04. November 2019, 08:00 Uhr

Ärger mit Handwerkerhotel

Nachbarn geben Alarm: Auf Feierabend folgen Krach und Randale

Die Baubranche boomt. Viele Bauarbeiter kommen aus Südosteuropa hierher. Für die nachbarn heißt das Lärm bis tief in die Nacht, schildern Anwohner der Fauerbacher Hauptstraße.
04. November 2019, 08:00 Uhr
Tagsüber friedlich, nachts geht’s hier hoch her: Das Handwerkerhotel mit Parkplatz; links oben die angezapfte Satellitenschüssel. (Foto: Nici Merz)

Es war eine dieser zuletzt typischen Sommernächte. Brütend heiß, »um die 30 Grad«, sagt Stefan Kohlmeier. Bei solchen Temperaturen kippt man vorm Schlafengehen das Fenster, wenn man es nicht weit aufreißt, weil es kaum zum Aushalten ist. Wohnt man in der Fauerbacher Hauptstraße, kurz vorm Ortsausgang an der Stichstraße zur Kläranlage, kommt ein weiteres Problem hinzu. Und das hat nichts mit Geruchsbelästigung zu tun. In einem Handwerkerhotel steppt in Sommernächten der Bär. Die Musik wird laut aufgedreht, es fliegen schon mal Biergläser oder Plastikstühle durch die Luft.

»Die meisten Bewohner kommen aus Südosteuropa«, schildert Kohlmeier. »Slowenen, Kroaten, Bulgaren, Rumänen.« In jener heißen Sommernacht waren es Spanier. Sieben Männer, die auf der Garage des Nachbarhauses saßen, Alkohol tranken und sich lautstark auf Spanisch und Englisch unterhielten. Um halb Eins reichte es Kohlmeier. Als er die Männer durchs Badezimmerfenster aufforderte, Ruhe zu geben, brüllten die Spanier ihn an, beschimpften ihn und ließen ihren Drohungen Taten folgen.

Aschenbecher fliegt gegen Wand

»Die waren rotzbesoffen, fingen an zu randalieren.« Einer überlegte offenbar, ob er von der Garage ins Badfenster springen kann; die Nachbarhäuser liegen wenige Meter auseinander. Erst seien Campingstühle geflogen, dann Wackersteine und schließlich ein gefüllter Aschenbecher aus Glas, der unterhalb des Badfensters gegen die Steinverkleidung krachte. Die Spuren sind heute noch an der Fassade zu sehen. Bis sonntagmorgens um 10 Uhr hätten die Männer Krach gemacht. Auch ein zwischenzeitlicher Besuch einer Polizeistreife konnte das nicht verhindern. Kohlmeier hat Anzeige wegen versuchter Körperverletzung und Sachbeschädigung gestellt.

Das eigentliche Problem, sagt der Friedberger, seien nicht die Handwerker, die sich für kurze Zeit im Nachbarhaus einmieten und sich fern von Zuhause nicht zu benehmen wissen. Das Problem sei der Vermieter. »Der soll sein Geschäft richtig betreiben«, sagt Nachbarin Sabrina Kunz. »Das geht seit acht Jahren so. Aber 2019 hat den Vogel abgeschossen. Es wird immer lauter und immer schlimmer.« Der Vermieter, der in der Nähe von Frankfurt wohnt und weitere solcher Pensionen betreiben soll, kümmere sich nicht darum. Benachrichtige man ihn, wimmele er einen ab. Es gebe keine Kontrolle im Haus, keinen Hausmeister oder Verwalter.

Zig Mal die Polizei herbeigerufen

»Die Polizei war dutzende Mal da«, sagen Kohlmeier und seine Partnerin Lilli Bub. Grölende Handwerker, die im volltrunkenen Zustand mit Müll oder Essensresten um sich werfen, Schreie, laute Musik und Schlägereien seien im Sommer an der Tagesordnung. Hinter der Pension befindet sich ein kleiner Kinderspielplatz. Auf der Bank davor säßen oft betrunkene Männer.

Kohlmeier fragt sich, ob der bauliche Zustand des Nachbarhauses genehmigt ist: Darf das Garagendach als Terrasse genutzt werden? Darf dort direkt neben einem Nadelbaum gegrillt werden? Ist das schräge Terrassendach genehmigt? Es wirkt wie ein Trichter, leitet den Lärm direkt zum Nachbarhaus. Dass einer der Handwerker Kohlmeiers TV-Antenne angezapft hat, stört diesen weniger. »Dann gucken die wenigstens Fernsehen und randalieren nicht.« Einmal richtete ein Bewohner ein Fitnessstudio in seinem Zimmer ein. Bei offenem Fenster fielen andauernd Gewichte krachend zu Boden, was furchtbare Schläge verursacht habe. Und dies spätabends, wenn andere Leute schlafen wollen. »Der Vermieter führt sein Geschäft grob fahrlässig, er schädigt die Nachbarschaft«, sagt Kohlmeier. Mehrfach habe er ihn auf die Probleme aufmerksam gemacht. Ohne Erfolg. »Der sagt zu einem ›Dann verkauf doch dein Haus!‹, ›Halt’s Maul«‹ oder beschimpft einen als ›Nazi-Schwein‹«, schildert Kohlmeier.

Kunz hat bei den Nachbarn Unterschriften gesammelt. Mehrfach habe man Polizei und Ordnungsamt verständigt, ohne dass sich etwas ändere. Kommen neuen Handwerker, gehe das Spiel von vorne los. Ein Rechtsanwalt habe von Klagen abgeraten, das laufe nur ins Leere. Die Nachbarn sind ratlos und wütend. »Der Ärger geht an die Substanz«, sagen sie. Die Unterschriften wollen sie dem Ortsvorsteher übergeben. Die Politik soll sich der Sache annehmen. »Die Öffentlichkeit soll wissen, was hier abgeht.«

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