23. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Informationsabend

Ortsdurchfahrt Bönstadt: Sanieren, bloß wie?

Bönstadts Durchgangsstraße ist ein Flickenteppich. Bald soll die marode Straße grundhaft saniert werden. Doch in welchem Umfang, darüber gibt es geteilte Meinungen.
23. Oktober 2019, 14:00 Uhr
Sind die Löcher in der Bönstädter Ortsdurchfahrt die beste Verkehrsberuhigung?

Jahrelang warteten die Bönstädter auf eine Sanierung ihrer Ortsdurchfahrt, rutschten auf der Prioritätenliste des Wetteraukreises aber immer wieder nach hinten. Jetzt schlug der Kreis vor, mit den Planungen zur Sanierung im nächsten Jahr zu beginnen. Ein Antrag der Grünen-Fraktion sieht weitergehende Sicherheitsmaßnahmen vor. Der Nachteil ist, dass dann ein Planfeststellungsverfahren erforderlich wäre, das drei bis fünf Jahre dauern könnte. Der Kreis garantiert nicht, dass das Geld für die Straßensanierung dann noch vorhanden sein wird.

Dass die Lage äußerst verzwickt ist, wurde bei einem konstruktiven Informationsabend im Bürgerhaus deutlich, zu welcher der Magistrat eingeladen hatte. Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel leitete die Veranstaltung, und Markus Nikleniewicz erläuterte die Vorschläge der Grünen. Diese sehen einen Fahrbahnteiler vor, wo auf Höhe des früheren Sportplatzes die Radler von der Nidda eintreffen. Mindestens an den Bushaltestellen müssten wegen des Schulverkehrs die Gehwege verbreitert werden. Doch diese Maßnahmen würden die Sanierung um Jahre verzögern.

Ortsdurchfahrt Bönstadt: Anlieger müssen zahlen

Kontroverse Meinungen wurden vorgebracht. Einerseits beteuerte eine Bönstädterin, die Sanierung sei unnötig, da man vorsichtig um jeden »Hubbel« herumfahren könne. Das sei die beste Verkehrsberuhigung, die sie selbst seit Langem praktiziere. Andererseits forderten einige Bürger energisch einen Zebrastreifen auf Höhe des Kindergartens. Hier brachte Hertel seine Erfahrungen mit Hessen Mobil ins Spiel. Die Behörde setze große Hindernisse vor die Genehmigung verkehrsberuhigender Maßnahmen. Bevor eine Ampel oder ein Zebrastreifen erlaubt werde, fänden Verkehrszählungen statt, deren Misserfolg in Bönstadt abzusehen sei. Eine Bürgerin erklärte, Zebrastreifen seien ohnehin problematisch, da sie Kinder in Sicherheit wiegten. Es sei aber nie garantiert, dass der Autofahrer tatsächlich anhalte.

Hertel erläuterte, bei der Sanierung lägen die Gehwege in der Baulast der Kommune. 75 Prozent der Gehwegkosten seien von den Anliegern zu tragen. Wenn Kanal und Wasserleitung saniert würden, entstünden für die Bürger dafür keine Kosten. »Nur« die neuen Wasseranschlüsse müssten von den Anwohnern bezahlt werden. Häufig trete die Versicherung dafür ein. Dass kein Kanal mit größerem Durchmesser gelegt werden soll, leuchtete nicht allen Anliegern ein. Doch Hertel meinte, es sei nicht machbar, einen Kanal zu bauen, der jeden Starkregen aufnehme. Die Wassermassen müssten weiter oben durch Rückhaltemaßnahmen aufgefangen werden. Baue die Stadt einen Kanal, der größer sei als zwingend erforderlich, werde gewiss von einem Anwohner dagegen geklagt werden.

Ortsdurchfahrt Bönstadt: Aufwendige Ausschreibung

Hertel stellte Vermutungen über die Kosten an und schätzte die Ausgaben für den Kanal auf 660 000 Euro (ohne die Hausanschlüsse). 1,4 Millionen Euro seien für die Gehwegsanierung zu erwarten. Die Beitragsermessung sei kompliziert und richte sich nach der Grundstücksgröße und der Art der Bebauung. Die Gesamtkosten könnten keineswegs gleichmäßig auf die 105 Anschlüsse verteilt werden. Eine Verzögerung der Sanierung bewirke pro Jahr einen Anstieg von 3 Prozent.

Eine weitere Schwierigkeit sieht Hertel darin, dass der Wetteraukreis vorgeschlagen hat, die Stadt möge bei den Maßnahmen an der Straße, dem Gehweg und dem Kanal federführend sein. Bei dem zu erwartenden Volumen von 5 bis 6 Millionen Euro werde eine aufwändige europaweite Ausschreibung erforderlich sein. Dann sei grundsätzlich ein Baubeginn Ende 2020 möglich, die Maßnahmen an der 1,1 Kilometer langen Ortsdurchfahrt könnten, wohl in vier Abschnitten, Ende 2021 abgeschlossen sein.

Eine Lösung wurde während des Info-Abends nicht favorisiert.

Ortsdurchfahrt Bönstadt: 1,1 Kilometer lang

Seit Mitte der 90er Jahre stand die Sanierung der Bönstädter Ortsdurchfahrt immer wieder bei der Aufstellung des Investitionshaushaltes für den Wetteraukreis auf dessen Prioritätenliste.Weil es sich bei der Ortsdurchfahrt um einen Teil der Kreisstraße K 241 handelt, für die der Wetteraukreis zuständig ist, muss der für die Sanierungskosten aufkommen. Doch wurde die Erneuerung des momentanen Flickenteppichs immer wieder nach hinten verschoben. Das hat sich nun geändert. Der Kreis zahlt allerdings nur die Sanierung der Fahrbahndecke des rund 1,1 Kilometer langen Straßenstücks. Für die Erneuerung der Gehwege und des Kanalsystems bleibt weiterhin die Kommune, also die Stadt Niddatal, zuständig. (bf)

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