20. Dezember 2018, 11:00 Uhr

Fall vor Gericht

Ortenberger war auf Nacktfotos von Mädchen aus

Über zweieinhalb Jahre soll sich ein Mann aus Ortenberg als Jugendlicher namens Leon im Internet herumgetrieben haben. Sein Ziel: Nacktfotos von Mädchen zu bekommen.
20. Dezember 2018, 11:00 Uhr
In sozialen Netzwerken hat ein 48-Jähriger sich als Jugendlicher ausgegeben. So hat er versucht, zahlreiche Mädchen zu überreden, ihm Nacktfotos von sich zu schicken. (Foto: dpa)

Vor dem Landgericht wird das Verfahren gegen einen 48-jährigen Deutschen aus Ortenberg wegen zahlreicher Fälle des Besitzes und Verbreitens von Kinderpornografie weitergeführt. Außerdem ordnete die Vorsitzende Richterin des Jugendschöffengerichts Büdingen, Barbara Lachmann, Untersuchungshaft wegen Wiederholungsgefahr an, deren Vollstreckung allerdings gegen strenge Auflagen ausgesetzt wurde.

Mit diesem Beschluss, in dem die Richterin dem Antrag des Staatsanwalts folgte, nahm der Prozess eine überraschende Wendung. Der Ankläger hatte in der Verhandlung darauf hingewiesen, dass das Amtsgericht keine höhere Freiheitsstrafe als vier Jahre verhängen dürfe. Diese sei aber angesichts der massiven Tatvorwürfe und der Vorverurteilungen des Angeklagten durchaus möglich.

So begründete er auch den Antrag auf Untersuchungshaft. Denn sowohl vorangegangene Urteile als auch Ermittlungsverfahren und eine Wohnungsdurchsuchung im August vergangenen Jahres hätten den Angeklagten nicht davon abgehalten, weiter Kontakt zu jungen Mädchen zu suchen.

 

Druck auf Mädchen erhöht

Obwohl die Verhandlung nach der Verlesung der Anklageschrift unterbrochen wurde, damit Staatsanwalt, Verteidiger, Schöffen und Richterin über das weitere Vorgehen beraten können, wurde deutlich, dass ein ungewöhnlicher und verstörender Fall verhandelt wurde. Zwischen November 2015 und Mai 2018 soll der Angeklagte in zahlreichen Fällen über soziale Netzwerke Kontakt zu Mädchen zwischen neun und 13 Jahren gesucht haben, um sie zu überreden, ihm Nacktfotos von sich zu schicken.

Detailliert beschreibt die Schrift, wie der Angeklagte sich in den Internetchats als 13- oder 14-jähriger Junge ausgegeben habe. Oft habe er sich Leon genannt. Nach anfänglich belanglosem Inhalt habe er die Gespräche bald auf sexuelle Themen gelenkt und die Mädchen aufgefordert, ihm Fotos von entblößten Körperpartien oder komplette Nacktaufnahmen zu schicken.

Teilweise finden sich stundenlange Kommunikationen in der Anklageschrift, in deren Verlauf der Angeklagte bisweilen selbst pornografische Aufnahmen von Kindern verschickt haben soll, um die Mädchen zu überreden, eigene Bilder zu schicken. Dabei habe er unter verschiedenen Mobilfunknummern auch unterschiedliche Rollen, zum Beispiel als Vater von Leon oder dessen jüngerer Schwester, angenommen.

Auffällig ist, wie der Mann den Druck auf die Mädchen immer weiter erhöht und sie zu immer weiterreichenden Handlungen überredet haben soll. So habe er sich nicht mit Detailaufnahmen von nackten Körperpartien begnügt. Es sei ihm in mehreren Fällen gelungen, die Mädchen zu Fotos und Videos zu überreden, in denen sie an ihren Geschlechtsorganen manipulieren. In mindestens einem Fall soll er ein entsprechendes Video an seine Opfer versandt haben, das darstellte, welche Aufnahmen er sich erhoffte.

 

Ehefrau wacht über Handy-Verbot

Um die Bereitschaft der Kinder, von sich Fotos und Videos zu verschicken, zu fördern, soll der Angeklagte ihnen neben Telefonguthaben iPhones oder auch Geld versprochen haben. Dabei sollen seine Fantasien immer weiter geschweift sein. So soll er ein Mädchen gefragt haben, was sie für 1000 Euro tun würde, ob sie zu ihm ins Hotel kommen und sich von ihm anfassen lassen würde. Zu persönlichen Begegnungen ist es jedoch laut Anklage nicht gekommen.

Erst erklärte der Angeklagte: »Die Vorwürfe stimmen alle.« Gleich darauf schränkte er ein: »Ich kann nicht sagen, ob alle Vorwürfe 100-prozentig stimmen.« Er kenne die Namen der Mädchen gar nicht. Obwohl er häufiger durch ähnliche Delikte aufgefallen war, habe der Angeklagte »bisher jede pädophile Neigung weit von sich gewiesen«, so der psychiatrische Gutachter.

Laut Verteidiger ist die Gefahr, dass sein Mandant weiter Kontakt zu minderjährigen Mädchen aufnehme, gering. Der Mann sei seit längerer Zeit in Therapie. Außerdem habe er ein striktes Handy-Verbot, das von seiner Frau überwacht werde. Auch deshalb bleibt der Angeklagte vorläufig in Freiheit. Eine der Voraussetzungen ist, dass er sich an das Kontaktverbot zu Minderjährigen hält.

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