12. Juli 2019, 20:26 Uhr

Nach vier Jahren alles verändert

12. Juli 2019, 20:26 Uhr
2015 ist die Fläche bei Rodheim noch kahl gewesen. Damals gab es viel Hilfe beim Bepflanzen. (Fotos: pm)

-Rodheim (pm). 2015 schaute man über eine kahle Fläche, einen Hektar groß, quasi eine »Wunde« im Wald zwischen Rodheim und Okarben. Windwurf hatte die Bäume gestürzt, in den Lücken hatten sich Brombeeren, Holunder, Birken, Weißdorn angesiedelt. Waldschädlinge wie der Borkenkäfer hatten das Totholz besiedelt. Doch es gibt den Verein Trinkwasserwald, dessen Projektleiter Heiko Müller mit der Ovag als regionalem Wasserversorger einen geeigneten Sponsoring-Partner fand, um das Areal zu einem »Trinkwasserwald« zu machen.

»Trinkwasser pflanzen« - das klingt aufs erste abstrus, aber ein wissenschaftlich gesichertes und in der forstlichen Praxis erprobtes Konzept steht dahinter, wie die Ovag in einer Pressemitteilung berichtet. 1995 wurde der gemeinnützige Umweltschutzverein Trinkwasserwald gegründet. Er fördert deutschlandweit den standortgerechten Waldbau und gewinnt Ehrenamtliche für die Pflanzarbeiten. Ziel ist es, hochwertiges Trinkwasser zu generieren. Regenwasser verdunstet im Wald mit seiner hohen Oberfläche wesentlich langsamer als im Offenland oder gar auf versiegelten Bereichen, dadurch wird die Luft befeuchtet. Verrottendes Laub bringt jedes Jahr neue Biomasse in den Boden ein. Hier wird das Regenwasser gefiltert, sickert in guter Qualität in das Grundwasser, reichert damit auch die Brunnen an, aus denen der notwendige Wasserbedarf entnommen wird.

Trinkwasserwald weist auf eine forstwissenschaftlich gesicherte Erkenntnis hin: Pro Hektar Laubwald würden im Bundesdurchschnitt jährlich etwa 800 000 Liter sauberes Wasser mehr generiert, als dies unter Nadelwäldern der Fall sei. Über 2200 Hektar habe der Verein bereits neu angebaut, immer in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen und Revierförstern. »Die Förster pflegen die Fläche später, pflanzen teilweise nach oder mähen Gras und Konkurrenzpflanzen zwischen den Setzlingen ab«, berichtet Müller.

Für die Fläche bei Rodheim waren 4000 Laubbaumsetzlinge gekauft worden. Die Vorarbeit lief in enger Absprache mit Revierförster Helmut Link; der hatte dafür gesorgt, dass die Fläche von Konkurrenzpflanzen geräumt, die Baumstümpfe entfernt waren. Er hatte bei der Wahl des Pflanzgutes beraten und dieses organisiert. Ein Mischwald aus Buchen und Eichen sollte hier entstehen, dazwischen Elsbeere, Wildkirsche und Eibe. 2015 trafen sich rund 200 Freiwillige von der Familie mit Kleinkindern bis hin zum Senior, um die Setzlinge in die Erde zu bringen.

Fast vier Jahre später steht Heiko Müller an dem umzäunten Areal. »Es ist schön zu sehen, wie die Fläche sich über die Jahre entwickelt hat. Zu den Bäumen hätte ich fast gesagt: ›Mensch, seid Ihr groß geworden!‹ - wie bei Kindern, die man einige Jahre nicht gesehen hat«, sagt er lachend. Ein Zaun schützt die Bäumchen vor Wild, das die jungen Knospen sonst fressen würde. Man sieht, dass manche Bäume schneller wachsen als andere, um diese zu beschatten und zu beschützen. Rund 60 Prozent der Erstbepflanzung sind angegangen, weitere Setzlinge wurden nachgepflanzt.

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