14. Mai 2018, 08:00 Uhr

Problemkind

Segelpläne am Wölfersheimer See sorgen für Kritik

Wer in der Region segeln will, fährt nach Trais-Horloff oder nach Nidda. So war das bisher. Bald soll sich das ändern – doch nicht alle sind begeistert.
14. Mai 2018, 08:00 Uhr
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Von Sabrina Dämon
Bald schon sollen Segelboote und Tretboote auf dem Wölfersheimer See unterwegs sein. Der Gemeindevorstand hat entsprechende Verträge mit den Betreibern ausgehandelt. (Foto: sk)

Der See ist das Problemkind der Gemeinde Wölfersheim. Nicht das Drumherum, das wird gut angenommen – Hochseilgarten, Fußballgolf, Spielplatz. Das Problem ist das Wasser. Ende des Jahres soll eine Entscheidung getroffen werden, wie es verbessert werden kann. Dass vorher schon Boote auf dem See fahren sollen, sorgt für Kritik.

Wer in der Region segeln will, fährt nach Trais-Horloff oder nach Nidda. Das soll sich ändern: Der Gemeindevorstand in Wölfersheim hat einen Vertrag mit dem neugegründeten Verein Segelclub Wölfersheim ausgehandelt. Schon bald sollen auf dem Wölfersheimer See Segelboote unterwegs sein.

 

Im Sommer könnte es losgehen

 

Wie Vereinsmitglied Ralf Koos sagt, sind die Mitglieder am Planen, konkrete Zeitpläne gibt es noch nicht. Die Mitglieder wollen einen Steg errichten (an der ehemaligen Bewässerungsanlage der PREAG), an dem die Boote – maximal zehn – anlegen können. Wenn alles klappe, könne es im Sommer losgehen. Außerdem, sagt Bürgermeister Eike See (SPD), möchte der Betreiber der Fußballgolfanlage Tretboote verleihen, und der Angelsportverein darf mit maximal zehn Booten auf den See.

Kritik gibt es dafür von den Grünen. Nicht am Bootfahren an sich, sondern an der eigenmächtigen Entscheidung des Gemeindevorstands, obwohl die Zukunft des Sees noch ungewiss ist. Dr. Franz Grolig, der für die Grünen im Gemeindeparlament sitzt, sagt: »Der Ausbau von Freizeitaktivitäten passt nicht ins Bild, solange der See ›krank‹ ist.«

 

Baden ist schon lange verboten

 

Der See ist schon lange Thema. Die ehemalige Tagebaugrube ist kein natürlich entstandenes Gewässer. Die Wasserzufuhr kommt aus der Kläranlage, dem Heldteich und aus dem Grundwasser. In den Biedrichsgraben fließt Wasser ab – es ist kaum in Bewegung. Im Sommer hat der See unter drei Metern Wassertiefe bis zum Grund in 18 Metern Tiefe keinen Sauerstoff, die Wasserqualität ist schlecht, Baden ist schon lange verboten.

Das Problem, darüber sind sich alle einig, soll behoben werden. Sicher ist auch, dass es teuer wird. Die Frage ist: Was kann gemacht werden? Bevor das entschieden wird, soll das Ergebnis eines zweiten Gutachtens abgewartet werden, dem die Frage zugrunde liegt: Wie kann die Wasserqualität dauerhaft verändert werden? Ende 2018 soll es darauf eine Antwort geben.

 

»Grundlegendes Ziel gefährdet«

 

Bis es soweit ist, finden die Grünen, sollte mit Freizeitnutzungen gewartet werden. In einer Pressemitteilung heißt es: »Steht einerseits der ökologische Zustand und die Sanierung des Gewässers im Zentrum der politischen Diskussion, werden andererseits nun Freizeitaktivitäten gewährt – gerade so, als gäbe es die fatale Situation des Sees überhaupt nicht.«

Der grüne Gemeindevertreter Michael Rückl sagt: »Auf diese Weise gefährdet der Gemeindevorstand Stück für Stück das grundlegende Ziel, das im Seekonzept aus dem Jahre 2011 verankert wurde: ›Ziel ist es, am Wölfersheimer See Naturschutz, Angelsport und Freizeitnutzung in Einklang zu bringen.‹ «

 

»Wasserqualität wird nicht beeinflusst«

 

Der Bürgermeister entgegnet: »Die Argumentation von Herr Rückl ist für mich nicht schlüssig. Die Wasserqualität des Wölfersheimer Sees wird nicht negativ durch das Befahren des Sees durch Segel- oder Tretboote beeinflusst.« Er verweist auch auf das 2011 von der Gemeinde verfasste Seekonzept: Darin sei die Vermietung von Booten verankert.

Grolig sagt: »Erst nach Erstellung des Seekonzepts bestätigte ein Gutachten den schlechten Zustand des Sees.« Bis es zu endgültigen Beschlüssen und damit Maßnahmen zur Gesundung des Sees komme, gehe noch einige Zeit ins Land. »Der Ausbau von Freizeitaktivitäten sollte unterbleiben, um den See nicht zusätzlich zu belasten.« Priorität sollte erst einmal die »Sanierung« des Sees haben.

 

Nächstes Mal Thema im Parlament

 

Die Grünen finden: »Während die Entscheidung zur Fußballgolfanlage angemessen beraten wurde, hat der Gemeindevorstand im vorliegenden Fall seine Kompetenzen überschritten.« Und: »Wir brauchen daher eine Regelung, die sämtliche Veränderungen am See von der Zustimmung der Gemeindevertretung abhängig macht. Einzige Ausnahme: Die Maßnahme ist bereits Teil des verabschiedeten Seekonzepts.« Ein entsprechender Antrag werde in der Mai-Sitzung der Gemeindevertreter gestellt.

Der Bürgermeister jedoch entgegnet: »Der Abschluss von Verträgen dieser Art sind immer Aufgabe des Gemeindevorstandes. Das laufende Geschäft regelt laut hessischer Gemeindeordnung der Gemeindevorstand. Eine Kompetenzüberschreitung liegt hier eindeutig nicht vor.«

Info

Die Entstehung des Sees

1838 wurde bei Probebohrungen festgestellt, dass auf dem Gebiet der Gemeinde Wölfersheim förderfähige Braunkohlevorkommen vorhanden waren – so steht es im historischen Abriss, mit dem das von der Gemeinde 2011 verabschiedete Seekonzept eingeleitet wird. 1842 nahm die Grube Wölfersheim ihren Betrieb auf. Der Wölfersheimer See jedoch entstand erst viel später. Er ist das Ergebnis einer Tagebaugrube, die von 1927 bis 1942 in Betrieb war. Später wurde das Seewasser genutzt, um zu kühlen: Rohrleitungen verbanden See und Braunkohle-Dampfkraftwerk.



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