21. November 2017, 17:42 Uhr

Gericht

Nach Tod von Ehepaar: Wetterauer Unfallfahrer verurteilt

Ein Ehepaar stirbt auf einer Bundesstraße in der Wetterau. Das Auto eines 33-Jährigen hatte den Roller des Ehepaars gerammt. Nun wurde der Unfallverursacher, der zunächst geflüchtet war, verurteilt.
21. November 2017, 17:42 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Das Büdinger Schöffengericht hat einen 33-jährigen Drogenabhängigen aus Echzell zu vier Jahren Haft verurteilt, weil dieser im Juni dieses Jahres auf der B 455 in der Nähe von Bad Salzhausen einen Verkehrsunfall verursacht hat, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen waren.

Der Angeklagte war nach einem Besuch im Baumarkt wieder zurück auf dem Weg nach Echzell, als ihm in einer langgezogenen Linkskurve auf der B 455 der Motorroller mit einem Ehepaar aus Dorheim entgegenkam. Das Ehepaar – er 79 Jahre alt, sie 78 Jahre alt – hatte Erdbeeren gepflückt und war ebenfalls auf dem Weg nach Hause. Aufgrund zu hoher Geschwindigkeit, wie der Kfz-Sachverständigengutachter Roeder aufgrund der Reifenspuren herausfand, fuhr der Angeklagte auf die Gegenfahrbahn und stieß mit dem Ehepaar zusammen. Während die Eheleute auf dem Roller durch den Aufprall sofort getötet wurden, erlitt der Angeklagte nur leichtere Verletzungen.

Unmittelbar nach dem Zusammenstoß sei der Angeklagte ausgestiegen und zu dem 79-jährigen Rollerfahrer geeilt, um Erste Hilfe zu leisten. Doch der Rentner war bereits seinen Verletzungen erlegen. Das müsse der Angeklagte, der auch an diesem Vormittag Drogen konsumiert hatte, sofort registriert haben, hieß es. Denn nach Zeugenaussagen sei er ziellos umhergeirrt und habe erst als das Martinshorn des Rettungswagen ertönte die Flucht in den Wald ergriffen.

Der Angeklagte beruft sich auf Erinnerungslücken. Er könne sich an gar nichts mehr erinnern, weder an den Unfall selber, noch an den späteren Fluchtversuch. Er könne sich den Unfall nur als Folge eines kurzfristigen Sekundenschlafs erklären. Das käme einer körperlichen Beeinträchtigung und damit einer Schuldminderung oder sogar einem Schuldausschluss gleich.
Deshalb lehnte die Staatsanwältin Link diese Erklärung ab, zumal auch die medizinischen Sachverständigen dies nicht für plausibel hielten. Den eindeutig nachgewiesenen Hang des Angeklagten zu den Drogen klammerten die Sachverständigen wie dann auch die Staatsanwaltschaft als Unfallursache aus. Denn der Angeklagte fühle sich nach eigenen Aussagen unter Drogen »als normal und nicht irgendwie aufgeputscht«.

Anders bei der Unfallflucht. In diesem Fall können die Drogen zu einem Schock führen und zu einer Impulshandlung. In diesem Fall sei seine Steuerungsfähigkeit stark eingeschränkt. Die Staatsanwältin forderte deshalb eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten sowie die sofortige Einweisung in einer Entziehungsklinik.

Auch die Verteidigung ging von fahrlässiger Tötung aus, die der Angeklagte vollumfänglich zu verantworten habe. Auch bei der Fahrerflucht kam sie zu demselben Resultat wie die Staatsanwaltschaft. Jedoch bat der Verteidiger das Gericht um Milde, weil der Angeklagte mit 13 Jahren ein traumatisches Erlebnis hatte. Die Verteidigung befürworte deshalb die Einweisung in eine Entziehungsklinik. Dem folgte dann auch das Gericht, wobei es den von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafrahmen noch erhöhte und vier Jahre Haft verordnete. »Eine derartige Drogenabhängigkeit ist nicht in zwei oder drei Jahren kuriert. Und deshalb soll die Zeit nicht nur Strafe sein, sondern auch seiner Resozialisierung dienen«, so die Richterin Lachmann abschließend.

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