schafe, Schweine, Kaninchen und Esel. »Halt wie auf einem echten Bauernhof«, ergänzt Habich, die mit Pferden aufgewachsen ist und nebenbei auch Reitstunden geben wird. Auch wenn sich der Hof in den vergangenen Wochen aufgrund der bereits geleisteten Arbeit weitgehend verändert hat - »ich habe in den letzten Monaten oftmals 105 Stunden in der Woche und mehr gearbeitet«, sagt Heuschke -, so ist noch nicht alles so, wie er es sich vorstellt. »Wir haben am Anfang erst mal tagelang ausmisten müssen. Dann haben wir Strom- und Wasserleitungen neu verlegt und die Pferdeboxen artgerecht umgebaut«, pflichtet Germey bei.

Aus 60 Boxen wurden so 45, 20 davon zur Miete. Neu sind auch eine beheizbare Sattelkammer und eine Futterkammer sowie ein Putzplatz mit Pferdesolarium. Auch an den übrigen Gebäuden wurde Hand angelegt. So entstanden ein neues Reiterstübchen zum kurzfristigen Aufenthalt nach dem Reiten und ein größerer Raum, in dem Feste, etwa Kindergeburtstage, gefeiert werden können.

Im November geht’s los

Der Büdesheimer Reiterhof Buchwald wird seine Reitschule für Jung und Alt im November eröffnen. Zwischen 15 und 20 Pferde, darunter befinden sich auch einige Ponys, stehen dann zum Reiten oder Reitenlernen bereit. Da jede Reitstunde individuell nach Können und Zeitdauer festgelegt wird, werden auch unterschiedlich Preise dafür erhoben. Auskünfte darüber können telefonisch erfragt werden unter der Rufnummer 01 76/42 73 14 78. Ausgebucht hingegen sind die 20 Boxen zum Einstellen von Pferden anderer Besitzer. Sie sind bereits alle vermietet.

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