19. Dezember 2018, 20:11 Uhr

Schöne Parks und eine Nachtigall

19. Dezember 2018, 20:11 Uhr
ATZ

1999 flatterte ein Brief aus Amerika auf den Schreibtisch des damaligen Bürgermeisters Peter Keller. Ein ehemaliger US-Soldat, der ab 1949 für einige Jahre hier stationiert war, sandte eine Werbebroschüre von Bad Nauheim zurück, die er seinerzeit geschenkt bekommen und mit in die Heimat genommen hatte. Er habe noch immer schöne Erinnerungen an die Stadt, ließ der Schreiber wissen, wolle deshalb nicht, dass die Broschüre irgendwann verloren gehe. Deshalb könne er sich die Aufnahme ins Stadtarchiv gut vorstellen. So ist es auch geschehen. Bürgermeister Keller sandte dem Veteranen mit bestem Dank einen aktuellen Bildband von Bad Nauheim, und das Werbeprospekt wanderte in den Bestand des Archivs.

Dass ein farbiger Kurprospekt von Bad Nauheim auch nach 50 Jahren Auslöser für positive Erinnerungen an die Besatzungszeit sein kann, beweist der Brief aus den USA, der 1999 das Bad Nauheimer Rathaus erreichte. In einwandfreiem Deutsch schrieb darin Professor Daniel C. O’Neil aus Binghamton N.Y.: »Als 82-jähriger habe ich immer noch sehr schöne Erinnerungen an meinen mehrjährigen Aufenthalt in Bad Nauheim und an die netten Bekanntschaften, die ich damals gemacht habe. In den schönen Parkanlagen rings um den Stadtteich habe ich zum ersten Mal eine Nachtigall bei Mondlicht singen hören können… ein unvergessliches Erlebnis!«

Jahrelange Arbeit im Kurheim

Das 63rd Field Hospital hatte 1945 im beschlagnahmten Eleonorenhospiz, Benekestraße 6, seine Zelte aufgeschlagen. Die Bandbreite der Versorgung reichte von chirurgischen Eingriffen bis zur Diätküche. Später kamen die zahnmedizinische Abteilung und eine Apotheke hinzu. O’Neil gehörte als Sanitäter vermutlich einer nachfolgenden medizinischen Einheit an, die der Continental Base Section unterstellt und damit ab 1949 über mehrere Jahre in diesem Kurheim stationiert war.

Einen Teil seiner Freizeit verbrachte er im nahe gelegenen Kurpark. Ferner erinnerte er sich an Krankenschwester Christel Zorn, die in der Dispensary (Apotheke) arbeitete, und an einen Arzt namens Dr. Kadelbach. Weiter erwähnte er die Familienmitglieder des Pensionsinhabers Garzke im Haus Lindenstraße 8, die ihm alle bei der Verbesserung seiner deutschen Sprachkenntnisse sehr behilflich gewesen seien. Dem gedruckten Kleinod wünschte O’Neil einen Ehrenplatz im hiesigen Archiv und fände es zu schade, »wenn die Broschüre einfach verloren ginge, was bei mir sicher geschehen muss«.

Am Ende des Briefs findet er noch lobende Worte für den »reizenden Jugendstil des Sprudelhofs«, der hoffentlich trotz voranschreitender Veränderungen immer einen Teil der Schönheit der Stadt als Kurort ausmachen werde.



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