07. September 2019, 10:25 Uhr

Zuschuss fürs Alte Hallenbad

Politiker kritisieren »völlig indiskutable Zuspitzung«

Friedberg (jw). Das Alte Hallenbad darf weiter auf Millionen hoffen, doch in der Auseinandersetzung um Fördermittel von Bund und Stadt gab es nach Ansicht der Politiker viele Misstöne.
07. September 2019, 10:25 Uhr
Die Demo vor dem Friedberger Kreishaus wird für Kinder zum »ahaaa«-Erlebnis. (jw)

Das Votum stand spätestens nach der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses fest, die Stadtverordneten haben es am Donnerstagabend bestätigt: Eine große Mehrheit stimmte für die weitere Teilnahme am Bundesförderprogramm »Sanierung kommunaler Einrichtungen«, es gab lediglich ein Nein aus den Reihen der FDP sowie fünf Enthaltung von FDP und UWG. Läuft alles, wie gewünscht und die Zuschüsse von Bund und Stadt fließen, kann der fünfte und letzte Bauabschnitt des Alten Hallenbades vollendet werden.

Aber ganz so einmütig, wie das Votum glauben lässt, war die Debatte nicht. Und das gilt auch für das Vorspiel. Nachdem der Magistrat zunächst ein negatives Votum abgegeben hatte, da die Verwaltung hohe Mehrkosten befürchtete, wurde Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) nach eigenen Worten mit Protest-Mails aus ganz Deutschland bombardiert. Antkowiak ärgerte sich auch über »Falschmeldungen im Internet, die weh taten«. So habe der städtische Zuschuss in Höhe von 1,8 Millionen Euro entgegen anderslautender Meldungen nie in Frage gestanden. »Dennoch wird von den »aHa«-Mitgliedern heute noch ein Pamphlet verteilt, auf dem das behauptet wird«, sagte Friedrich-Wilhelm Durchdewald (UWG). »Was soll der Mist? Das finde ich schäbig.«

»Pamphlet« oder reine Information?

Ohne das Bundesprogramm wäre die Sanierung des aHa weitergelaufen wie bisher, sagte Achim Güssgen-Ackva (FDP). Warum dann jetzt die Aufregung? Er habe seitens des aHa auch kein Wort des Dankes gehört. Dass man den Streit auch ganz anders betrachten und deuten kann, zeigte Florian Uebelacker. Das »Pamphlet« des »aHa«? »Das ist etwas unglücklich formuliert.« Als »Pamphlet« hingegen wertete Uebelacker, was die Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) den Stadtverordneten als Berechnungsgrundlage an die Hand gegeben hatte: eine Aufstellung der möglichen Mehrkosten. Im Ausschuss hatte Uebelacker kritisiert, dass die Personalkosten für einen zusätzliche Bauamtsstelle dort aufgeführt werden. »Sonst fordern die Grünen immer Transparenz. Sollten wir das vielleicht verschweigen?«, fragte Götz, die Uebelackers Wortmeldung als »bösartige Unterstellung« wertete.

Gewissermaßen außer Konkurrenz gab Ricardo Herbst (Linke) die haushaltspolitische Parole aus »Koste es, was es wolle, wir wollen es«. Nach dieser Klamauk-Einlage fiel ausgerechnet dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Klaus-Dieter Rack die Rolle des Schlichters zu. An seinem 66. Geburtstag rief er die »erregten Gemüter« auf, sich zu beruhigen. Die Zuspitzung durch die »aHa«-Mitglieder sei »indiskutabel«. Klar sei aber auch, und mit dieser Haltung war Rack nicht alleine, dass der Hallenbadverein wertvolle Arbeit leiste, die auch gewürdigt werde.

Der Streit ist kein Ruhmesblatt für Friedberg. Manche Stadtverordneten hätten sich etwas mehr Entscheidungsfreudigkeit der Rathausspitze gewünscht. Die wiederum wollte die Verantwortung an die Stadtverordneten abgeben und die Sache auf breiter Basis diskutiert sehen. Dann gab es eine etwas peinliche Farce um einen »offenen Brief« des »aHa« an den Bürgermeister, der in der Presse landete, worüber sich der Verfasser wunderte, obgleich das Schreiben an eine große Zahl von Politikern verschickt wurde und »offene Briefe« es nunmal so an sich haben, dass sie öffentlich werden.

Demo vor dem Kreishaus

Achim Güssgen-Ackva (FDP) fühlte sich bei all dem an das Theaterstück »Der Besuch der alten Dame« von Friedrich Dürrenmatt erinnert: »Sobald sich die Aussicht auf Geld auftut, spielen die Leute verrückt.« Viele Stadtverordneten wunderten sich, dass aHa-Mitglieder selbst nach der Entscheidung des Haupt- und Finanzausschusses noch zu einer Demo vor dem Kreishaus aufgerufen hatten. Das wurde als Affront gewertet. Die Stadtverordneten konnten den Sinn hinter der Aktion nicht erkennen. Irrungen und Wirrungen allerorten. Trost spendet ein Mann der Bühne, der französische Dramatiker Nicolas Chamfort (1741-1794), der uns folgenden Rat mit auf den Weg gegeben hat: »Man kann unmöglich in der Welt leben, ohne von Zeit zu Zeit Komödie zu spielen. Es nur im Notfall zu tun, unterscheidet den anständigen vom unanständigen Menschen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • CDU
  • Demonstrationen
  • Dramatikerinnen und Dramatiker
  • FDP
  • Finanzausschüsse
  • Friedberg
  • Friedrich Dürrenmatt
  • Friedrich Wilhelm
  • Fördermittel
  • Hallenbäder
  • Haushaltspolitik
  • Mehrkosten
  • Nicolas Chamfort
  • SPD
  • SPD-Fraktionschefs
  • Theaterstücke
  • Friedberg
  • Jürgen Wagner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.