14. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Studie

Neubaugebiet auf Friedhoferweiterungsfläche rechnet sich

Der Magistrat ist dagegen, der Ortsbeirat und viele Nieder-Mörlener sind dagegen. Bleibt die politische Mehrheit, die eine Bebauung des Friedhoferweiterungsgeländes wünscht, trotzdem bei ihrer Ansicht?
14. Oktober 2019, 05:00 Uhr
Im Hempler-Neubaugebiet (Bild) in Nieder-Mörlen entstehen ausschließlich Einfamilienhäuser, wobei noch rund 20 Grundstücke unbebaut sind. In direkter Nachbarschaft, auf der Friedhoferweiterungsfläche, wird in einer Studie die Errichtung von zehn Einfamiliengebäuden und acht Mehrfamilienhäusern mit relativ günstigen Mietwohnungen vorgeschlagen. (Foto: Nici Merz)

Vor etwa einem Jahr hat die Diskussion über eine Bebauung der Friedhoferweiterungsfläche in Nieder-Mörlen durch einen CDU-Antrag konkrete Züge angenommen. Bürgermeister Klaus Kreß wandte sich von Anfang an gegen die Pläne, dort unter anderem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. »Hören Sie auf, jede grüne Fläche mit mehrgeschossigem Wohnungsbau vollzuballern«, lautete sein Appell an die Parlamentarierer. Weiteres Argument: Das Areal sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht geeignet, um dort günstige Mietwohnungen zu errichten. Dort habe einst eine Bauschuttdeponie existiert, zudem müsse ein Mischwasserkanal verlegt werden, lautete die Ende Oktober 2018 im Stadtparlament vorgetragene Begründung. Aus den Reihen der CDU war dem Bürgermeister damals vorgeworfen worden, immer »irgendwelche unterirdischen Argumente« aus dem Hut zu zaubern, wenn er gegen ein Bauprojekt sei. Kreß wies diese Kritik entschieden zurück.

Tatsächlich lag der Rathauschef mit seiner Aussage der fehlenden Wirtschaftlichkeit im Fall von Nieder-Mörlen allerdings daneben. Wie aus der jetzt von der Stadtverwaltung selbst erarbeiteten Machbarkeitsstudie hervorgeht, lässt sich auf dem Areal nördlich des Friedhofs durchaus bezahlbarer Wohnraum schaffen, selbst wenn die Stadt die Grundstücke für Mehrfamilienhäuser subventioniert und für nur 200 Euro an die Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) abgibt. Der Mischwasserkanal muss nämlich gar nicht verlegt werden, während die Bauschuttbeseitigung mit Kosten von 500 000 Euro veranschlagt wird. Würde sich die Parlamentsmehrheit für die von der Verwaltung favorisierte Variante 2 mit zehn Einfamilienhäusern und 45 Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern mit zwei Etagen (plus Staffelgeschoss) entscheiden, könnte die Stadt durch den Grundstücksverkauf unter dem Strich ein Plus von 1,6 Millionen Euro machen.

BI sammelt über 1000 Unterschriften

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, lasse sich die Entwicklung des Neubaugebiets vermutlich nicht in absehbarer Zeit bewerkstelligen, weil die Wobau mit anderen Projekten derzeit ausgelastet sei. »Darüber hinaus sind nicht zuletzt die ökologischen Auswirkungen durch den Wegfall der innerstädtischen Grünfläche (zum Beispiel auf das Mikroklima) abzuwägen«, heißt es in dem Papier.

Hier setzt auch die Kritik der vor einiger Zeit gegründeten Bürgerinitiative an, die sich gegen die Bebauung wendet. Die BI, der in erster Linie direkte Nachbarn des potenziellen neuen Wohngebiets angehören, spricht von einem »Friedhofspark« mit vielen alten Bäumen und Tieren, der verloren gehen würde. »Die Bebauung würde die letzte Oase in Nieder-Mörlen zerstören, ein Gebiet für Alte, Familien und Kinder«, heißt es in einem Schreiben der BI an alle Stadtverordneten, das kurz vor der entscheidenden Bauausschusssitzung (17. Oktober, 19.30 Uhr, Rathaus-Dachgeschoss) verschickt wurde. BI-Sprecherin Anne Schneider hat den Eindruck, dass sich 80 bis 90 Prozent der Nieder-Mörlener gegen die Bebauung wenden.

UWG und FDP lehnen Pläne ab

»Wir haben deutlich über 1000 Unterschriften gesammelt und werden mit vielen Leuten zur Sitzung erscheinen«, sagt Schneider. Es dürften nicht ständig neue Baugebiete entwickelt werden. Gerade sei in diesem Teil Nieder-Mörlens die Hempler-Bebauung im Gange. Nach wie vor seien dort 20 Grundstücke unbebaut. »So langsam reicht es«, betont die BI-Sprecherin. Bei einem weiteren Wachstum des Stadtteils befürchtet sie eine Überlastung von Kindergärten und der Grundschule, die ohnehin ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hätten. Zudem werde die Verkehrsbelastung von Nieder-Mörlen zunehmen, auch in Sachen Parkraum sei mit einer Verschlechterung des Ist-Zustandes zu rechnen.

Bleibt abzuwarten, wie CDU, SPD und Grüne, die sich mit ihrer knappen Mehrheit von 25 der 45 Sitze im Parlament für eine Prüfung der Bebauung ausgesprochen hatten, auf den Druck von vielen Seiten reagieren werden. Diese drei Fraktionen sprechen sich seit Langem dafür aus, in Bad Nauheim mit seinen ständig steigenden Mieten mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. UWG und FDP hatten gegen die Machbarkeitsstudie votiert.

Zwei Varianten vorgestellt

Schon lange vor der Erschließung des Hempler-Baugebiets in Nieder-Mörlen war eine mögliche Erweiterung auf der 1,7 Hektar großen Fläche im Gespräch, die einst einer Vergrößerung des Friedhofs dienen sollte. Für diesen Zweck wird das Gelände nicht mehr benötigt, weil auf dem Friedhof genügend Kapazitäten vorhanden sind. Eine Wohnbebauung des Gebiets hatte 2012 der damalige Bürgermeister Armin Häuser vorgeschlagen. Ursprünglich war - wie im Hempler - eine reine Einfamilienhausbebauung geplant.

Aufgrund des Mangels an bezahlbarem Wohnraum haben CDU, SPD und Grüne inzwischen umgedacht. Die Stadtverwaltung hat in ihrer Machbarkeitsstudie zwei mögliche Varianten für einen Bebauungsplan untersucht. Variante eins sieht 15 Ein- und fünf dreigeschossige Mehrfamilienhäuser vor. Variante zwei, die von der Verwaltung favorisiert wird, umfasst zehn Ein- sowie acht Mehrfamiliengebäude mit zwei bis drei Geschossen. Bei Variante eins entstünden 45 Wohneinheiten, bei Variante zwei 55. Um die Baukosten und damit die Mieten relativ niedrig zu halten, sollen die Stellplätze für die mehrgeschossigen Häuser nicht in Tiefgaragen, sondern oberirdisch entstehen.

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