04. Juli 2019, 19:41 Uhr

Neues Schmuckstück des Platzes

04. Juli 2019, 19:41 Uhr
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Aus der Redaktion
Freude über das gelungene Projekt (v. l.): Die Künstler Yves Langsdorf und Tessa Wiegand, Gao-Li Hu (Stadtjugendpflege), Mathias Koch und Yalcin Can (Diakonisches Werk Wetterau), Silke Scriba (Ovag) und Markus Ullersberger (Ovag). (Foto: Simone Parbel)

Die Sponsoren-Plakette hängt, jetzt ist das Werk vollendet: »Frieden« lautete die Leitidee für die künstlerische Umgestaltung der Trafo-Station in der Museumsgasse. Die Mitarbeiter des Diakonischen Werks Wetterau (DWW) im Fünf-Finger-Treff hatten für die Umgestaltung im Frühjahr das Kunst-Projekt »VerWandlung« neu aufgelegt und im Auftrag der Stadt einen Graffiti-Workshop organisiert. Kinder und Jugendliche aus der östlichen Altstadt arbeiteten mit den Künstlern Tessa Wiegand und Yves Langsdorf aus Friedberg sowie Christian Eberhardt aus Frankfurt in den Osterferien an der Neugestaltung der Wände des Trafo-Häuschens. Die Kosten für das Projekt wurden vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration getragen.

Bei der angewendeten Technik »Stencil-Graffiti« (Schablonenkunst) werden die Entwürfe in Schablonen übersetzt und dann aufgesprüht. »Das ist eine aufwendige Arbeit«, erklärt Tessa Wiegand. »Die von Hand geschnittenen Schablonen müssen exakt und fest an der Wand gehalten werden, damit man die Motive scharfkantig herausbringt. Man braucht eigentlich drei Hände«, sagt sie lachend. Positiv überrascht waren die Beteiligten vom Kontakt zu den regelmäßigen Besuchern des Platzes. Die Männer hatten oft eine helfende Hand parat und auch ein wachsames Auge auf die Arbeit.

Die Motive auf der Trafo-Station sind ein Beispiel dafür, dass Graffiti nicht nur eine Verunreinigung von Fassaden darstellen muss, sondern eine Kunstform ist, die viel Positives realitätsnah abbildet. Aufwendig waren die Vorbereitungen. Im Vorfeld des Projekts wurde aus mehreren Entwürfen ein Konzept ausgewählt. Die Auswahl traf ein Gremium aus Mitgliedern der Stadtverwaltung, des Fünf-Finger-Treffs und der Ovag. Besucher der Veranstaltung »Imagine Peace« durften Begriffe zu den Themen Frieden, Religion, Kultur und Geschichte auswählen. Die Beteiligung war groß, die Vorschläge wurden ins Motiv integriert. Man liest zum Beispiel die Wörter »Toleranz«, »Nachhaltigkeit« und »Vertrauen«.

Mit der Grundierung der Wandflächen wurde ein Malermeister beauftragt. Zur Freude der Ovag-Netz, die die »VerWandlung« des Trafohäuschens gern genehmigt hatte. Unter Graffiti-Künstlern gibt es den Ehrenkodex, kein Werk eines anderen Künstlers zu übersprühen. »Das wirkt wirklich«, freuten sich Silke Scriba (Ovag) und Markus Ullersberger (Ovag-Netz): »Nach unserer Erfahrung werden Flächen, die gut geplant und künstlerisch gestaltet werden, respektiert und nicht beschmiert. Sie sehen lange schön aus, wenn sie fachgerecht angelegt werden und die Qualität der Farben stimmt - so wie in diesem tollen Projekt.«

Krieg und Frieden

Das Trafohäuschen sei vorher optisch eher ein Störfaktor gewesen. »Jetzt ist es das Schmuckstück des Platzes. Wir sind offen für weitere Projekte.« Da die beteiligten Kinder aus Krisengebieten stammen, war ihnen das Thema »Frieden« wichtig. Als Einstieg in das Projekt bastelten sie in den Osterferien Collagen. Dabei zeigte sich, welche Gedanken sie sich über Krieg und Frieden in ihrem jungen Alter schon gemacht hatten und wie verschieden und tiefgründig ihre Auseinandersetzung mit diesem Thema ist.

Im nächsten Schritt durften alle mit den Künstlern an der Gestaltung des Trafohäuschens arbeiten. Yves Langsdorf: »Jeder durfte sprayen. Die Kinder hatten eine erstaunliche Ausdauer, und das Wetter war ein riesiges Glück für den Erfolg der Arbeit.« Wiegand ist sich sicher, »dass die Kinder sich künftig an diese Arbeit erinnern werden. Sie haben mehr Achtung für Kunstwerke entwickelt, kennen die Mühe, die dahinter steckt und sind zu Beschützern solcher Flächen geworden.« Die Mitarbeiter des Fünf-Finger-Treffs schenkten den Kindern als Dank für die Mitarbeit Gesellschaftsspiele, die von Pegasus gespendet worden waren. Yalcin Can freute sich, denn er konnte allen mitteilen: »Wir haben die Zusage der Stadt für den Weiterbetrieb des Fünf-Finger-Treffs für die nächsten zwei Jahre und planen zwei weitere ›VerWandlungs‹-Projekte in Friedberg.«



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