04. Juli 2019, 14:00 Uhr

Lärmschutzwände aufgebaut

Schallschutz soll Bahnlärm für Anwohner minimieren

Schneller als erwartet steht der Schallschutz längs des Friedberger Bahngeländes. Am Mittwoch wurde das letzte Wandelement symbolisch eingehoben. Fehlt nur noch eine »Lücke«.
04. Juli 2019, 14:00 Uhr
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Von Jürgen Wagner
Jetzt kehrt Ruhe ein (v. l.): Ortsvorsteher Norbert Simmer, Bürgermeister Dirk Antkowiak, Martina Tittel (DB Netz AG), Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, Stefan Czilwa (DB Netz AG) und Michael Normann (Bauleitung »Hering Systeme«). (Foto: Nici Merz)

Wie lange eine Schallschutzwand durchschnittlich steht, bis sie mit Graffiti bemalt ist, konnte kein Vertreter der Deutschen Bahn sagen. Aber es soll in Deutschland zwei Wände geben, die seit über zehn Jahren nicht bemalt wurden: eine im Rheinland und eine in Bottrop. In Friedberg hoffen die Verantwortlichen, dass die Wände bald begrünt werden und die Nachbarn von Gegenüber ein Auge drauf haben. Wo das der Fall sei, gebe es auch weniger Verschmutzungen, sagte Martina Tittel, Leiterin Lärmsanierung West und Mitte bei der DB Netz AG. Das Bemalen der Wände sei ein Straftatbestand, die jungen Leute begäben sich bei ihren nächtlichen Aktionen in Lebensgefahr, warnte sie.

Keine quietschenden Bremsen mehr

Doch es ging beim Pressetermin nördlich des City-Parkhauses weniger um Kunst bzw. Schmierereien, sondern um die Verringerung von Bahnlärm. Mitarbeiter der Firma »Hering Systeme« hoben die letzten vier Aluteile mit einem Kran an die richtigen Position, und als wenige Minuten später der nächste Güterzug vorbeirollte, war der Geräuschpegel in der Tat geringer als zuvor. Das liegt laut Tittel auch an einer weiteren Umrüstung: Die Güterzüge der Bahn erhalten nach und nach Bremssohlen aus Keramik. Bislang waren diese Bauteile aus Stahl. Das infernalische Kreischen, wenn Stahl auf Stahl reibt, kennt jeder, der schon mal am Bahnsteig auf den Zug wartete. Tittel: »Fährt ein Güterzug mit Keramik-Bremssohlen ein, kann man sich problemlos dabei unterhalten.«

Rund 3,4 Millionen Euro investiert die Bundesrepublik in die Lärmsanierung am Friedberger Bahnhof. Die drei Schallschutzwände umfassen insgesamt 1210 Meter auf der westlichen Seite der Bahngleise. Dem Bau gingen Schallschutzmessungen voraus. Entscheiden sich die Eigentümer der angrenzenden Häuser, Schallschutzfenster einzubauen, können sie Fördergelder beantragen. Hierfür stehen 344 000 Euro bereit.

Eine Lücke wird noch geschlossen

»Die Bahnstrecke Friedberg ist hochbelastet, der nächtliche Güterverkehr soll noch zunehmen«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Umso besser, dass die direkten Anwohner nun vom Lärm entlastet würden. Antkowiak freute sich, dass er neben den Vertretern der Bahn und der Baufirma auch zahlreiche Kommunalpolitiker aus Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeirat begrüßen konnte.

Es waren die Kommunalpolitiker, die vor zwei Jahren den ersten Planungsentwurf ablehnten, da ein rund 70 Meter langer Abschnitt in der Haagstraße freibleiben sollte. Die Verwaltung hatte damals argumentiert, dort verlaufe ein Schulweg, es fehle der Platz für die Wände. Die Stadtverordneten sahen das anders. Der Schulweg wird verlegt, die Wände werden direkt auf dem Gehweg aufgebaut. Dieses Sonderbauwerk soll als nächstes in Angriff genommen werden.



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