15. Februar 2019, 08:00 Uhr

Parkplatzsuche

Parkplatz-Problem: Kommt die große Lösung für Bad Nauheim?

Das Thema Parkplatzsuche brennt vielen in Bad Nauheim unter den Nägeln. Nun stellt sich die Frage: Kommt die große Lösung für das Problem?
15. Februar 2019, 08:00 Uhr
Ein chaotisches Bild bietet sich in der Kurstraße. Jede Parklücke ist belegt, oft stehen dort Autos von Berufspendlern oder Reha-Patienten. Ähnlich ist die Situation in anderen Wohnquartieren der Innenstadt, wo gebührenfrei geparkt werden darf. (Foto: Nici Merz)

Beschwerden über fehlenden Parkraum für Anwohner kommen aus allen Ecken der Bad Nauheimer Innenstadt. Etwa von einem Mann aus der Lessingstraße, der ständig mehrere Runden dreht, um sein Auto dann etliche Hunderte Meter entfernt von seiner Wohnung abstellen zu müssen. »Die Situation ist katastrophal«, sagt er.

In der Burgallee sieht es nicht anders aus. »Wenn ich einen Kasten Bier hole, muss ich ewig suchen, um einen Stellplatz für mein Auto zu finden, der halbwegs in Wohnungsnähe ist«, klagt ein Anlieger. Beispiel Nummer drei: Kurt Linkenbach, Ortsvorsteher der Kernstadt, erhält ständig Anrufe aus der Kurstraße. Das gebührenfreie Parken zwischen Friedensstraße und Schwalheimer Straße sei ein Unding, Anlieger fänden keinen Platz für ihre Fahrzeuge.

 

Krank kündigt Gesamtkonzept an

Eigentlich wollte sich der Ortsbeirat am Mittwochabend eingehend mit der Situation in der Kurstraße befassen, dort das Aufstellen von Parkscheinautomaten fordern, um Autos von Beschäftigten, Patienten und Besuchern von Klinik und Altenheim zu verscheuchen. Doch nach einem Plädoyer von Erstem Stadtrat Peter Krank nahm das Gremium davon Abstand.

Der Verkehrsdezernent warnte davor, weiter an »kleinen Stellschrauben zu drehen«, was lediglich zu Verdrängungsprozessen führe, aber keine vernünftige Lösung bringe. »Parkraumbewirtschaftung ist ein sehr, sehr dringendes Thema, mit dem sich in den letzten Jahren aber niemand beschäftigt hat. Leider Gottes wurden viele kleine Schritte unternommen, ohne ein Gesamtkonzept zu haben«, sagte Krank.

 

Bewohnerparken muss warten

In vielen Innenstadt-Quartieren werde Bewohnerparken gefordert. Doch kurzfristig will der Erste Stadtrat diese Wünsche weder im »Dichterviertel« noch in der Kurstraße oder rund um die Burgallee erfüllen. »Erst müssen Alternativen für Pendler und Besucher geschaffen werden, dann macht Bewohnerparken Sinn.«

Als Positivbeispiel nannte er das Wohngebiet in der ehemaligen Amerikanischen Siedlung. Dort diene der Parkraum Bewohnern und deren Besuchern, weil Pendler auf den benachbarten großen Parkplatz in der Frankfurter Straße ausweichen könnten. »Das Gesamtkonzept darf nicht weitere fünf, sechs Jahre auf sich warten lassen«, betonte Krank. Ende 2019, Anfang 2020 müsse die Politik Antworten geben.

 

Schnelle Parkdeck-Erweiterung?

Ortsbeirat-Mitglieder sprachen bezüglich der Parkplatzfrage von einem »kolossalen Problem« (Günter Neubauer, FDP) und einer »völlig vertrackten Situation« (Dr. Wolfgang Hammann, UWG). Gefordert wurde eine große und schnelle Lösung. »Es gibt Projekte, über die Einigkeit herrscht, die schnell in Angriff genommen werden können«, sagte Hammann.

Er erwähnte die Erweiterung des großen Parkplatzes in der Frankfurter Straße. Der UWG-Vertreter erinnerte zudem an eine Idee, die eine Stellplatz-Lösung für Sprudelhof und Therme bedeuten könne: Ausbau der Kolonnaden-Tiefgarage bis unter die Tennisplätze.

 

Warnung vor Schnellschüssen

Von »Jammern auf hohem Niveau« sprach Steffen Mörler (CDU). Die Parkplatznot sei nicht so groß, wie oft beschrieben. Zudem gehe der Trend weg vom Auto, gerade bei jungen Leuten. Mörler warnte vor teuren Schnellschüssen in Sachen Parkplatzbau, die den Haushalt belasteten und andere wichtige Projekte gefährdeten.

Seine Parteifreundin Petra Michel machte den Parkplatzsuchverkehr als eines der großen Probleme in Bad Nauheim aus: »Alle fahren ewig rum, um einen gebührenfreien Platz zu finden.« Sie empfahl das Beispiel Bad Homburg. Dort existierten Parkhäuser und Tiefgaragen für 2000 Fahrzeuge. Jeder Besucher oder Pendler wisse, dass es in der City keinen kostenlosen Stellplatz gebe.

Wie in der Debatte betont wurde, müssten Stellplätze für Therme und Sprudelhof nicht unbedingt in neuen Tiefgaragen an der Ludwigstraße geschaffen werden. »Wir brauchen keine Stellplätze direkt vor Ort. Eine Aufstockung des Parkplatzes Frankfurter Straße könnte eine schnelle Lösung für Therme und Sprudelhof sein«, sagte Claudia Kutschker (Grüne). Mörler pflichtete ihr bei. Ein Parkplatz vor der Tür der Therme sei nicht erforderlich, das gebe es bei anderen Thermalbädern auch nicht.

 

Info

Großparkplätze und Pendelbusse

Erster Stadtrat Peter Krank hat bezüglich der Verkehrsprobleme in der Kernstadt klare Vorstellungen, deren Umsetzung allerdings nicht so einfach ist. Innenstadtnahe Großparkplätze sollen in erster Linie die Autos von Berufspendlern und Langzeit-Besuchern wie Reha-Patienten aufnehmen, um die Verkehrsbelastung der Innenstadt zu reduzieren und mehr Parkraum für Bewohner zu schaffen. Zügig realisiert werden könnte seiner Ansicht der Bau von Parkdecks auf dem großen Parkplatz in der Frankfurter Straße, um dort die Kapazität deutlich zu erhöhen. »Eine Planung liegt bereits vor«, sagte Krank in der Ortsbeiratssitzung. Vor Jahren wollten Stadt und Kerckhoff-Klinik das Projekt gemeinsam realisieren, weil das Krankenhaus Stellplätze für seine Beschäftigten benötigte. Die Klinikleitung fand letztlich eine andere Lösung, die Parkplatz-Erweiterung wurde gestrichen. Der Ortsbeirat beschloss am Mittwoch einstimmig, diese Pläne wiederzubeleben. Bei zwei Enthaltungen schlug das Gremium außerdem vor, das Parkdeck in der Schwalheimer Straße zu erweitern. Forderung Nummer drei: Diese innenstadtnahen Großparkplätze durch Pendelbusse mit der Innenstadt und dem Bahnhof verbinden. Diese Beschlüsse kommen Krank entgegen, auch der Verkehrsdezernent setzt auf ein Pendelbus-Angebot, um gebührenpflichtige Großparkplätze attraktiver zu machen. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer »Ideallösung«. Erst wenn genügend Parkraum am Rand der City vorhanden ist, macht laut Krank Bewohnerparken in weiten Bereichen der Kernstadt Sinn. (bk)

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