26. Juni 2017, 20:36 Uhr

Schaurige Töne

Drei Kulturtaucher-Vorstellungen in unterschiedlichen Genres, aber jeweils auf hohem Niveau konzentrierten sich jüngst im Theater Altes Hallenbad.
26. Juni 2017, 20:36 Uhr
Axel Senn (r.), zuständig für Geräusche beim Live-Hörspiel, wird nach der Show von Besuchern umlagert. Dem Gerät lassen sich schaurige Töne entlocken. (Foto: emh)

Arg strapazierten die Erfinder des »Ersten Musik-Kasperetts« die Lachmuskeln des Publikums. An hintersinnigen Geistesblitzen, die lange bis »zum Ankommen« brauchten, gab es keinen Mangel. Das Unerwartete zu bringen, ist Methode der beiden Künstler, die sich »Zärtlichkeiten mit Freunden« nennen, was an sich schon eine Herausforderung ist. Dahinter verbergen sich zwei Clowns, Musiker, Sänger, Parodisten, Entertainer: Die Sächsischen Originale Stefan Schramm und Christoph Walter aus Zeithain. Die mit Kleinkunstpreisen überhäuften »Zuzweitunterhalter« gleiten immer wieder ins Absurde. Und es steckt doch mehr dahinter, wenn der geistig oft träge Schlagzeuger stockend hintersinnige Geschichten erzählt, und nicht sein nachsichtiger Partner an der Gitarre, sondern er die Pointen setzt.

Gesichtsmaske am Hinterkopf

Christoph Walter am Schlagzeug rockt das Alte Hallenbad meisterhaft und schafft das auch, verkehrt herum sitzend mit einer Gesichtsmaske am Hinterkopf so, dass den Zuschauern ganz anders wird.

Größer könnte der Kontrast nicht sein, als der in der Wetterau recht bekannte Pianist Christoph Soldan seine Schlesischen Kammersolisten am Samstag auf die Bühne brachte. Die fünf Streicher konzertierten schon bei bedeutenden europäischen Musikfestivals (Rheingau Musik Festival) und arbeiteten mit weltbekannten Künstlern zusammen, wie Yehudi Menuhin oder Christoph Eschenbach. Mit dem klassisch besetzten Quartett, ergänzt um Kontrabass, spielte Soldan das Klavierkonzert in F-Dur, KV 413, des 26-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart. In seiner Einführung berichtete er, Mozart hätte dazu geschrieben, dass man auch für Nichtkenner schreiben müsse, die zufrieden sein sollen, auch ohne zu wissen, warum. Das sachkundige Publikum merkte schon nach den ersten Takten, warum es später begeistert applaudieren würde: Feine Nuancen der Linienführung, gelungenes Wechselspiel zwischen Solist und Streichern, präzise Einsätze und dynamische Solopartien wurden den Intentionen des Komponisten vollauf gerecht.

Gleiches gilt für das, allein von den Streichern gebotene, folgende Stück. »Eine kleine Nachtmusik« ist eines der populärsten Klassik-Kompositionen überhaupt. Es war ein Genuss, den traumhaft sicheren Kammersolisten zu lauschen.

Der zweite Teil des Abends stellte die Frage: Wie würden Beethoven, Händel oder Mozart komponieren und spielen, wenn sie die Songs von Deep Purple, den Bee Gees oder von Led Zeppelin gekannt hätten? Die Antwort präsentierte Primarius Darius Zboch in faszinierender Art und Weise. Er hatte populäre Welthits mit klassischer Musik für sein Ensemble verwoben. So begann eines der Werke mit Tschaikowskys Streicherserenade, wechselte dann zu »Somebody to Love« von Queen und endete, indem es wieder zu Tschaikowsky zurückkehrte. Ein großartiges Cross-Over Projekt, das Yesterday der Beatles, Tears in Heaven von Eric Clapton, aber auch das jüdische Hava Nagila ganz neue Klangfarben verlieh.

Gruselig wurde es am Sonntagabend mit dem hr2 Live-Hörspiel »Der Hund der Baskervilles«, geleitet von Klaus Krückenmeyer als Sherlock Holmes auf der Spur eines Mörders. Wegen der großen Nachfrage im Dezember, kamen die Hör-Schauspieler auf Wunsch nun erneut ins Alte Hallenbad. Von der Location Hallenbad waren die Hörspielmacher schon im Vorjahr so begeistert, dass sie diesmal eine Benefizvorstellung zugunsten des Hallenbadvereins gaben.

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