03. März 2018, 11:00 Uhr

O2-Netz

Raus aus dem O2-Vertrag: Der steinige Weg zur Kündigung

Ulrich Brandt ist unzufrieden: Seit Monaten schwankt in Bad Nauheim das O2-Netz, daheim hat er tagelang keinen Empfang. Brandts Versuch, den Handyvertrag zu kündigen, wird zu einer Odyssee.
03. März 2018, 11:00 Uhr
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Von Laura Kaufmann , 2 Kommentare
Für seine Kunden ist Ulrich Brandt nicht immer erreichbar. In seiner leitenden Funktion ist er auf das Handy angewiesen. Doch der O2-Empfang in Bad Nauheim ist immer wieder gestört. Brandt will daher raus aus dem Vertrag. (Foto: Nici Merz)

Warum sollte ich für etwas bezahlen, wenn ich keine Leistung bekomme?« Ulrich Brandts Frage ist eine hypothetische. Der Bad Nauheimer ist genervt. Er will nicht länger zahlen, sondern raus aus seinem Handyvertrag beim Mobilfunkanbieter O2. Doch das ist gar nicht so leicht.

Seit Monaten bekommt das Unternehmen Telefonica Deutschland, wozu auch die Marken O2 und E-Plus gehören, seine Netzprobleme in Bad Nauheim nicht in den Griff. Mal können Kunden nicht telefonieren, mal nicht mit dem Smartphone im Internet surfen. Anfang Februar ging beides einige Tage nicht. Brandt, jahrzehntelanger Kunde, war es leid. Zumal er keinen Festnetzanschluss hat und als leitender Angestellter im Verlagshaus der WZ stark auf sein Handy angewiesen ist. »Der Empfang ist oft schlecht, vor allem, wenn man sich in Gebäuden aufhält. Telefonate brechen mitten im Gespräch ab oder bauen sich gar nicht erst auf.« Monatlich zahle er 30 Euro Vertragsgebühren.

»Ich bin am 10. Februar in den O2-Shop in Friedberg gegangen.« Er habe vom dortigen Mitarbeiter erfahren, dass fünf Sendemasten in der Region auseinandergebaut worden seien. »Mir wurde gesagt, dass sie auf LTE umgerüstet werden sollen.« Man habe ihm nicht sagen können, wann die Netzstörung voraussichtlich behoben sei.

 

O2 schreibt Rechnungsbetrag gut

 

Brandt entschied sich, zu kündigen. Der Mitarbeiter des O2-Shops habe ihm eine Vorgangsnummer zugewiesen. Tags darauf schickte Brandt O2 die außerordentliche Kündigung zu, verwies auf die Probleme, räumte eine Frist zur Behebung bis Monatsende ein. Knapp eine Woche später bekam er eine Antwort. Sein Kundenbetreuer entschuldigte sich und teilte mit, die O2-Techniker arbeiteten an einer Lösung. Er schrieb Brandt einmalig 34,98 Euro gut. Auf die außerordentliche Kündigung wurde in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, nicht mit einer Silbe eingegangen.

Brandt ließ nicht locker, rief bei der Kunden-Hotline an. Sprach die Kündigung erneut aus. Sie wurde nicht angenommen. »Es hieß, ich müsse in der Kündigungsabteilung anrufen. Mich per Telefon dorthin durchzustellen, sei nicht möglich.« Ebenfalls nicht möglich sei es, dass er der Kündigungsabteilung eine E-Mail sende. Ein Fax hingegen sei kein Problem. »Schließlich habe heutzutage jeder ein Faxgerät daheim, sagte mir die Frau an der Hotline«, berichtet Brandt, der kein Faxgerät hat. Er fuhr kurzerhand mit der Kündigung in den O2-Shop. Der »wirklich sehr freundliche« Mitarbeiter half ihm, faxte das Schreiben.

Der Bad Nauheimer vermutet System hinter dem Vorgehen von O2 . »So unfähig darf kein Telefonanbieter sein«, meint Brandt. Kunden mit Kündigungsabsicht würden gezielt Steine in den Weg gelegt.

 

Kündigung inzwischen akzeptiert

 

Die WZ hat sich mit Brandts Fall an die Telefonica-Pressestelle gewandt. Eine Mitarbeiterin antwortete am Donnerstag: »Nach individueller Prüfung des vorliegenden Kundenfalls wurde dem Kunden [...] mittlerweile auch die außerordentliche Kündigung schriftlich bestätigt. Für die Unannehmlichkeiten möchten wir uns entschuldigen. Wir hoffen jedoch, nun eine zufriedenstellende Lösung [...] gefunden zu haben.«

Ende gut, alles gut? In Brandts Fall scheint es so. Das O2-Netz läuft indes in Bad Nauheim noch immer nicht rund. Laut Pressestelle des Mobilfunkanbieters wird mit Hochdruck an dem Problem gearbeitet.

 

Probleme bei Netzintegration

 

Telefonica Deutschland hat 2014 E-Plus gekauft, will das Netz mit dem der Marke O2 zusammenführen. Aufgrund der Netzintegration sei es in Bad Nauheim zu Problemen gekommen. Um potenzielle Netzeinschränkungen für Kunden möglichst gering zu halten, würden die komplexen Arbeiten schrittweise umgesetzt, teilt das Unternehmen mit. Letztlich solle der Kunde durch die Integration der Netze von einer Qualitätsbverbesserung profitieren.

Brandt glaubt nicht, dass sich die Netzqualität in absehbarer Zeit verbessern wird. Er sagt: »Ich kann mir vorstellen, dass auf O2 eine Kündigungswelle zukommt.«

Infobox

Immer wieder Netzprobleme

Bereits im Oktober 2017 kam es im O2 und E-Plus-Netz in Bad Nauheim und Steinfurth zu Schwankungen. Auch 2018 rissen die Probleme nicht ab. Anfang Februar kam es zum Blackout: Für einige Tage konnten O2- und E-Plus-Kunden in Bad Nauheim weder telefonieren noch im Internet surfen. Im Februar schwankte das Netz weiter. Am gestrigen Freitag arbeitete eine Basisstation in Bad Nauheim erneut nicht einwandfrei. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens teilte der WZ mit, insgesamt sei es das Ziel, die Netzqualität zu verbessern. »Konkret werden in Bad Nauheim voraussichtlich bis zum dritten Quartal 2018 zwei weitere GSM-Stationen sowie eine weitere GSM-Station in Schwalheim errichtet.« (lk)

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