24. September 2019, 05:00 Uhr

Notgedrungen für Kita auf dem Acker

Am Rande von Friedberg soll eine Kita gebaut werden. Zumindest hat sich die Mehrheit eines Ausschusses dafür ausgesprochen. Doch es gab auch deutliche Kritik.
24. September 2019, 05:00 Uhr
Am Ende der Taunusstraße soll eine neue Kita gebaut werden. Das gefällt nicht mal denen, die dafür stimmen. (Archivfoto: nic)

Drei Eltern saßen auf den Zuschauerplätzen, die Blicke zeitweise besorgt. Doch am Ende gab es im Ausschuss für Stadtentwicklung sechs Ja-Stimmen von CDU, SPD und Linke für die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans »Kita Taunusstraße« - bei einem Nein der Grünen und zwei Enthaltungen von FDP und UWG. Der Bau einer Kindertagesstätte am Westrand von Friedberg nimmt Gestalt an, was nicht allen Politikern gefällt - auch denen nicht, die (»notgedrungen«, wie sie sagen) für den Standort stimmen.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Die evangelische Kita Winterstein ist baufällig, aber denkmalgeschützt, sie wird am 31. Juli 2020 geschlossen. Ein Ersatz muss her, die Verwaltung hat nach eigener Aussage sämtliche in Frage kommenden Bauplätze überprüft und als einzigen möglichen Standort eine quadratische Parzelle am westlichen Stadtrand ausgedeutet: 5150 Quadratmeter Ackerland, das sich direkt ans Ende der Taunusstraße anschließt, der Stadt gehört und derzeit von einem Bauern bewirtschaftet wird.

Einwände können eingebracht werden

»Friedberg wächst auf den Acker«, warnte Florian Uebelacker (Grüne). Seine Fraktion werde bei dieser Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung nicht einheitlich abstimmen. Er lehne den Standort ab. Achim Güssgen-Ackva (FDP) ist der gleichen Meinung: Wertvollen Acker verbrauchen, »nur weil’s schnell gehen muss«? Es werde Verkehrsprobleme geben. Güssgen-Ackva bezweifelte, ob bei der Standortsuche wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien. »Sie müssen der Verwaltung auch einmal vertrauen«, konterte Olaf Beisel (CDU). »Wir kämpfen hier mit den Versäumnissen der letzten Jahre, brauchen die Kita-Plätze. Das ist die einzige Möglichkeit.«

Winfried Ertl (UWG) bezweifelte, ob die Sanierung des evangelischen Gemeindehauses in der Wintersteinstraße wirklich so teuer wie behauptet käme. Er befürchtet: Wird das Gebäude nicht saniert, steht dort »für lange Jahre eine denkmalgeschützte Ruine«. Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) wies in Vertretung von Bürgermeister Antkowiak (CDU) und Kita-Dezernent Fenske (Grüne) darauf hin, dass man im Stadium der Offenlage sei. »Das ist eine Aufforderung, Einwände vorzubringen.« »Als ob die Verwaltung bei solchen Verfahren den Einsprüchen jemals Recht gegeben hätte«, erwiderte Ertl.

Droht weiterer Ackerverbrauch?

Zur mehrfach beschworenen Gefahr, die Kita bleibe nicht das einzige bebaute Grundstück am Stadtrand, die Bebauung könne sich irgendwann fortsetzen, sagte die Erste Stadträtin: »Das entscheiden doch Sie.« Es liege in der Hand der Stadtverordneten, die Ausnahme nicht zur Regel werden zu lassen. Benjamin Ster (SPD) sagte: »Ja, das ist wertvolles Ackerland. Die Entscheidung, dort zu bauen, fällt uns wirklich nicht leicht. Aber wir brauchen die Kita.«

Die Stadtverordnetenversammlung wird am 17. Oktober über die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans »Kita Taunusstraße« entscheiden. Bei diesem Verfahrensschritt im Rahmen der Bürgerbeteiligung bei Bebauungsplanverfahren können direkt Betroffene und die »Träger öffentlicher Belange« (Naturschutz, Landwirte, Ämter und Interessengruppen) innerhalb eines Monats Anregungen und Einwände zum geplanten Objekt abgeben. Diese werden dann von der Verwaltung bewertet.

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