15. September 2019, 18:00 Uhr

Lesung

»Schnauze, Alexa! Ich kaufe nicht bei Amazon« - So lief die Lesung in der Butzbacher Buchhandlung Bindernagel

Der Frankfurter Autor und Dozent Johannes Bröckers sieht die Marktmacht von Amazon kritisch. In der Buchhandlung Bindernagel in Butzbach diskutierte er mit einem interessierten Publikum.
15. September 2019, 18:00 Uhr
»Für Jeff Bezos kometenhaften Aufstieg zahlen andere den Preis«, sagt Autor Johannes Bröckers. Denn Amazon mache auf seinem Weg zur Weltspitze ganze Branchen platt und habe sich zu einer gigantischen Datenkrake entwickelt. (Fotos: geo/doa)

Alexa hört in allen Wohnstuben weltweit alles mit und kennt die intimsten Informationen über uns«, sagt Autor Johannes Bröckers gleich zu Beginn der Veranstaltung in der Buchhandlung Bindernagel in Butzbach. Und er fügt hinzu: »Die Zukunft auf die wir uns einlassen, ist die Gegenwart, in der wir leben werden«. Diesen mahnenden Gedanken muss man wirken lassen, vor dem Hintergrund der Perspektive, aus der Bröckers das Buch geschrieben hat. »Schnauze, Alexa! Ich kaufe nicht bei Amazon« heißt es,. »Um das gleich mal klarzustellen: Auch ich verfüge über ein aktives Amazon-Konto und zähle selbst zu den inzwischen 44 Millionen Kunden in Deutschland«, sagt er. 300 Millionen Kunden nutzten Amazon weltweit. Auch Bröckers fand es cool, sein erstes Buch im Netz zu bestellen und fühlte sich mit der Zukunft verbunden. Heute nutzt er Amazon »wie die Notfall-Fertigpizza im Gefrierfach.«. Laut Bröckers habe es Amazon-Gründer Jeff Bezos in nicht mal 25 Jahren geschafft, seine Garagenfirma zu einem Billion-Dollar-Unternehmen zu entwickeln.

Doch: Für Bezos kometenhaften Aufstieg zahlten andere den Preis. Denn Amazon lade auf seinem Marktplatz massenweise Händler zum Umsatzsteuerbetrug ein, mache auf seinem Weg zur Weltspitze ganze Branchen platt und habe sich zu einer gigantischen Datenkrake entwickelt.

Die Daten würden benötigt, um das Einkaufsverhalten der Kunden zu analysieren. Das alles sei bekannt, und trotzdem werde weiter bei Amazon eingekauft. Bröckers hinterfragte, ob die bequeme Art des Shoppens unser kritisches Bewusstsein ausblende. In diesem Zusammenhang verwies er auf die These des Schriftstellers Arthur Koestler, der behauptet, dass wir nicht in der Lage sind, unser Denken und Empfinden zu synchronisieren.

Innenstädte leiden

Eine völlig neue Dimension erreiche das Erfassen von Kundendaten mit der mit sieben Mikrofonen und Richtfunktechnologie ausgestatteten Lautsprecherbox Alexa. »Alexa hört in allen Wohnstuben weltweit alles mit und kennt die intimsten Informationen über uns«, sagt Bröckers. Die Befehle mit Alexa führten zu detaillierten Persönlichkeitsprofilen von einem großen Teil der Menschheit. Während der kontroversen Diskussion sagte eine Zuhörerin, dass man sozial ausgegrenzt werde, wenn man nicht bei Amazon bestelle.

Dahinter stehe auch sozialer Druck. Laut wurde auch die Ansicht, dass wer sich lebendige Innenstädte wünsche, nicht ausschließlich bei Amazon bestellen kann und sollte. Stattdessen müssten mittelständische Unternehmen vor Ort gestärkt werden. Bröckers sagte, dass Digitalunternehmen keine Steuern zahlen würden: »Die Steuerinseln sind ein großes Problem. Dem Fiskus entgehen bis zu 28 Prozent an potentieller Umsatzsteuer pro Jahr«.

Auch das Thema Produktsicherheit sprach der Autor an. So wüssten Kunden, die bei Amazon bestellten nicht, ob die Produkte den deutschen Sicherheitsbestimmungen entsprächen. »Wir erwarten jetzt von Ihnen, dass Sie an Schulen gehen, nicht missionieren, sondern vorleben«, adressierte das Gros der Zuhörer unter denen auch Kommunalpolitiker waren, final an Bröckers.

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