13. Juli 2018, 08:00 Uhr

Zerstörung

Neustart aus der Asche: Jimbala nach dem Brand

Die Flammen haben der Kinderfarm Jimbala in Friedberg vieles geraubt. Doch irgendwie macht das Team weiter, auch weil den Trümmern und der Asche ganz viel Hilfe gegenübersteht.
13. Juli 2018, 08:00 Uhr
»Alles weg«, sagt Hannes Motsch und zeigt auf den verbrannten Boden der Kinderfarm Jimbala. (Foto: lod)

Das Datum wird Hannes Motsch so schnell nicht vergessen: Am Morgen des 26. Juni rief ein Mitglied der Feuerwehr an und teilte dem Gründungs- und Vorstandsmitglied der Kinderfarm Jimbala mit, dass es auf dem Farmgelände entlang des Bahndamms brennt. »Das war um 7 Uhr«, erinnert sich Motsch. Der Schaden war enorm: Vernichtet wurden unter anderem ein Container mit Küchenutensilien, ein Bauwagen mit Pavillons, Bastelmaterial und Spiele sowie zwei Unterstände mit Werkbank, Brettern und Bauholz. Da es sich um zwei auseinanderliegende Brandherde handelte, war Brandstiftung als Ursache schnell klar. »Vor allem die Kinder von den NABU-Ferienspielen, die gerade auf dem Gelände stattfanden, waren entsetzt und wünschten sich, dass alles wieder so wird, wie es war«, erzählt Motsch.

 

Die Feuerwehren aus der Kernstadt und aus Dorheim haben rund drei Stunden lang die Flammen bekämpft.	(Foto: Feuerwehr)
Die Feuerwehren aus der Kernstadt und aus Dorheim haben rund drei Stunden lang die Flammen...

 

Noch am Morgen kamen Bürgermeister Dirk Antkowiak und Amtsleiterin Christine Böhmerl auf den großen Abenteuerspielplatz. Motsch: »Sie versprachen schnelle unbürokratische Hilfe, und sie haben Wort gehalten.« Schnell entsorgten Bauhofmitarbeiter in den folgenden Tagen alle verbrannten Teile. Nur noch das abgesperrte Areal, auf dem es gebrannt hat, erinnert an das Feuer. »Alles, was einmal gebrannt hat, ist Sondermüll«, weiß Motsch inzwischen.

Während des Abtransports der verbrannten Teile gingen die NABU-Ferienspiele weiter. »Wir mussten schon etwas abenteuerlich improvisieren, aber wir sind ja ein Abenteuerspielplatz,« sagt Motsch. Was er jedoch nicht erwartet hatte, war die Welle der Hilfsbereitschaft, die vor allem nach dem WZ-Bericht am folgenden Tag einsetzte. »Als erstes meldete sich der Umsonstladen. Von dort erhielten wir Bestecke und Geschirr«, berichtet Motsch.

 

Bauwagen und Container benötigt

 

Riesig war die Spendenbereitschaft – von Privatpersonen, Firmen und Institutionen. Die größte Spende kam vom Globus-Baumarkt, und das gleich doppelt: Neben einer Spende von 1000 Euro gab es noch einen Einkaufsgutschein in gleicher Höhe für Baumaterial dazu. Der Rotary Club Bad Nauheim gab 1500 Euro, der Paritätische Wohlfahrtsverband steuerte 1400 Euro bei. »Die vielen Privatspender kann ich aus Datenschutzgründen nicht nennen«, sagt Motsch, der aktuell ein Problem hat: »Wir suchen dringend einen Bauwagen und einen Container, den wir auch bezahlen können.« In der näheren Umgebung wurde bisher nichts gefunden. »Wir können ja nicht durch halb Deutschland fahren, um irgendwo was zu besichtigen oder gar abzuholen. Wir machen das ja alle ehrenamtlich.« Eine Überraschung war am Dienstag ein Anruf des Hessischen Rundfunks, der einen Bericht für sein Magazin »Maintower« im HR-Fernsehen drehen wollte. Noch am selben Tag kam das Team, sprach mit Motsch und Kindern der Jimbala-Ferienspiele, die derzeit laufen, sowie mit Polizeisprecherin Sylvia Frech. Noch am gleichen Abend lief der Beitrag mit einem Hinweis, dass weitere Spenden benötigt werden.

Irgendwie hat alles Schlechte doch auch was Gutes. Wir alle hier finden es ganz toll, wie wir unterstützt werden

Hannes Motsch

Für die 33 Kinder, die aktuell an den Ferienspielen teilnehmen, war der Besuch des Fernsehteams schon etwas ganz Besonderes. Auch sie können die Brandstiftung nicht verstehen. »Hier ist eine Glasscherbe«, sagt ein Junge während des WZ-Besuchs und legt sie Motsch in die Hand. Kurz darauf kommt eine Friedbergerin und fragt, ob noch Küchen-Utensilien benötigt werden. Sie hat sie im Auto und bringt nach Rücksprache mit den Betreuern einige benötigte Gegenstände auf das Gelände. »Der Küchencontainer mit Kühlschrank fehlt schon«, sagt Motsch, der dennoch ein positives Fazit zieht: »Irgendwie hat alles Schlechte doch auch was Gutes. Wir alle hier finden es ganz toll, wie wir unterstützt werden. Das zeigt, dass die Kinderfarm Jimbala in der Bevölkerung nach neun Jahren anerkannt ist.«

 

Wer spenden möchte, kann sich auf der Internetseite www.jimbala.de, per E-Mail an team.jimbala@gmail.com oder unter Tel. 01 51/14 39 45 79 und Tel. 01 51/24 2 2 10 82 informieren.

Info

Zeugen werden gesucht

Die Polizei geht weiterhin davon aus, dass es sich beim Brand auf der Kinderfarm Jimbala um eine vorsätzliche Brandstiftung handelt. Wie Sylvia Frech, Pressesprecherin der Polizeidirektion Wetterau, mitteilt, hat es zwar mehrere Hinweise von Zeugen gegeben, die jedoch bisher zu keinem Ergebnis geführt haben. Wer im Tatzeitraum etwas beobachtet hat oder Hinweise auf Personen geben kann, die sich dort regelmäßig unberechtigt aufhalten, der sollte sich unter der Telefonnummer 0 60 31/60 10 bei der Polizei melden. (har)

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