05. November 2019, 18:31 Uhr

Plattenspieler und Röhrenradio

05. November 2019, 18:31 Uhr

Die 50er Jahre in Westdeutschland waren eine spannende Zeit, die geprägt war von den existenziellen Problemen eines schwer zerstörten Landes, aber auch gekennzeichnet von einer Aufbruchsstimmung und einem neuen Selbstwertgefühl. Der Aufstieg des zerstörten Deutschlands zur zweitgrößten Industriemacht der Welt hatte einen Namen: Wirtschaftswunder. In diese Zeit wird man im 50er-Jahre-Museum in der Büdinger Altstadt zurückversetzt, das Walter und Else Arbeiter vor 20 Jahren ins Leben gerufen haben.

»Unsere Besucherinnen und Besucher sind ganz bunt gemischt. Es kommen viele ältere Menschen, die ihren Kindern und Enkeln zeigen, wie sie einst gelebt haben. Es kommen aber auch viele junge Menschen, die beim Abschied sagen: Das will ich meinen Eltern oder Großeltern noch einmal zeigen. Das ist ja deren Geschichte, die hier gezeigt wird«, berichtet Walter Arbeiter. Auch ganze Schulklassen kommen in das historische Gebäude, um einen lebendigen Geschichtsunterricht zu erleben.

Elvis und D-Mark-Scheine

Wer das Museum besucht, wird sofort gefangen genommen von der besonderen Atmosphäre: ein Moped-Roller, der einst dem 50er-Jahre-Teenie-Idol Conny Froboess gehörte, eine Vitrine mit Bildern und Schallplatten von Elvis Presley, ein beleuchteter fünfstufiger Zimmerbrunnen, ein Musikschrank mit Fernseher, Plattenspieler und Röhrenradio, eine Vitrine mit Geldscheinen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, damals noch in den USA gedruckt und dem Dollar nicht unähnlich, mit D-Mark-Scheinen, die ein Ausdruck des Wirtschaftswunders waren.

»Das Museum verfügt mittlerweile über mehr als 200 000 Exponate. Nur ein Bruchteil davon können wir hier im Museum zeigen, der Rest ist in 1100 Bananenkisten übersichtlich geordnet eingelagert. Damit können wir regelmäßig Sonderausstellungen bestücken.«

Walter Arbeiter hat mit seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau Else schon vor mehr als 40 Jahren angefangen, Exponate aus den 50ern zu sammeln. »Das war unsere Kindheit und Jugend. Das hat mich einfach auch später noch fasziniert, und so haben wir den Grundstein für dieses Museum gelegt, das Ende November seinen 20. Geburtstag feiert«, erzählt Walter Arbeiter.

Vor zehn Jahren wurde das Museum noch einmal deutlich erweitert, auch mit Unterstützung von Bund und Kommune. Doch Walter Arbeiter sorgt sich sehr um die Zukunft seines Lebenswerkes. »Ich bin 78 Jahre alt, und wer weiß, wie lange ich meine Aufgabe hier als Erster Vorsitzender noch erfüllen kann. Ich möchte gern, dass das Museum zukunftsfähig gemacht wird.« Die Stadt zögere noch, eine Schenkung anzunehmen. Alternativ sei eine Fusion mit dem Büdinger Geschichtsverein erwogen worden, dem jedoch das mögliche Risiko für eine lange Zukunft zu groß gewesen sei. »Es wäre schade, wenn dieses Museum für Büdingen verlorenginge. Es gehört zu den bedeutendsten Besuchermagneten der Stadt überhaupt.«

Landrat Jan Weckler lädt zu gemeinsamen Besuchen in Museen ein. Der erste Besuch ist am Sonntag, 10. November, um 15 Uhr im 50er-Jahre-Museum in Büdingen.

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